Mobil im Job

Juni 2015 | Die Welt | Talente der Zukunft

Mobil im Job

Weil Arbeit immer mobiler wird, verändern sich die Unternehmen. Neue soziale Routinen müssen etabliert werden.

Lars Klaaßen / Redaktion

Sacharbeiter, die mit Aktenordnern hantieren und standardisierte Routineaufgaben erledigen, waren früher die Norm. Heute hingegen ist Wissensarbeit und Kreativität gefragt, die Aufgaben werden komplexer und verändern sich dynamisch“, erläutert Stefan Rief. Er leitet das Team „Workspace Innovation“ sowie das Verbundforschungsprojekt „Office21“ beim Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO). Seit 1981 untersucht das IAO, welche Möglichkeiten des Arbeitens und der Bürogestaltung sich künftig realisieren lassen. „Leistungsdruck und Arbeitsdichte nehmen zu, neue Formen der Organisation von Arbeit erfordern mehr Kompetenz, Zusammenarbeit und Selbstorganisation“, so Rief.
 

Beschleunigung und Globalisierung prägen den Arbeitsalltag zunehmend. Die Integration von Arbeit und Freizeit wird sich weiter verbreiten. Wer im Home Office sitzt oder Aufgaben auch während einer Dienstreise erledigt, benötigt während dieser Zeit keinen Schreibtisch im Unternehmen. Das erfreut viele Arbeitgeber. Wer weniger Schreibtische als Mitarbeiter braucht, kann Büroflächen reduzieren und damit Immobilienkosten senken. „Flächeneffizienz ist aber nur ein Faktor, wenn gut gearbeitet werden soll“, betont Tim Hagemann, Wissenschaftler am Institut für Arbeitspsychologie und Arbeitsmedizin. „Der Mensch und seine Tätigkeiten stehen im Mittelpunkt.“
 

Die neu gewonnene Flexibilität kann einerseits genutzt werden, um Beruf und Familie besser miteinander zu vereinbaren. „Arbeitgeber sollten aber bei extern tätigen Mitarbeitern auf die Anbindung achten“, rät Hagemann. „Rituale sind dabei hilfreich, etwa regelmäßig zu ausgemachten Zeiten mit den Kollegen zu telefonieren.“
 

Neue Bedürfnisse erfordern bei der Planung und Gestaltung von Büroräumen neue Strukturen. Die Zahl der Einzelarbeitsplätze nimmt tendenziell ab. Der dadurch gewonnene Raum steht damit Funktionen zur Verfügung, die bislang eine eher geringe Rolle spielten. 
 

Drei Kernbereiche kristallisieren sich heraus: ruhige Orte für konzentriertes Arbeiten; Besprechungsräume für Teams, die gemeinsam an bestimmten Projekte arbeiten; Begegnungsstätten zum informellen Austausch. Das kann eine Lounge oder eine Kaffeebar sein, wo auch zufällige Begegnungen Synergieeffekte schaffen.
 

Ob Tagung, Schulung oder Präsentation, ob Sondierungsgespräch, Workshop, oder Arbeitstreffen für ein Projekt: Design Offices haben in sieben deutschen Großstädten ein Konzept auf Arbeitsräume übertragen, das in den vergangenen Jahren anderswo bereits viele Freunde gefunden hat: Sharing. Das Angebot reicht vom einzelnen Arbeitsplatz im Co-Working-Space über die intime Lounge, separate Büro- und Konferenzräume bis hin zum Trainingroom. Die Bereiche können einzeln, in Teilen oder komplett gemietet werden, für eine Stunde oder auch für mehrere Tage.
 

Einige Unternehmen haben sich auch langfristig in den Design Offices niedergelassen, sie nutzen ihre Räume als Showroom oder für den Vertrieb. Wer sich hier temporär einquartiert, braucht nichts mitzubringen außer Smartphone und Notebook. Flatscreens, Whiteboards, Stifte und Papier sind bereits vor Ort. Auch ein „Virtual Office“ können Kunden sich hier einrichten Es umfasst eine repräsentative Adresse samt Postservice, Beschilderung sowie flexibler Nutzung der Büro- und Tagungsräume.