Meldungen

Fokus: Klima & Konsequenzen

Juli 2026 stern Zukunftsfaktor Nachhaltigkeit

First choice: Second-hand

Das alte Smartphone in der Schublade, die Jacke, die nie richtig passte, die ausgelesenen Bücher der Kinder: All das findet heute mit wenigen Klicks neue Besitzer:innen. Vor Jahren hatte die Corona-Pandemie dem Online-Secondhand-Handel zu einem Boom verholfen, immer mehr gebrauchte Produkte wurden im Internet gehandelt. Doch der Trend hält an – befeuert von zwei starken Kräften: dem wachsenden Nachhaltigkeitsbewusstsein und dem Wunsch, in Zeiten hoher Preise Geld zu sparen. Für viele ist Recommerce längst selbstverständlicher Teil des Konsumalltags: Laut einer bevh-Studie kauften zuletzt 55 Prozent der Befragten gebrauchte Ware online, mehr als die Hälfte verkaufte auch selbst. Anbieter wie Vinted, Rebuy oder Momox profitieren. Und selbst große Händler wie Zalando oder Ikea steigen ins Geschäft mit Gebrauchtem ein. Die Aussichten bleiben vielversprechend: Bis zum Jahr 2029 wird ein Wachstum des weltweiten Recommerce-Marktes von rund 55 Prozent vorausgesagt. Aus Aussortieren wird so ein Milliardenmarkt.

Juli 2026 stern Zukunftsfaktor Nachhaltigkeit

Endlich: Der neue Klimaplan

Mehr Windräder am Horizont, ein bezahlbares E-Auto vor der Tür, widerstandsfähige Wälder: So stellt sich die Bundesregierung die nähere Zukunft vor. Das Bundeskabinett hat unter Umweltminister Carsten Schneider (SPD) am 25. März 2026 ein Programm mit 67 Maßnahmen beschlossen, das bis 2030 über 25 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich einsparen soll. Darunter ein sozial gestaffeltes Förderprogramm für rund 800.000 E-Autos, das sich gezielt an Menschen richtet, die sich ein E-Auto sonst nicht leisten könnten. Hinzu kommen rund 2.000 zusätzliche Windräder mit zwölf Gigawatt Gesamtleistung, die künftig Erdgas und Kohle ersetzen sollen. Auch die Industrie erhält Unterstützung beim Umstieg auf klimafreundliche Technik. Außerdem sollen 23 Maßnahmen explizit Wälder, Moore und Böden widerstandsfähiger machen. Finanziert wird das Paket ab 2027 mit rund acht Milliarden Euro. Ziel ist es, die Lücke zum deutschen Klimaziel zu schließen sowie das Land unabhängiger von teuren Öl- und Gasimporten zu machen.

Juli 2026 stern Zukunftsfaktor Nachhaltigkeit

Neuware: Vernichtung verboten

Retournierte Pullover, nie getragene Schuhe, überschüssige Modeware: Jedes Jahr wandern in Europa Millionen fabrikneuer Textilien ungenutzt in den Müll oder Schredder. Damit ist ab Sommer 2026 Schluss. Im Rahmen der EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR) dürfen große Unternehmen ab dem 19. Juli 2026 unverkaufte Verbraucherprodukte wie Bekleidung, Schuhe und Accessoires nicht mehr einfach vernichten. Für mittelgroße Firmen greift das Verbot erst 2030, Klein- und Kleinstunternehmen sind ausgenommen. Die Regel zielt auf eine der verschwenderischsten Seiten des Überkonsums: die Zerstörung von Ware, die nie ein Kunde oder eine Kundin gesehen hat. Anstelle von Wegwerfen sollen Weiterverkauf, Spende oder Recycling treten. Flankiert wird das Ganze ab 2027 vom digitalen Produktpass, der Herkunft und Materialien nachvollziehbar macht. Für Handel und Modebranche bedeutet das ein Umdenken. Für Ressourcen und Umwelt eine spürbare Entlastung.