»Schutzrechte haben erhebliche Auswirkung auf das Geschäft«

 Wie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit Hilfe einer IP-Strategie ihre Rechte schützen und Wachstum generieren können.

Dr. Daniel Herrmann ist Physiker und Patentanwalt bei BOEHMERT & BOEHMERT, einer Kanzlei für gewerblichen Rechtsschutz
Dr. Daniel Herrmann ist Physiker und Patentanwalt bei BOEHMERT & BOEHMERT, einer Kanzlei für gewerblichen Rechtsschutz
BOEHMERT & BOEHMERT Beitrag

Herr Dr. Herrmann, Ihre Kanzlei ist auf den Schutz und die Verwaltung von Intellectual Property (IP) spezialisiert. Was tun Sie genau? 
Wir erstellen für unsere Mandanten immaterielle Vermögenswerte, dazu gehören Patente und Gebrauchsmuster, Designs, Marken und Urheberrecht. Wir arbeiten Schutzrechtsanmeldungen aus, reichen sie bei den Ämtern ein, lassen sie eintragen und setzen die Rechte gegenüber Wettbewerbern durch. Unsere Kunden sind Einzelerfinder, Start-ups, Mittelständler und Konzerne, auch Forschungseinrichtungen und Universitäten – im Grunde alle, die im gewerblichen Bereich tätig sind, ein Produkt oder eine Dienstleistung entwickelt haben und damit Geld verdienen wollen.

Sind die Risiken für Ideendiebstahl gestiegen? 
Digitalisierung und Internationalisierung haben die Risiken stark wachsen lassen. Cybersicherheit und Industriespionage spielen eine immer größere Rolle. Vor allem KMU sind Ziel von Hackerangriffen, bei denen Daten und Geschäftsgeheimnisse gestohlen werden. Mit Künstlicher Intelligenz wird es noch einfacher, große Datenmengen zu durchforsten, Codes oder Dokumente zu analysieren und relevante Daten zu extrahieren. Dazu kommt eine steigende Fluktuation von Mitarbeitenden. Viele arbeiten nicht mehr zehn oder 20 Jahre im Unternehmen, sondern vielleicht drei oder fünf. Wenn sie zu anderen Unternehmen wechseln, wandert auch Wissen weiter.

Wie lässt sich mit gewerblichen Schutzrechten Wachstum generieren?
Zum einen kann man Dritten verbieten, die gleiche Technologie auf den Markt zu bringen oder das gleiche Logo oder Produktdesign zu verwenden. So können sich Unternehmen Marktanteile und Preise sichern. Außerdem sind gewerbliche Schutzrechte Verhandlungsmasse. Man kann sich Kreuzlizenzen geben: Du darfst mein Patent benutzen, dafür darf ich dein Patent benutzen. Auf diese Weise lassen sich Märkte aufteilen. Oder ich darf Produkte verkaufen, die ich, ohne die Schutzrechte zu besitzen, sonst gar nicht verkaufen könnte. Schutzrechte lassen sich aber auch einsetzen, um Exklusivitäten zu schaffen, Lieferanten an sich zu binden und Preise zu diktieren. Lieferanten dürfen dann nur für dasjenige Unternehmen produzieren, welches das Schutzrecht besitzt. Das hat erhebliche Auswirkung auf das Geschäft. Eine Umfrage des Europäischen Patentamtes und des EU-Markenamtes ergab, dass KMU, die Patente anmelden, eine etwa 20 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit haben, zu wachsen. Bei europäischen Patenten sind es etwa 30 Prozent.*

Wann lohnt sich die Lizenzierung? 
Bei der Lizenzierung geht es darum, dass man zwar ein Produkt entwickelt hat, es aber nicht selbst produzieren oder vermarkten möchte. Oder man möchte es nur in gewissen Ländern vertreiben und in anderen Ländern nicht, weil man dort kein Vertriebsnetz hat oder es sich aus anderen Gründen dort nicht lohnt. So kann man sich in einem Land, in dem man selbst nicht aktiv ist, einen Partner suchen, der dieses Produkt produziert und vertreibt. Über Lizenzgebühren kann man in diesem Land dennoch Umsatz generieren.

Inwiefern kann ein starkes IP-Portfolio den Unternehmenswert steigern?
Immaterielle Unternehmenswerte gehören bei Akquisitionen und Fusionen oft zu den Haupttreibern für den Wert. Ein gut strukturiertes, starkes Portfolio wird als eigenständiger Unternehmenswert angesehen. Man kann gewerbliche Schutzrechte auch verkaufen. Schutzrechte sind bei Start-ups ein wichtiger Punkt für Investoren.

www.boehmert.de
 

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