Vielfalt von Lösungen

Dezember 2017 | Wirtschaftswoche | Der starke Mittelstand

Vielfalt von Lösungen

Der Mittelstand und die Cloud – sie haben sich endlich gefunden. Immer mehr Unternehmen hosten Daten und Applikationen auf mehreren Clouds gleichzeitig.

Illustration: Josephine Warfelmann
Axel Novak / Redaktion

Innovative Technologien wie Big Data, Business Analytics, Social Media, Social Collaboration und Künstliche Intelligenz benötigen leistungsfähige und dynamische IT-Landschaften, Plattformen und Applikationen. Das bedeutet für Deutschlands Unternehmen: An der Cloud führt kein Weg mehr vorbei. Sie ist der Schlüssel dafür, um die digitale Transformation erfolgreich umzusetzen.
 

Diese Erkenntnis hat sich in Deutschland durchgesetzt: Zwei von drei Unternehmen haben hier 2016 Cloud Computing eingesetzt, elf Prozent mehr als im Vorjahr, so der Cloud Monitor 2017 des Branchenverbands Bitkom. „Cloud Computing hat sich durchgesetzt und innerhalb weniger Jahre zur Basis-Technologie der Digitalisierung entwickelt“, sagte Axel Pols, Geschäftsführer von Bitkom Research.  Zwar gab es bislang ein großes Gefälle zwischen großen und kleinen Unternehmen. Doch nun hat sich der Anteil der Cloud-Nutzer stark angeglichen: In Unternehmen mit 20 bis 99 Mitarbeitern ist die Cloud-Nutzung im Jahr 2016 um 12 Prozentpunkte auf 64 Prozent gestiegen.

Und dieser Trend setzt sich fort: In der neuen Studie „Hybrid- & Multi-Cloud-Services im deutschen Mittelstand“ kommt das unabhängige IT-Research- und Beratungsunternehmen Crisp Research zum Schluss, dass vier von fünf IT-Verantwortlichen in Unternehmen damit rechnen, dass Cloud Computing künftig eine tragende Rolle beim Betrieb der IT spielt.

Dabei nutzen die Unternehmen unterschiedliche Services: 49 Prozent der Public-Cloud-Nutzer greifen online auf Software-Anwendungen zu, 47 Prozent auf technische Services wie Datenspeicher oder Rechenleistung und 28 Prozent auf spezielle Entwickler-Tools oder Betriebssysteme. 23 Prozent verlagern bestimmte Geschäftsprozesse in die Cloud. Wichtigste Anwendung ist die Büro-Software, die von 46 Prozent der Public-Cloud-Nutzer verwendet wird. Ihr folgen Sicherheitslösungen und Groupware oder Collaboration-Tools. Dabei greifen die Unternehmen zumeist auf die drei führenden Cloud-Plattformen Amazon Web Services (AWS), Google Cloud Platform und Microsoft Azure sowie die beiden Technologieplattformen OpenStack und VMware zurück.

Jede dieser Plattformen hat ihre Vorzüge –  je nach Anwendungen. Doch ist es mittlerweile normal, dass Unternehmen Daten und Applikationen auf mehreren Clouds hosten, also Multi Cloud-Lösungen nutzen. Die Berater von Crisp Research fanden heraus, dass Mittelständler künftig auf einen Mix aus unterschiedlichen Cloud-Technologien setzen werden, um die vielen Anforderungen neuer digitaler Geschäftsmodelle abzubilden und sich nicht an eine einzige Plattform zu binden.

Aber Cloud ist längst nicht gleich Cloud. Das beginnt schon beim Betreibermodell: private Clouds bieten größtmögliche Kontrolle über Daten und Applikationen. Das Setup und der Betrieb verlangen aber auch den höchsten IT-Aufwand. Öffentliche Clouds dagegen bieten professionelles Management durch einen Infrastruktur-Betreiber. Hybride Clouds wiederum kombinieren beide Ansätze: Je nach den rechtlichen Rahmenbedingungen befinden sich Daten und Applikationen auf privaten oder öffentlich zugänglichen Servern.

Doch so groß wie die Möglichkeiten der neuen Technologie in den Unternehmen sind, so groß ist oft die Verunsicherung bei den Rahmenbedingungen und der erfolgreichen Umsetzung. Vielen Unternehmen fällt es noch immer schwer, die Kontrolle über die Infrastruktur und die Applikationen in der Cloud abzugeben. Kunden zum Beispiel aus dem produzierenden Gewerbe werden weiterhin lokale und eigene Server benötigen, da sie oftmals ältere Softwareapplikationen zur Produktionssteuerung nutzen. Branchen, in denen eine Vertrags- oder Rechtssituation die externe Speicherung von Daten unterbindet, versuchen, das Cloud-Management in eigener Regie zu betreiben.

Auch bleibt der Datenschutz ein Sorgenkind, stellt der Bitkom Cloud Monitor fest. „Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass vielen Unternehmen noch ein umfassendes Sicherheitsmanagement für die Cloud fehlt“, sagte Marko Vogel. Der Director Cyber Security bei KPMG hat am Cloud Monitor mitgeforscht und festgestellt, dass jedes dritte Unternehmen die Cloud-Nutzung in der Organisation bislang nicht kontrolliert. Das führt zur ungehemmten Ausbreitung einer „Schatten-IT“: Mitarbeiter nutzen Cloud-Lösungen wie Dropbox, um Prozesse zu beschleunigen und besser zusammenarbeiten zu können. Das wirft nicht nur rechtliche Fragen auf, sondern erhöht das Risiko für die Unternehmenssicherheit.