Neue Zahlen von Fraunhofer UMSICHT zeigen: Durch die Kreislaufführung von rund zwei Millionen Tonnen Wertstoffen hat Interzero im Jahr 2025 über 7,2 Millionen Tonnen Primärressourcen eingespart und mehr als 900.000 Tonnen Treibhausgasemissionen vermieden. Für Jan Kroker, CEO von Interzero, belegen diese Zahlen vor allem eines: Kreislaufwirtschaft entwickelt sich vom Nachhaltigkeitsthema zu einem entscheidenden Faktor für die Rohstoffversorgung Europas.
Herr Kroker, was sagen die aktuellen Zahlen von Fraunhofer UMSICHT über den Stellenwert der Kreislaufwirtschaft aus?
Kreislaufwirtschaft ist weit mehr als Abfallverwertung. Europa diskutiert intensiv über Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und strategische Unabhängigkeit. Gleichzeitig gehen jedes Jahr enorme Mengen wertvoller Rohstoffe nach einmaliger Nutzung verloren. Unsere Zahlen machen sichtbar, welches Potenzial in geschlossenen Kreisläufen steckt: Ressourcen werden geschont, Emissionen vermieden und Rohstoffe für die Industrie gesichert.
Wird Kreislaufwirtschaft damit zu einer Frage der Rohstoffsicherheit?
Absolut. Klimaschutz bleibt wichtig, doch die Diskussion öffnet sich. Viele Unternehmen fragen sich, wie sie angesichts geopolitischer Unsicherheiten und volatiler Rohstoffmärkte ihre Versorgung langfristig absichern können. Recyclingrohstoffe sind dafür ein wichtiger Baustein. Wer Materialien im Kreislauf hält, reduziert Abhängigkeiten von Importen und stärkt die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten.
Die aktuelle Veröffentlichung verweist auch auf die Herausforderungen beim Verpackungsrecycling. Wo liegen die größten Probleme?
Ein zentrales Thema ist, dass viele Verpackungen noch nicht konsequent für den Recyclingprozess entwickelt werden. Wir sehen beispielsweise einen steigenden Anteil von schwer trennbaren Materialkombinationen. Solche Lösungen wirken auf den ersten Blick innovativ, führen in der Praxis aber oft dazu, dass Materialien schlechter sortiert und recycelt werden können. Die beste Verpackung ist nicht die mit dem attraktivsten Nachhaltigkeitsversprechen, sondern diejenige, die nach ihrer Nutzung tatsächlich in den Kreislauf zurückgeführt werden kann.
Welche Rolle spielt dabei die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR?
Die PPWR ist ein wichtiger Meilenstein. Sie schafft erstmals europaweit verbindliche Anforderungen an die Recyclingfähigkeit von Verpackungen. Das heißt, die Kreislauffähigkeit muss viel stärker bereits in der Entwicklung mitgedacht werden. Genau hier verstehen wir uns als Enabler: Wir bringen regulatorisches Know-how, Verpackungsexpertise und das Wissen über reale Sortier- und Recyclingprozesse zusammen. Damit helfen wir Unternehmen, die Anforderungen der PPWR nicht nur zu erfüllen, sondern daraus auch Wettbewerbsvorteile zu entwickeln.
Welche Hebel braucht es, um die Kreislaufwirtschaft auf das nächste Level zu heben?
Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie setzt die richtigen Schwerpunkte. Jetzt kommt es darauf an, daraus konkrete Marktanreize abzuleiten. Wir brauchen eine stärkere Nachfrage nach Recyclingrohstoffen. Ein Hebel ist die öffentliche Beschaffung, die den Einsatz von Recyclingrohstoffen verbindlich berücksichtigen sollte. Gleichzeitig müssen Genehmigungs- und Investitionsverfahren für Recyclinginfrastrukturen beschleunigt werden. Ebenso wichtig ist die konsequente Umsetzung von Design for Recycling, wie es die PPWR vorgibt. Und wir sollten technologieoffen bleiben: Neben dem werkstofflichen Recycling kann das chemische Recycling als komplementäres Verfahren dazu beitragen, bislang schwer verwertbare Kunststoffströme im Kreislauf zu halten. So stärken wir Klima-, Ressourcen- und Rohstoffsicherheit gleichermaßen.
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