Gemeinsamkeit als Stärke

Forum der Akteure

Juni 2026 Die Zeit Arbeitswelt der Zukunft

»Best Practice im BGM: Warum Haltung den Unterschied macht«

Sophie Grieß Geschäftsleitung, Bundesverband Betriebliches Gesundheitsmanagement

Best-Practice-Beispiele im betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) eint vor allem eines: Sie verstehen Gesundheit nicht als Sammlung einzelner Angebote, sondern als offenen Managementansatz und Teil der Organisationsentwicklung. Erfolgreiches BGM beginnt, wenn Unternehmen ihre Arbeitsrealität ehrlich analysieren: Branche, Tätigkeiten, Belastungen und Kultur. In der Pflege können Fachkräftemangel und Schichtarbeit im Zentrum stehen, in Verwaltungsbetrieben die Folgen sitzender Tätigkeit. Entscheidend ist, dass nicht nach Schema F investiert wird.

Dafür braucht es Kompetenz. In erfolgreichen Unternehmen gibt es Verantwortliche, die BGM gelernt oder verstanden haben. Sie können BGM von betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF) unterscheiden, Bedarfe einordnen, Maßnahmen steuern und zwischen Geschäftsführung, Führungskräften, Beschäftigten und Partnern übersetzen. Gute Gesundheitskommunikation macht zusätzlich sichtbar, welche Maßnahmen relevant sind und wie Mitarbeitende beteiligt werden.

Ein Best Practice BGM entsteht zudem nie ohne Rückhalt der Unternehmensleitung. Wo Geschäftsführungen Gesundheit glaubwürdig tragen, wird sie Teil der Führungs- und Unternehmenskultur. Dazu gehören Personalentwicklung, Qualifizierung zu gesunder Führung und das Verständnis, dass Leistungsfähigkeit und Fürsorge keine Gegensätze sind.

Erfolgreiches BGM verbindet mehr als BGF, betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM), Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie medizinische Prävention. Diese Systematik wirkt weit über AU-Tage hinaus: Sie stärkt Bindung, senkt Fluktuation, erhöht Arbeitgeberattraktivität und unterstützt die Leistungsfähigkeit. Deshalb ist BGM keine freiwillige Zugabe. Es ist eine Investition in Zukunftsfähigkeit – und in bessere wirtschaftliche Ergebnisse.

bbgm.de
 

Juni 2026 Die Zeit Arbeitswelt der Zukunft

»Leadership im KI-Zeitalter: Orientierung statt Kontrolle«

Dr. Emmanuel Siregar Mitglied des Präsidiums Bundesverband der Personalmanager*innen

Die Arbeitswelt der Zukunft wird nicht allein durch Technologie entschieden, sondern durch die Frage, wie wir Menschen mit ihr umgehen. Künstliche Intelligenz und Robotik werden Prozesse beschleunigen, Daten analysieren und in der Produktion zunehmend Seite an Seite mit Menschen arbeiten oder Aufgaben autonom übernehmen. Führungskräfte werden künftig schneller entscheiden müssen – unterstützt durch KI, aber getragen von Urteilskraft und Haltung. Die letzte Entscheidung darf nicht automatisiert werden.

Leadership verändert sich damit grundlegend: weniger Kontrolle, mehr Orientierung. Kommunikation wird zur zentralen Führungsaufgabe. Menschen erwarten Sinn, Transparenz und Dialog. Führen heißt, zuzuhören, zu erklären und Perspektiven zu verbinden – eine Kompetenz, die bewusst entwickelt und trainiert werden muss. 

Gleichzeitig erleben wir einen tiefen Generationenwandel. Viele junge Menschen der Generation Z sind unter Pandemie, digitaler Dauerpräsenz und hoher Unsicherheit ins Berufsleben gestartet. Wissen ist verfügbar, doch die Anwendung, der Wissenstransfer und die Urteilskraft müssen sich erst verdichten. Die Generation Alpha wird anders sein: zugleich digital selbstverständlicher, direkter und pragmatischer. 

Aufgabe der Unternehmen ist es nicht zu werten, sondern zu befähigen. Deshalb wird Bildung wichtiger als reines Wissen. Entscheidend bleibt die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen – „connecting the dots afterwards“, wie Steve Jobs sagte. Schulen, Hochschulen und Unternehmen müssen kritisches Denken, Kommunikation und Verantwortung stärken. 

Je intelligenter Maschinen werden, desto wichtiger wird der Mensch: Empathie, Urteilskraft und Sprache. Der Mensch besitzt den Logos – die Fähigkeit, Bedeutung zu schaffen und Verantwortung zu tragen. Darauf sollten wir uns besinnen. 

bpm.de
 

Juni 2026 Die Zeit Arbeitswelt der Zukunft

»Wir brauchen eine neue Leistungskultur«

Christian Lorenz Geschäftsführer, Deutsche Gesellschaft für Personalführung

Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life- Balance allein werden wir den Wohlstand dieses Landes nicht erhalten.“ Die Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz hat eine gesellschaftliche Debatte über Leistung, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit ausgelöst. In vielen Unternehmen läuft sie schon länger.

Doch die aktuelle Diskussion greift zu kurz. Die entscheidende Frage lautet nicht, wie viel Menschen arbeiten – sondern unter welchen Bedingungen gute und nachhaltige Leistung überhaupt erbracht werden kann.

Der DGFP-Think-Tank kommt zu einem klaren Ergebnis: Leistung ist kein Produkt individueller Motivation. Leistung entsteht dort, wo Organisationen Orientierung geben, Zusammenarbeit ermöglichen und Menschen wirksam machen.

Menschen leisten besser, wenn Ziele nachvollziehbar sind, Ergebnisse zählen und Zusammenarbeit wichtiger ist als interne Konkurrenz. Führung in diesem Kontext bedeutet nicht nur, Leistung einzufordern – sondern die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Menschen wollen erleben, dass ihr Beitrag gesehen wird und Bedeutung hat. In einer positiven Leistungskultur ist Leistung sichtbar, ohne laut zu sein: Gute Arbeit fällt auf, weil sie Wirkung zeigt – nicht, weil sie sich inszeniert. Feedback ist selbstverständlich, ehrlich und respektvoll, und Wertschätzung gilt nicht nur der „Vorderbühne“, sondern auch der zweiten Reihe. 

Gerade in einer Arbeitswelt, die von hoher Komplexität und permanenter Veränderung geprägt ist, werden die richtigen Voraussetzungen zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Leistungsfähigkeit entsteht nicht bei dauerhafter Überlastung, sondern in Organisationen, die Vertrauen schaffen, Verantwortung ermöglichen und unterschiedliche Stärken zusammenbringen. Eine positive Leistungskultur ist deshalb kein Soft-Thema. Sie ist ein strategischer Hebel für Innovationskraft, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit.

dgfp.de