Bye, bye, Lieferdrohne

Für die Logistik 4.0 steht eine Menge auf der Agenda. Ein großes Medienthema ist erst einmal zurückgestellt.

Illustration: Vanessa Melzner
Illustration: Vanessa Melzner
Mirko Heinemann Redaktion

Mit der Digitalisierung der Logistik verbinden sich viele Trendthemen. Eines davon ist der Einsatz von intelligenten Lieferdrohnen für die letzte Meile. Viele Versuche wurden und werden gestartet, aber in der Umsetzung gestaltet sich das Thema eher schwierig. Was in Einzelfällen funktioniert – so werden solche Drohnen etwa eingesetzt, um Medikamente in abgelegene Regionen zu bringen, ist eben nicht unbedingt alltagstauglich. Bisher kaum geklärt ist, wie sicher sich diese Drohnen im engen deutschen Luftraum bewegen, wie exakt sie zwischen Gebäuden manövrieren und ob Städter sich in der Zukunft tatsächlich unter Schwärmen von Lieferdrohnen durch die Quartiere bewegen wollen. Zumal sich mit dem Krieg in der Ukraine und dem dortigen Einsatz von Kriegsdrohnen das Image der Technologie gewandelt hat.

Die vernetzte Logistik, die vollautomatischen, in die digitale Wertschöpfungskette eingebundenen Stufen von Procurement über Intra- bis zur Extralogistik, das ist das große Wunschziel, das die Digitalisierung der Fabrikation erreichen soll. Bestellung von Kleinstserien bis zur Losgröße 1, dann automatisierte Produktion und Lieferung „Just in Time“, während alle Manuals auf der Plattform traumhafte Verbrauchs- und Geschwindigkeitsdaten anzeigen – welcher Geschäftsführer, welche Managerin träumt nicht von den Möglichkeiten der Logistik 4.0? Welche Effizienzvorteile etwa ließen sich mit intelligenten Algorithmen erzielen, um nur die Leerfahrten zu reduzieren, die in Deutschland etwa die Hälfte aller Transportkilometer ausmachen? Ebenso könnte künstliche Intelligenz Touren besser planen, um die Ladefläche von Lkw besser auszunutzen und somit Effekte zu erzielen, die für Klima und Energieverbrauch weit mehr und schnellere Vorteile bringen würden als die sukzessive Umrüstung auf vollelektrische Lkw.

Ein weiteres Problem der Logistik sind die wachsenden Retouren. 2021 haben die Deutschen 315 Millionen Pakete zurückgeschickt, so die Forschungsgruppe Retourenmanagement an der Universität Bamberg. Fast jedes vierte Paket ging damit im Onlinehandel an den Absender zurück – ganz oder teilweise, was die Lieferung betrifft. Von den zurückgesandten Produkten wird eine nicht geringe Zahl nicht mehr verkauft, sondern entsorgt. Das Magazin t3n hat ausgerechnet, dass 2021 rund 17 Millionen Artikel in den Müll gewandert sind.

Nächste Baustelle: der flächenmäßige Einsatz autonomer Fahrzeuge, wie sie heute schon in der Intralogistik eingesetzt werden. Doch auch auf Außengelände, etwa am Hamburger Hafen, fahren schon autonome Lkw. Noch werden sie von Menschen überwacht, doch schon bald sollen sie in der Lage sein, eigenständig Waren umzuschlagen und ans Ziel zu bringen. Bis solche Lkw auf öffentlichen Straßen unterwegs sein werden, kann es allerdings noch einige Jahre dauern. Ähnlich wie beim Einsatz von Drohnen spielt auch hier das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung eine wichtige Rolle beim Ausrollen dieser Technologie.

Und leider hat auch diese Automatisierung ihre Grenzen. Sie beginnt bei der Umschlagstechnik, an der Laderampe, wo ganz verschiedene Lieferfahrzeuge beladen werden müssen. Und sie endet an der Bordsteinkante. Da wünscht sich mancher Kunde und manche Kundin eine Lieferdrohne herbei, die das schwere Möbelstück über den Balkon in den vierten Stock hievt. 

 

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