Herr Walther, wofür steht Perinet – und was unterscheidet Ihren Ansatz von anderen Lösungen?
Wir bringen Netzwerktechnologie in eine Geräteklasse, in der sie bislang nicht vorhanden war. Wenn man sich die Entwicklung der Digitalisierung anschaut, gab es immer wieder solche Umbrüche: erst Großrechner, dann PCs, später Smartphones und industrielle Edge-Systeme. Das war jedes Mal eine kleine Revolution, dadurch hat sich grundlegend verändert, wie Systeme arbeiten und miteinander kommunizieren. Wir adressieren jetzt die letzte verbleibende Ebene – bis hin zur physischen Welt – und schaffen damit die Voraussetzung für eine durchgängige digitale Wertschöpfung.
Was bedeutet das konkret für die Industrie?
Wir machen Daten aus der Feldebene direkt netzwerkfähig. Bisher werden Informationen oft über mehrere Ebenen weitergereicht – das ist aufwändig, fehleranfällig und führt zu Informationsverlusten. Unser Ansatz ermöglicht es, Daten unmittelbar in IT-Systeme, Cloud-Umgebungen oder andere Anwendungen zu integrieren. So entsteht ein durchgängiger Datenfluss vom Sensor bis in die IT, ohne Medienbrüche und komplexe Zwischenschritte.
Welche Vorteile hat das für Mittelständler und bestehende Produktionsanlagen?
Vor allem Geschwindigkeit und Einfachheit. Firmen müssen keine komplexen Plattformen aufbauen oder unterschiedliche Systeme parallel betreiben. Stattdessen können sie Anlagen effizient einbinden und sich auf das Kerngeschäft konzentrieren. Gleichzeitig behalten sie die Hoheit über ihre Daten. Gerade bei uneinheitlichen oder älteren Maschinenparks eröffnet das neue Chancen: Sie lassen sich digitalisieren, wirtschaftlich weiter nutzen und liefern erstmals belastbare operative Kennzahlen – etwa zur Auslastung, Verfügbarkeit oder Effizienz.
Wie spielen Technologien wie KI, IoT und Cloud zusammen – und welche Rolle übernimmt Perinet dabei?
Künstliche Intelligenz ist nur so gut wie die Daten, die ihr zur Verfügung stehen. Wenn Informationen direkt und in hoher Qualität bereitgestellt werden, steigt auch der Nutzen von KI-Anwendungen deutlich. Unser Konzept sorgt dafür, dass nicht nur große Datenmengen, sondern bereits vorstrukturierte, kontextualisierte Informationen in die Systeme gelangen. Damit schaffen wir die Grundlage für datengetriebene Prozesse – von vorausschauender Wartung über Qualitätsoptimierung bis zu neuen Geschäftsmodellen und effizienteren Abläufen.
Wie können Unternehmen damit ihre Resilienz stärken?
Durch Flexibilität und Unabhängigkeit. Unternehmen können ihre Systeme einfacher integrieren und sind nicht mehr an einzelne Ökosysteme oder proprietäre Lösungen gebunden. Zugleich sichern sie ihr Know-how und behalten die volle Verfügungsgewalt über ihre Informationen. Das erhöht die Reaktionsfähigkeit bei Marktveränderungen und reduziert technologische Abhängigkeiten – ein entscheidender Faktor in unsicheren Zeiten.
Was zeigen Sie auf der Hannover Messe – und wo sehen Sie aktuell die größten Marktchancen?
Wir präsentieren Lösungen für die digitale Nachrüstung von Maschinen und Anlagen. Ein Schwerpunkt liegt darauf, bestehende Installationen schrittweise zu modernisieren und neue Anforderungen, etwa im Bereich der Cybersecurity, zu erfüllen. Besonders groß ist die Nachfrage derzeit in der produzierenden Industrie mit älteren oder heterogenen Anlagen. Dort lassen sich Effizienzpotenziale häufig schnell heben, weil Transparenz über Prozesse und Zustände noch fehlt und Daten erstmals geordnet genutzt werden können – ein klarer wirtschaftlicher Hebel.
perinet.io
Karsten Walther ist Geschäftsführer von Perinet