Vernetzen

Oktober 2015 | Wirtschaftswoche | Stadt der Zukunft

Meldungen

Oktober 2015 | Wirtschaftswoche | Stadt der Zukunft

Vernetzen

Die Möglichkeiten der digitalen Vernetzung bergen große Potenziale für die städtische Infrastruktur. Besonders in der Industrie herrscht eine große Euphorie. Das ist durchaus nachvollziehbar, denn die sogenannte Smart City ist nicht nur ein Lieblingskind vieler Stadtplaner, sondern auch ein Milliardengeschäft, das von der Politik durch diverse Fördermittel flankiert wird. Bis 2020 wird die Industrie weltweit ein Marktpotenzial von etwa 1,5 Billionen US-Dollar mit Technologien und Dienstleistungen für Smart Cities erschließen können, prognostiziert die Beratungsfirma Frost & Sullivan. Angesichts dieser Marktmacht warnen Kritiker vor einer zunehmenden Fremdbestimmung. Einer der prominentesten Skeptiker ist der US-Autor Adam Greenflield. In seinem 2013 veröffentlichten Essay „Against the Smart City“ warnt er davor, moderne, technologiedominierte Konzepte zu schnell und unhinterfragt umzusetzen. Man dürfe sich von der hochtrabenden Marketingsprache der Unternehmen nicht täuschen lassen.

Oktober 2015 | Wirtschaftswoche | Stadt der Zukunft

Planen

In einem lesenswerten Interview mit dem Magazin Fluter äußert sich der Architekt, Stadtplaner und emeritierte Professor der Königlichen Dänischen Kunstakademie Jan Gehl zu den zukünftigen Chancen und Herausforderungen der Stadtplanung. Diese wäre seit den 1960er-Jahren von zwei großen Paradigmen bestimmt gewesen. Zum einen wollten Planer alle Lebensbereiche voneinander trennen: Wohnen, Arbeiten, Kommunizieren. So seien die berüchtigten Vorstadtsiedlungen entstanden, von denen aus die Menschen in die Innenstädte pendelten. Und mit dem Paradigma des Motorismus habe man versucht, die Autofahrer in den Städten glücklich zu machen. Heute stehe die Stadtplanung vor einer großen Umwälzung – mit Fokus auf Lebensqualität, Klimaschutz und Gesundheit. Dazu sei es dringend notwendig, mehr darüber zu wissen, wie Menschen eine moderne Stadt nutzen. Gehl plädiert für eine systematische Erhebung über Stadtbewohner und ihr öffentliches Leben.

Oktober 2015 | Wirtschaftswoche | Stadt der Zukunft

Wohnen

Bezahlbarer Wohnraum ist in großen Städten zur Mangelware geworden. Ein besonders drastisches Beispiel hierfür ist London. In der britischen Hauptstadt ist die Einwohnerzahl seit 2000 von ca. 7,2 auf über 8,5 Millionen gestiegen. Die Stadtverwaltung reagiert mit dem Konzept der sogenannten „Regeneration“ (Wiederbelebung). Die öffentliche Hand verkauft Grundstücke und Gebäude an private, multinationale Baukonzerne, die im Gegenzug helfen, Schulen und öffentliche Parks zu sanieren, oder sich verpflichten, Sozialwohnungen zu bauen. So erhält die Stadt Geld für den Erhalt der Infrastruktur, die alten, häufig baufälligen Häuser werden durch neue ersetzt, in denen auch ärmere Menschen Platz finden. In der Praxis scheint es leider eher darum zu gehen, eine reiche, investitionsbereite Klientel zu bedienen, als tatsächlich bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. In der britischen Metropole lassen sich exorbitante Immobilienpreise erzielen – Wertezuwäche von bis zu 800 Prozent sind möglich.