Flatrate für Nebenkosten

Die Baubranche steht massiv unter dem Einfluss der Energiekrise. Die Kosten steigen, das Interesse an Wohneigentum geht zurück. Wir haben einige wichtige Themen und Trends für Sie gebündelt.

Illustration: Sara Nahid Abtahi
Illustration: Sara Nahid Abtahi
Klaus Lüber Redaktion

Herausforderung Wohnungsnot
In Deutschland herrscht eine Wohnkrise, und das nicht erst seit den steigenden Energiepreisen. Schon zuvor war laut Statistischem Bundesamt mehr als jeder achte Mieter mit seinen Wohnkosten überlastet. Klein- und Geringverdiener sind dabei besonders belastet, weil sie sehr oft in schlecht gedämmten Wohnungen mit ineffizienten Heizungen leben. Kürzlich musste Bundesbauministerin Klara Geywitz ihren Plan nach unten korrigieren, den Wohnungsmarkt mit jährlich 400.000 neuen Wohnungen zu versorgen. Ein Viertel der Bürger ist inzwischen von Energiearmut getroffen. Davon spricht man, wenn mehr als zehn Prozent des Nettoaufkommens für Wärme und Strom aufgewendet werden muss. Dabei trifft es besonders die untere Mittelschicht. Hier hat sich der Anteil der gefährdeten Haushalte im Laufe der letzten 12 Monate auf 41 Prozent verdoppelt. Laut Expertinnen und Experten bestehe die Gefahr, dass der Wohnungsmarkt in Deutschland in ähnlicher Weise außer Kontrolle gerate wie in Städten wie Paris oder London. Für Käufer ist München inzwischen zur zweitteuersten Stadt Europas aufgestiegen, noch vor der britischen Hauptstadt.

Trend zur Wärmepumpe
Wärmepumpen liegen im Trend. Das ist kein Wunder, erhoffen sich viel Eigentümer und Hausbesitzer doch, die rasant steigenden Heizkosten zumindest etwas eindämmen zu können. Die Geräte nutzen Strom statt Gas, um damit einen Wasserkreislauf zu erwärmen. Das ist energieintensiv, weswegen viele die Kombination mit Solarkollektoren auf dem Dach anstreben - auch, um sich ein Stück weit autark von den aufgrund von Klimaschutzmaßnahmen mittel- und langfristig ohnehin höheren Preisen für Wärme und Strom zu machen. Kürzlich versprach das Wirtschaftsministerium, künftig eine halbe Million der Heizanlagen jährlich zu installieren. Sechs Millionen sollen bis 2030 in Betrieb sein. Allerdings kommen die Anbieter kaum hinterher mit der Produktion. Wie andernorts herrscht auch hier akuter Fachkräftemangel. Zusätzlich müssten Installateurinnen und Installateure auf die neue Technik geschult werden.

Angespannter Immobilienmarkt
Die Baukosten steigen, das Interesse an eigenen Immobilien sinkt, also fallen auch deren Preise. So jedenfalls wäre es zu erwarten. Interessanterweise ist davon aber im Augenblick noch wenig zu spüren. Laut Zahlen des Forschungsinstituts Empirica sanken die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser im dritten Quartal 2022 gegenüber dem zweiten um gerade einmal 1,3 Prozent. Bei den Kaufpreisen für Eigentumswohnungen war noch weniger zu spüren. Hier war ein Rückgang um lediglich 0,7 Prozent zu verzeichnen. Der Grund liegt am mangelnden Angebot, weil sich Baufirmen mit neuen Projekten zurückhalten. Platzen könnte die Blase dann, wenn sich Millionen Hausbesitzer aufgrund der gestiegenen Zinsen ihre Eigenheime nicht mehr leisten können und zu einem Notverkauf gezwungen wären. Bislang gebe es dafür allerdings keine verlässlichen Daten.

Flatrate für Nebenkosten
Wäre es möglich, steigende Energiekosten, notwendige Umweltmaßnahmen und bezahlbares Wohnen unter einen Hut zu bringen? Von solch einer Möglichkeit jedenfalls berichtete kürzlich das Hamburger Nachrichtenmagazin Spiegel. Die Wohnbaugesellschaft der brandenburgischen Kleinstadt Lübbe, so war zu lesen, habe eine Art Flatrate-Modell für Mieterinnen und Mieter entwickelt. Für 13,50 Euro pro Quadratmeter erhalten diese Warmwasser, Heizung und Strom für fünf Jahre inklusive. Dächer und Fassaden der entsprechenden Objekte seien mit Solarpaneelen bestückt, die Haushaltsstrom liefern und  Infrarotheizungen sowie Wärmepumpen betreiben. Damit erziele das Haus einen Autarkiegrad von bis zu 56 Prozent, der Rest werde im Winter aus dem Stromnetz zugekauft.

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