»Ein Quartier sollte möglichst langfristig und ökologisch durchdacht sein.«

Oktober 2015 | Wirtschaftswoche | Stadt der Zukunft
Wege in die urbane Zukunft
Die Redaktion befragt Experten zu Herausforderungen in der Stadtplanung.
Oktober 2015 | Wirtschaftswoche | Stadt der Zukunft

»Ein Quartier sollte möglichst langfristig und ökologisch durchdacht sein.«

Dr. Christine Lemaitre / Geschäftsführender Vorstand Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V.

Die Diskussion um die Stadt der Zukunft ist in vollem Gange. Doch sie darf nicht bei der Frage nach „smart oder nicht smart?” stehen bleiben. Die technischen Möglichkeiten, etwa für ein effizientes Energiemanagement oder zur Unterstützung emissionsarmer Mobilitätslösungen, sind zweifelsfrei ein wichtiger Baustein. Doch bei all dem dürfen die übrigen Komponenten, die die Nachhaltigkeit von Quartieren letztlich ausmachen, nicht vergessen werden. Zum einen geht es um den Menschen und ein funktionierendes Miteinander. So zählen Aspekte wie die soziale und funktionale Durchmischung genauso wie das Freiraumangebot zu den Kriterien, die im DGNB Zertifizierungssystem für Stadtquartiere adressiert werden. Mit Partizipationsangeboten an die späteren Nutzer und Bewohner in einer frühen Planungsphase kann das Fundament für ein funktionierendes Quartier gelegt werden.

 

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Ressourcenknappheit und der globalen, klimatischen Veränderungen sollte immer auch die ökologische Qualität bei der Quartiersplanung mit beachtet werden. Neben dem Einsatz von erneuerbaren Energien spielen zum Beispiel Wasserkreislaufsysteme, der Gewässer- und Bodenschutz und die Berücksichtigung möglicher Umwelteinwirkungen eine Rolle.

 

Letztlich sollte auch ein Quartier möglichst langfristig und ökonomisch durchdacht sein. Fiskalische Wirkungen auf die Kommune gilt es genauso vorausschauend mitzudenken wie Maßnahmen zur Gewährleistung der Wertstabilität. Hinzu kommen Themen wie eine effiziente Abfallwirtschaft sowie die Instandhaltung der Gebäude und Infrastruktur im Quartier.

 

www.dgnb.de

Oktober 2015 | Wirtschaftswoche | Stadt der Zukunft

»Wir müssen ein gutes technologisches Fundament für die Stadt von morgen legen.«

Dr. Bernhard Rohleder / Hauptgeschäftsführer Bitkom

Staus, Terminstress, Umweltbelastungen: Das Leben in der Großstadt kann eine Zumutung sein. Muss es aber nicht. Innovative Technologien geben uns die Chance, die Stadt neu zu erfinden – als „Smart City“. In der Stadt von morgen sind der Verkehr, das Bildungs- und Gesundheitswesen, die Verwaltung und der Energiesektor klug vernetzt. Das spart Zeit, Geld und Nerven. So weiß das Auto nicht nur, dass sich auf der geplanten Route ein Stau bildet und umfährt ihn. Es findet auch den nächsten Parkplatz ohne lange Suche und bucht sich dort automatisch ein. Oder der Müllcontainer informiert eigenständig die Müllabfuhr, dass er geleert werden muss. Die Smart City fährt den Stromverbrauch dann hoch, wenn Energie besonders günstig ist, sorgt für ein lückenloses Monitoring von Hochrisikopatienten oder zeigt der Feuerwehr den besten Weg zur Einsatzstelle.

 

Das ist keine Vision, es funktioniert anderswo heute schon. Entscheidend ist, dass der Wandel konsequent vorangetrieben wird. Doch gerade in der Verwaltung haben wir oft noch frappierende Rückstände. Anstatt verfügbare IT-Standards einzusetzen, versuchen viele Städte, eigene Systeme aufzubauen und werden dabei oft von der aktuellen IT abgekoppelt. Kosten und Bürokratie werden nicht reduziert, sondern teils erhöht. Bürger und Unternehmen müssen sich immer wieder neu orientieren, wenn sie von einer Stadt in eine andere wandern. Wenn wir es ernst meinen mit der „Smart City“, müssen die Verwaltungen zügig aufholen. Und ein gutes technologisches Fundament für die Stadt von morgen legen.

 

www.bitkom.org