»Ziel der Rekonstruktion ist eine natürlich erscheinende Brust.«

März 2016 | Die Zeit | Frauengesundheit
Fokus Frauengesundheit
Die Redaktion befragt Akteure zu Herausforderungen in der Medizin.
März 2016 | Die Zeit | Frauengesundheit

»Ziel der Rekonstruktion ist eine natürlich erscheinende Brust.«

Prof. Dr. E. Magnus Noah / Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen VDÄPC

Allein im vergangenen Jahr sahen sich 70.000 Frauen in Deutschland mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert. Häufig führt diese Erkrankung bei Frauen zur Entfernung von Teilen oder gar der gesamten Brust. Dabei steht die Krebsbehandlung zunächst natürlich an erster Stelle. Nach der erfolgreichen Behandlung nimmt jedoch die Frage der Ästhetik und der Rekonstruktion der Brust eine wichtige Rolle für die betroffene Frau ein. 

 

In vielen Brustzentren steht den betroffenen Frauen daher ein Plastischer Chirurg als Kooperationspartner zur Seite. Das Ziel ist die natürliche Rekonstruktion der Brust, in manchen Fällen auch beider Brüste. Im Mittelpunkt der Beratungen steht eine dauerhafte, ästhetische Wiederherstellung. Sie fördert auch die psychische Stabilisierung der Patientin. Dabei stehen dem Plastischen Chirurgen drei Methoden für eine Rekonstruktion zur Verfügung: das Einbringen eines Silikonimplantates, die Rekonstruktion durch Transplantation von Gewebe – oft aus dem Bauch, Gesäß  oder Oberschenkel – des eigenen Körpers oder ein Eigenfetttransfer, also das Einspritzen von körpereigenen Fettzellen, die an einer anderen Stelle des Körpers entnommen wurden. 

 

Welches Verfahren zur Anwendung kommt, ist von individuellen Faktoren abhängig – etwa persönlichen Präferenzen oder der Statur der Patientin. Manche Frauen lehnen Silikonimplantate rundweg ab, andere wollen keine weiteren Narben an ihrem Körper. Häufig ist zur Herstellung der Symmetrie eine Anpassung der gesunden Brust, zum Beispiel durch Straffung oder Verkleinerung, notwendig. Ziel der Rekonstruktion ist eine natürlich erscheinende Brust. Die Erfahrung zeigt: Die Frauen sind sehr glücklich mit einem schönen Ergebnis. Es hilft außerdem, mit dem Schrecken der Diagnose im Nachhinein besser fertig zu werden. 

 

www.vdaepc.de 

März 2016 | Die Zeit | Frauengesundheit

»Brustkrebs: Die Zeiten verstümmelnder Operationen sind vorbei.«

Prof. Dr. Anton Scharl & Prof. Dr. Diethelm Wallwiener / Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)

Brustkrebs gehört zu den Krebserkrankungen mit den besten Heilungschancen; vier von fünf Patientinnen werden gesund. Ein maßgeschneidertes Therapiekonzept steht am Beginn jeder Behandlung. Es wird in zertifizierten Brustzentren unter der Koordination eines spezialisierten Frauenarztes/Frauenärztin (Gynäkoonkologe) durch ein interdisziplinäres Team aus Experten für Diagnostik, Operation, Strahlen- und medikamentöse Therapie für jede Patientin individuell erarbeitet. 

 

Vorbei sind die Zeiten verstümmelnder Operationen: Meist kann die Brust erhalten werden. Wenn dies nicht möglich ist, stellen rekonstruktive Operationen die Integrität des weiblichen Körpers wieder her. Vergangenheit ist dank der Technik des Wächterlymphknotens  auch die ausgedehnte Operation der Achselhöhle und die Angst vor Lymphödem und Funktionseinschränkung des Armes. Moderne Analyseverfahren suchen nach der „Achillesferse“ des  Brustkrebses. Dadurch werden zielgerichtete „targeted“ Therapieoptionen mit antihormonellen Substanzen und Antikörpern möglich, welche nebenwirkungsarm  und zugleich effektiv eine Chemotherapie ergänzen oder gar ersetzen können. 

 

Neoadjuvante und postneoadjuvante Strategien der medikamentösen Therapie erlauben eine an der Wirkung auf den Tumor orientierte individuelle Steuerung der Behandlung. Moderne Strahlentherapiekonzepte schonen gesundes Gewebe und verkürzen die Behandlungszeit (hypofraktionierte Bestrahlung), teilweise sogar bis auf wenige Minuten während der Operation (intraoperative Bestrahlung). Dank der Erfolge der Therapie gibt es für die meisten Frauen ein gesundes Leben nach dem Krebs. Die Betreuung durch den Frauenarzt oder die Frauenärztin des Vertrauens begleitet  die jahrelangen endokrinen Behandlungen, mindert mögliche Nebenwirkungen, beantwortet Fragen und nimmt Sorgen. Junge Frauen brauchen zudem Beratung und Unterstützung bei der Familienplanung. Eine Schwangerschaft nach Brustkrebsbehandlung ist nicht schädlich. Gesunde Ernährung und Bewegung tragen viel zur Gesundung bei und vermindern das Risiko für andere Erkrankungen.

 

www.dggg.de

März 2016 | Die Zeit | Frauengesundheit

»Die Wahrscheinlichkeit, eine Hebamme zu finden, sinkt.«

Katrin Peter-Stiens / Wiesbadener Hebamme

In der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden wurden 2014 mehr als 3000 Kinder geboren, soviel wie zuletzt 1977. Dies sollte ein Grund zur Freude sein, doch diese Tatsache bereitet den Hebammen Sorgen. Schwangere suchen immer früher eine Hebamme; einer Studie der Uni Mannheim zufolge bleibt in Wiesbaden jede dritte Frau unbetreut. Es herrscht ein eklatanter Hebammenmangel, und viele Kolleginnen sind gezwungen, aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen ihren Beruf aufzugeben. Die Steigerung der Haftpflichtprämien hat sich in den letzten acht Jahren mehr als verdoppelt. Geben noch mehr Hebammen ihre Freiberuflichkeit auf, werden junge Familien die Wartezimmer der Kinder- und Frauenärzte fluten. 

 

Die Wiesbadener Hebammen fordern von der Politik mehr Engagement, zum Beispiel die Übernahme der Haftpflichtversicherung von der Stadt, nach dem Vorbild anderer Kommunen. Außerdem die Überführung der Versicherung in einen staatlichen Haftungsfonds, damit die Kosten nicht allein auf den Rücken der Hebammen und ärztlichen Geburtshelfern ausgetragen werden müssen. Der Hebammenmangel wird in Zukunft die Gesundheit von Müttern und Neugeborenen gefährden. Durch ihre aufsuchende Tätigkeit im Wochenbett geben Hebammen Sicherheit und stärken die Eigenkompetenz der jungen Familien. Immer mehr geburtshilfliche Abteilungen schließen, ein Fünftel der vakanten Hebammenstellen in den Kreißsälen werden nicht besetzt. Der Nachwuchs bleibt aus. Die Liegezeiten in den Krankenhäusern verkürzen sich, der Bedarf an Hebammenhilfe und der Versorgungsauftrag im Wochenbett steigen. 

 

Die Verunsicherung junger Eltern, vor allem durch neue Medien und Pränataldiagnostik, wächst überproportional. Die Wahrscheinlichkeit aber, dass Frau eine Hebamme findet, der sie vertraut und die sie sicher durch Schwangerschaft und Wochenbett trägt, sinkt gegen Null.

 

www.wiesbadenerhebammen.de