Die politischen Rahmenbedingungen für die Klimaneutralität haben zuletzt einen deutlichen Knacks bekommen. Mit der neuen Regierung steht vieles auf dem Prüfstand, während aktuelle Studien zugleich klar zeigen, dass zentrale Belastungsgrenzen des Klimasystems bereits überschritten sind. Die Herausforderungen des Klimawandels und der Ruf nach nachhaltigen Lösungen machen die Dekarbonisierung damit zu einer der zentralen Aufgaben unserer Zeit. Besonders der Mittelstand gerät unter Druck: steigende Kosten, unsichere Förderkulissen und die Sorge um die eigene Wettbewerbsfähigkeit. Die Anforderungen wachsen schneller als die politische Klarheit. Viele Unternehmen können und vor allem wollen ihre Produktion nicht ins Ausland verlagern. Die Transformation muss gelingen – und das, ohne den betrieblichen Alltag aus dem Takt zu bringen.
Herr Meyer, Sie begleiten Unternehmen seit mehr als 15 Jahren bei ihrer energetischen Transformation. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)?
KMU tragen heute einen großen Teil der Last auf dem Weg zur Klimaneutralität. Viele wollen vorangehen, stehen dabei jedoch politisch wie finanziell zunehmend allein da. Die Anforderungen steigen, während Zeit, Personal und Orientierung fehlen. Gerade in der Praxis wird das sichtbar: Die verantwortlichen Personen in der technischen Leitung können eine solche Aufgabe oft nicht zusätzlich zum Tagesgeschäft stemmen – ohne eine zusätzliche fachkundige Begleitung drohen falsche oder verspätete Entscheidungen.
Aktuell zeigt sich das auch beim geplanten Industriestrompreis ab 2026: Entlastet werden vor allem besonders stromintensive Branchen, während die meisten KMU nicht profitieren. Hinzu kommt eine steigende Komplexität in der Berichtspflicht: Energieaudits, Bilanzierungen und neue Transparenzanforderungen überfordern viele Betriebe ohne externe fachliche Unterstützung. Für sie bleibt entscheidend, komplexe Vorgaben zu verstehen und Prioritäten richtig zu setzen. Genau deshalb braucht es einen Partner, der die betriebliche Realität kennt und die regulatorischen Einflüsse und Veränderungen fachlich einordnet.
Gäbe es denn ein Instrument, dass Unternehmen dabei hilft, ihre Schritte in Richtung einer Klimaneutralität klar zu strukturieren?
Ja, tatsächlich, der Transformationsplan ist derzeit einer der wirkungsvollsten Ansätze, um Klimaneutralität strategisch anzugehen – und zudem stark förderfähig. Er schafft Transparenz über den eigenen Energieverbrauch, zeigt realistische CO2-Reduktionspfade auf und bringt Maßnahmen, Kosten und Zeitpläne in eine klare Struktur. Gleichzeitig macht der Transformationsplan sichtbar, welche Schritte wirtschaftlich tragfähig zur Dekarbonisierung beitragen und wo relevante Einsparpotenziale liegen. So lassen sich Energiekosten senken, CO2 einsparen und langfristige Effizienzgewinne erzielen.
Systematisch wird dabei die Zielsetzung verfolgt, gemäß dem Greenhouse Gas Protocol (GHG) die Emissionen der Scopes 1 und 2 innerhalb von 10 Jahren um mindestens 40 % zu reduzieren. Grundlage dafür bildet eine normkonform aufgestellte CO2-Bilanz nach DIN EN ISO 14064-1.
Die Entwicklung und Umsetzung eines solchen Plans ist anspruchsvoll, aber lohnend: Unternehmen leisten damit nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz, sondern stärken zugleich ihre wirtschaftliche Basis. Denn Energie – ob Strom, Erdgas, Heizöl oder Fernwärme – steht immer in direktem Zusammenhang mit der CO2-Bilanz eines Unternehmens. Hinter jeder Kilowattstunde steckt ein CO2-Äquivalent, das zeigt, wie groß das Potenzial für wirksame Reduktionen tatsächlich ist.
Welche Vorteile bringt ein Transformationsplan konkret?
Die Umsetzung eines Transformationsplans bringt zahlreiche Vorteile mit sich. Es trägt nicht nur deutlich zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes bei, sondern führt häufig auch zu spürbaren Kosteneinsparungen durch sinkende Energieverbräuche. Er strukturiert den Prozess, unterstützt Investitionsentscheidungen und wird dabei in hohem Maße durch Förderprogramme begünstigt. Zudem sorgt der Transformationsplan für mehr Planungssicherheit und stärkt die Bindung der Mitarbeitenden: Wer sieht, dass sein Unternehmen Verantwortung übernimmt, identifiziert sich stärker mit seinem Arbeitsplatz.
»Der Transformationsplan ist derzeit einer der wirkungsvollsten Ansätze, um Klimaneutralität strategisch anzugehen – und zudem stark förderfähig.«
Ist ein Transformationsplan branchenübergreifend einsetzbar?
Absolut. Ein Transformationsplan lässt sich branchenübergreifend einsetzen. Wir haben bereits Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Bereichen begleitet – von handwerklichen Bäckereibetrieben über verschiedene industrielle Unternehmen bis hin zum Gesundheitswesen. In allen Bereichen gibt es hohe Einsparpotenziale, weil energierelevante Strukturen auf klar definierbare Maßnahmen treffen. Gerade diese Übertragbarkeit macht den Transformationsplan so wertvoll: Er bietet verlässliche Orientierung, unabhängig von Branche, Unternehmens- oder Betriebsgröße.
Wie hilft Ihnen Ihre eigene Mittelstandsperspektive dabei, Unternehmen sicher auf dem Weg zur Klimaneutralität zu begleiten?
Wir wissen sehr genau, was den Mittelstand bewegt – schlicht, weil wir selbst dazugehören. Unsere Wurzeln am Münsteraner Hafen prägen uns dabei. Diese Perspektive begleitet unsere Arbeit: Wir erleben täglich, wie wichtig es ist, Ressourcen klug einzusetzen und Entscheidungen zu treffen, die langfristig weiterhelfen. Deshalb beraten wir aus der gelebten Praxis – verlässlich, pragmatisch und mit einem klaren Blick über den Tellerrand.
Sollten Sie diese Fragen ebenfalls beschäftigen und Sie fachlichen Austausch wünschen, können Sie jederzeit auf uns zukommen.
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