Den Blick nach vorn richten

Forum der Akteure

Oktober 2026 Handelsblatt Zukunft Deutschland

»Deutschlands Zukunft liegt in der KI.«

Dr. Ralf Wintergerst Präsident Bitkom

Deutschland ist das Land der Dinge. Vom Pharmawirkstoff bis zur Großanlage: Sobald es physisch wird, punktet Deutschland. Die Zukunft gehört den Daten. Vom Software Defined Vehicle bis zur Software Defined Defense, hier punkten die digitalen Großmächte. Nun kommt KI, und die Karten werden neu gemischt. Kann Deutschland mithalten? Ich sage: Ja, selbstverständlich. Die weltweit führende generative KI für Bilder und Videos – kommt aus Deutschland. Process Intelligence und Enterprise AI – kann wohl niemand so gut wie deutsche Unternehmen. KI-gesteuerte Drohnen in der Luft oder an Land – hier blickt die Welt auf uns. Hinzu kommen führende Unternehmen im Quanten-Computing, sie werden KI auf ein ganz neues Niveau heben. Mit Industrial AI und Digitalem Zwilling verschmelzen klassische Industrie und neue KI-Welt vollends. Und Deutschland muss sich nicht verstecken.

Das Betriebssystem der industriellen KI wird gerade in Deutschland entwickelt. Wir verfügen über tiefes Branchen- und Prozesswissen, über eine starke industrielle Basis und über enorme Mengen wertvoller Daten aus realer Wertschöpfung. Das ist unsere Chance. Daten sind der Rohstoff, unser Branchenwissen liefert den Kontext, KI ist das Werkzeug. Bringen wir diese drei Dinge zusammen, können aus jahrzehntelanger Erfahrung Produkte, bessere Prozesse und neue Geschäftsmodelle entstehen. 

Allein mit mehr Zuversicht und unternehmerischem Mut wird das nicht gelingen. Wir brauchen eine Politik, die Prioritäten setzt. Es geht um leistungsfähige digitale Infrastrukturen, eine Verwaltung, die Digitalisierung ermöglicht statt ausbremst, mehr Freiräume für Investitionen und Innovationen und Beschäftigte, die neue Technologien souverän einsetzen können. Vor allem müssen wir Daten einfacher und sicherer nutzbar machen. Deutschlands Zukunft liegt in der KI, wir müssen alles tun, um sie hier bei uns zu entwickeln und einzusetzen.
bitkom.org
 

Oktober 2026 Handelsblatt Zukunft Deutschland

»KI führt schlechte Organisationen vor.«

Esther Kathmann Vize-Präsidentin Bundesverband New Work

Produktivität braucht klare Rollen, Entscheidungen und Verantwortung. Deutsche Unternehmen kämpfen mit Kosten, Bürokratie, Fachkräftelücken und der Frage, wie sie KI produktiv nutzen. Sich jetzt auch noch damit zu beschäftigen, wie man grundsätzlich zusammenarbeiten sollte, klingt nach schlechtem Timing. New Leadership? New Work? Haben wir nicht andere Probleme?

Genau hier liegt das Missverständnis. KI macht gute Organisationen schneller und führt schlechte Organisationen vor. Wo Rollen, Prozesse und Entscheidungen klar sind, kann Technologie Routinen übernehmen, Tempo erzeugen und Innovationen treiben. KI skaliert leider aber auch dort, wo Klarheit fehlt. Schlechte Abläufe werden automatisiert, Verantwortlichkeiten verschwimmen, und aus dem erhofften Produktivitätsschub wird ein Steuerungsproblem.

Niemand löst Führungsprobleme mit einem Obstkorb. Moderne Arbeit beginnt dort, wo Menschen wirksam werden können: entscheiden, lernen, Verantwortung übernehmen. Das ist kein Kulturluxus, sondern Voraussetzung, um unter Druck handlungsfähig zu bleiben.

Darum geht es bei New Work: um Arbeitsbedingungen, die Wirksamkeit ermöglichen. Fachkräfte gewinnt und bindet man nicht mit Rhetorik, sondern mit einer Arbeitsrealität, die hält, was sie verspricht.

Für Unternehmen wird das zur Wettbewerbsfrage. Wer produktiver werden will, muss Arbeit so organisieren, dass Kompetenzen angewendet werden, Führung Orientierung gibt und Gesundheit geschützt wird, bevor Leistung ausfällt.

Der Bundesverband New Work versteht moderne Arbeit als Management- und Organisationsaufgabe. Als unabhängiges Netzwerk aus Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft bringen wir Menschen zusammen, die Arbeit aus der Praxis besser gestalten.
bundesverbandnewwork.de
 

Oktober 2026 Handelsblatt Zukunft Deutschland

»Die Technologien sind da. Jetzt müssen die Netze liefern.«

Robert Busch Geschäftsführer Bundesverband Neue Energiewirtschaft

Die Elektrifizierung ist eine umfassende Modernisierung unserer Volkswirtschaft. Elektroautos, Wärmepumpen und – wo es möglich ist – elektrische Industrieprozesse, sie sind langfristig günstiger, effizienter und reduzieren die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten. Andere Länder zeigen, welches Tempo möglich ist. China hat den Stromanteil am Endenergieverbrauch binnen 20 Jahren von rund 15 auf etwa 30 Prozent gesteigert. Deutschland verharrt dagegen seit Jahren bei gut 20 Prozent.

Die Technologien sind da. Allein der Volkswagen-Konzern lieferte 2025 weltweit fast eine Million reine Elektroautos aus und gehört damit zur globalen Spitzengruppe. Wärmepumpenhersteller wie Bosch und Viessmann sind international erfolgreich. Auch im Speicher- und Solarbereich sind deutsche Unternehmen vor allem bei Software, Systemintegration und Installation stark. Deutschland kann Elektrifizierung.

Doch die besten Technologien helfen wenig, wenn sie nicht ans Stromnetz kommen. Mehr als 850 Verteilnetzbetreiber arbeiten mit unterschiedlichen Vorgaben, Portalen, Prozessen und Ausbaugraden. Netzanschlüsse für Speicher, Ladeinfrastruktur oder Industrieanlagen sind so vielerorts ein Flaschenhals. Faktisch befindet sich das Land in einer Netzkrise. Die nötigen Voraussetzungen für eine umfassende Digitalisierung und Elektrifizierung wurden nicht geschaffen. 

Genau hier setzt die Energiewende-Digitalisierungs-Allianz an. 17 Unternehmen, davon viele Mitglieder des bne, fordern bundesweit einheitliche digitale Netzanschlussprozesse, verbindliche Fristen und Standards, einen schnelleren Smart-Meter-Rollout sowie eine wirksamere Kontrolle der Netzbetreiber. Mit dem Netzanschlusspaket kann die Bundesregierung diese Reformen jetzt umsetzen und den Industriestandort wettbewerbsfähiger machen.
bne-online.de