»Disruption als Herausforderung annehmen.«

Juli 2021 | Wirtschaftswoche | Innovation 4.0
Chancen ergreifen
Die Redaktion befragt Akteure zu den Perspektiven für den Innovationsstandort Deutschland.
Juli 2021 | Wirtschaftswoche | Innovation 4.0

»Disruption als Herausforderung annehmen.«

Dr. Oliver Grün / Präsident Bundesverband IT-Mittelstand e.V. (BITMi)

Bei allen negativen Erfahrungen der Pandemie war die Krise für viele Unternehmen auch eine Chance, Digitalisierung und Veränderung anzugehen. Fast jedes Unternehmen musste sich mit Veränderung auseinandersetzen. Auch die deutsche Industrie, die sich gerne auf ihre traditionsreiche Ingenieursleistung beruft, konnte nicht länger die Augen davor verschließen, dass ein Wandel notwendig ist und dieser Wandel Digitalisierung heißt. Viele Unternehmen haben diese Disruption als Herausforderung angenommen. Sie haben ihre Produktion automatisiert und flexibler gestaltet, sich angesichts unsicher gewordener Lieferketten und unplanbaren personellen Ressourcen neuen Technologien geöffnet und das eigene Angebot überdacht und erweitert. Hier entstand eine große innovative Kraft, die wir uns unbedingt für die Zeit nach der Krise erhalten müssen. Denn nur mit Mut zur Veränderung können wir die digitale Transformation konsequent vollziehen und mit einer zukunftsfähigen Wirtschaft unseren Wohlstand von morgen sichern.


www.bitmi.de

Juli 2021 | Wirtschaftswoche | Innovation 4.0

»Zentren unterstützen auch in Problemsituationen.«

Andrea Glaser / Geschäftsführerin Bundesverband Deutscher Innovations- Technologie- und Gründerzentren

Das Corona-Jahr 2020 hatte auch das Gründungsgeschehen in Deutschland stark beeinträchtigt. In den deutschen Innovationszentren war dieser Trend bei Neugründungen im Corona-Jahr 2020 eher kaum zu verzeichnen. In den über 350 deutschen Innovations-, Technologie- und Gründerzentren waren Neugründungen in 2020 nur leicht zurückgegangen (minus 4 Prozent). Die Anzahl extern betreuter Gründungen war dagegen sogar gestiegen (plus 8 Prozent). Lediglich 12 Prozent der Zentren oder betreuten Unternehmen waren von der Corona-Situation beeinträchtigt; erheblich betroffen war nur 1 Prozent. Die große Mehrheit der Zentren gab an, sehr geringe oder überhaupt keine Beeinträchtigungen im Gründungsgeschehen erlebt zu haben. Die Zentren haben sich insbesondere in dieser Krisensituation als stabile Institutionen und hilfreiche Anlaufstellen für Gründer sowie Unterstützer in Problemsituationen erwiesen. Ganz im Gegenteil gab es bei Unternehmen in den Zentren vielfach innovative Ideen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, die damit neue Geschäftsmodelle erfolgreich am Markt platzieren konnten.


www.innovationszentren.de

Juli 2021 | Wirtschaftswoche | Innovation 4.0

»Digitale Transformation braucht passgenaue Lösungen.«

Prof. Claus Oetter / Geschäftsführer VDMA Software und Digitalisierung

Die Veränderungen durch die Digitalisierung laufen in unterschiedlichen Betrieben in unterschiedlicher Geschwindigkeit und Intensität ab. Die digitale Transformation ist dabei eine kontinuierliche Herausforderung. Unternehmen befinden sich zunehmend in einem Suchprozess nach den für sie vorteilhaften Anwendungen digitaler Lösungen und Produkte. Oft ist noch unklar, wo genau die neuen Anforderungen an Personal-, Qualifizierungs- und Organisationsentwicklung liegen. Daher braucht es für die betriebliche Praxis passgenaue Lösungen. Im Maschinen- und Anlagenbau mit seinen komplexen Prozessen können beispielsweise Datenanalyse-Tools und intelligente Planungssysteme die manuelle Auswertung und Steuerung von Prozessen ersetzen und somit Mehrwert schaffen. Allerdings findet digitale Transformation auch in den Köpfen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter statt. Dafür braucht es Freiräume, Mut und Neugierde. Das heißt in der Praxis: Wer sinnvolle Ideen hat, darf und soll sie auch weiterverfolgen. Unternehmen müssen sich hier mehr trauen und neue Wege gehen.


www.vdma.org