»Unsicherheit wird zum Liquiditäts- und Finanzierungsproblem«
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist ernst. Globale Risiken nehmen zu, die Politik eilt von Krise zu Krise. Auch die Finanzstabilität gerät unter Druck: Die Bundesbank warnt vor Verwerfungen im Kreditgeschäft und möglichen Marktpreiskorrekturen – ausgelöst durch geopolitische Spannungen und hohe Staatsverschuldung. Unternehmen spüren das bereits: Kredite werden restriktiver vergeben, Investitionen bleiben aus.
Parallel verschlechtert sich die Zahlungsmoral. Zuletzt wurden rund 39 Millionen neue Forderungen ins Inkasso gegeben – ein Rekordwert. Das belastet die Liquidität vieler Unternehmen erheblich. Gleichzeitig steigen die Insolvenzen: 2025 wurden rund 23.900 Unternehmensinsolvenzen registriert, das ist der höchste Wert seit über zehn Jahren. Auch bei Privatpersonen zeigt sich die Entwicklung: Die Zahl der Insolvenzen stieg zuletzt auf etwa 108.000 Fälle (+ 7,8 %). Eine kurzfristige Entspannung ist nicht in Sicht, im Gegenteil: Die Abschwächung am Arbeitsmarkt wird die Lage weiter verschlechtern. Die politischen Antworten bleiben bislang unzureichend. Viele Vorhaben werden im Bundestag nur diskutiert. Strukturelle Reformen bleiben aus. Das "Stop-the-Clock" der EU ersetzt keinen echten Bürokratieabbau. Und gleichzeitig stößt die Justiz an ihre Grenzen: steigende Fallzahlen, lange Verfahrensdauern, wachsende Rückstände. Kurz: Die Modernisierung von Rechtsstaat und Justiz duldet keinen Aufschub.
Dabei ließe sich gegensteuern. Eine leistungsfähige Inkassowirtschaft kann Teil der Lösung sein. Politisch braucht es Entlastung durch Deregulierung und Digitalisierung. Konkret bedeutet das die Umsetzung des „Pakts für den Rechtsstaat“, Anreize für Rechnungstreue und Rechtssicherheit für die Nutzung von Daten, digitalen Technologien und künstlicher Intelligenz. Die Politik muss handeln.
inkasso.de