"Digitale Praxis mit großem Nutzen für Patienten"

Oktober 2021 | Die Zeit | Zukunft Medizin
Die Digitalisierung der Gesundheit
Die Redaktion befragt Akteure zu den aktuellen Herausforderungen der Medizin.
Oktober 2021 | Die Zeit | Zukunft Medizin

"Digitale Praxis mit großem Nutzen für Patienten"

Christoph Dippe / Vorstandsvorsitzender Stiftung Gesundheit

In der Gesundheitsbranche verändert aktuell die Digitalisierung die Art und Weise, wie wir uns um unsere eigene Gesundheit kümmern und bringt gleichzeitig Vorteile mit sich: Wo früher zu den vorgegebenen Sprechzeiten zum Telefonhörer gegriffen wurde, um einen Arzttermin zu vereinbaren, bieten heute viele Arztpraxen an, Termine jederzeit online zu buchen. Unter www.arzt-auskunft.de, die Arztsuche der Stiftung Gesundheit, finden Patienten bereits mehr als 14.000 Ärzte mit diesem Service. Und mit einem Klick auf den hinterlegten Link gelangen sie zur entsprechenden Online-Terminbuchung des gewünschten Arztes.

 

Seit Beginn der Corona-Pandemie bieten zudem deutlich mehr Ärzte Videosprechstunden an, wie die Studie der Stiftung Gesundheit „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2020“ gezeigt hat. Dabei diente die Pandemie für diese Entwicklung wie ein Katalysator: Denn obwohl Ärzte Videosprechstunden bereits seit 2017 abrechnen können, richteten 94,1 Prozent der Ärzte mit Videosprechstunde diese Kommunikationsform erst im Laufe des Jahres 2020 ein.

 

In der Arzt-Auskunft sind bereits mehr als 10.000 Ärzte verzeichnet, bei denen Patienten über einen Link eine Videosprechstunde buchen und sich damit den Weg in die Praxis sparen können – Tendenz steigend.

 

Darüber hinaus können wir uns Gesundheits-Apps auf Rezept verschreiben lassen. 72,3 Prozent der Ärzte halten digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) bei gezieltem Einsatz für hilfreich, so die Studie „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit
2020 / 2“. Elektronische Patientenakten sorgen künftig dafür, dass wir wichtige Gesundheitsinformationen bündeln und Zugang dazu gewähren können. Und mit dem eRezept und der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) stehen nun die nächsten großen Digitalisierungsschritte an. Diese runden – gerade nach der Videosprechstunde – den digitalen Prozess ab und bringen Patienten einen großen Nutzen.

 

www.stiftung-gesundheit.de

Oktober 2021 | Die Zeit | Zukunft Medizin

"Moderne Infrastruktur fürs Gesundheitswesen."

Dr. med. Markus Leyck Dieken / Geschäftsführer Gematik GmbH

Digitalisierung lässt sich aus unserem privaten und beruflichen Alltag nicht mehr wegdenken: Wir identifizieren uns beim Online-Shopping mit unserem persönlichen Passwort, nutzen Apps für die Dokumentation unserer Gesundheitswerte oder arbeiten über virtuelle Plattformen mit unseren Kollegen zusammen. Das sind nur einige Beispiele dafür, wie selbstverständlich digitale Lösungen in allen Lebensbereichen integriert sind. Am Markt erfolgreiche Anwendungen überzeugen uns dabei, weil sie uns das Leben durch Verbesserung erleichtern. Nichts anderes wollen wir auch für die Gesundheitsversorgung in Deutschland erreichen.

 

Und nichts anderes erwarten die Menschen, Institutionen und Unternehmen, die im Gesundheitswesen arbeiten, von Digitaler Medizin: Angebote, die zu einem „Gamechanger“ werden, weil sie sich in Praxis-, Pflege- und Krankenhausabläufe genauso einfach integrieren lassen wie in den Alltag der Patientinnen und Patienten – und zugleich das hohe Schutzniveau der sensiblen Gesundheitsdaten gewährleisten.

 

Dafür braucht es eine moderne Plattform für Digitale Medizin, um Medizin und Forschung zeitgemäß und zukunftsfähig zu unterstützen. Als gematik haben wir daher die „TI 2.0“ als Infrastruktur fürs Gesundheitswesen konzipiert.

 

Mit ihr will die gematik die passende Umgebung für einen gemeinsamen sicheren, fairen und schnellen Datenaustausch aller Akteure schaffen. Gleichsam einer Arena, in der die Top-Athleten des Gesundheitswesens ohne Abstriche ihre Leistungen erbringen können und die gematik als Gastgeber und Schiedsrichter auftritt. Die klare Nutzerzentrierung steht dabei im Mittelpunkt eines guten digitalen Zusammenspiels im Gesundheitswesen.

 

So leisten wir einen wesentlichen Beitrag, die Akzeptanz der digitalen Anwendungen im Gesundheitswesen zu steigern und die innovativen Potenziale auszuschöpfen.

 

www.gematik.de

Oktober 2021 | Die Zeit | Zukunft Medizin

"Deutschland braucht eine starke Medizintechnik-Branche."

Dr. Marc-Pierre Möll / Geschäftsführer Bundesverband Medizintechnologie BVMed Berlin

Die Corona-Pandemie hat uns allen gezeigt, dass Medizinprodukte unentbehrlich sind.

Sie müssen für medizinische Einrichtungen in Deutschland zu jeder Zeit in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.

 

Mit der Corona-Pandemie sind Medizinprodukte stärker ins Bewusstsein gerückt. Entsprechend finden sich die Themen der Medizintechnik-Branche auch in allen relevanten Wahlprogrammen. Jetzt gilt es, die medizintechnischen Kernthemen auch im Koalitionsvertrag für die neue Legislaturperiode zu verankern. Beispielhaft nenne ich fünf Punkte:

 

Erstens: Um den Medizintechnik-Standort Deutschland zu stärken, schlagen wir der neuen Bundesregierung eine „Initiative Medtech 2030“ vor, um die Maßnahmen zwischen Forschungs-, Wirtschafts-, Arbeits- und Gesundheitspolitik abzustimmen.

 

Zweitens: Wir müssen Lehren aus der Coronakrise ziehen. Die Medizintechnik muss frühzeitig in die Krisenstäbe eingebunden werden. Um künftige Verteilungsprobleme zu vermeiden, plädieren wir für eine „Digitale Bestandsplattform versorgungskritischer Medizinprodukte“. Die erhöhten Ausgaben für Infektionsschutz, Rohstoff- und Frachtkosten müssen für die Leistungserbringer ausgeglichen werden.

 

Drittens: Bei der überbürokratischen EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR) setzen wir uns für ein „Addendum“ ein, um Lösungen für die Übergangsfristen sowie Bestands- und Nischenprodukte zu etablieren.

 

Viertens: Wir fordern eine übergreifende Digital- und Datenstrategie mit einem holistischen Ansatz: Hardware, Software und Datenanalyse müssen zusammen gedacht werden.

 

Fünftens: Wir müssen die ambulante Versorgung stärken. Wir schlagen dafür das Konzept eines ambulanten Therapiemanagements vor.

 

Deutschland braucht eine forschungsstarke, leistungsfähige, wirtschaftlich gesunde und international wettbewerbsfähige Medizintechnik-Branche!

 

www.bvmed.de