Weg mit den Hürden!

Forum der Akteure

Juli 2026 Handelsblatt Wirtschaft im Wandel

»Betriebliche Mobilität auf neuen Wegen«

Axel Schäfer Geschäftsführer Bundesverband Betriebliche Mobilität

Die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft wird maßgeblich durch die Bereiche Energie, Mobilität und Infrastruktur bestimmt. Unternehmen spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie organisieren täglich die Mobilität ihrer Beschäftigten, betreiben Fahrzeugflotten und gestalten Geschäftsreisen. Damit wird betriebliche Mobilität zu einem wichtigen Hebel für nachhaltigen Wandel und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit. Die Anforderungen an Unternehmen steigen. Klimaschutzziele, Digitalisierung und neue Mobilitätsbedürfnisse verlangen nach innovativen Lösungen. Gleichzeitig müssen Unternehmen wirtschaftlich handeln und attraktive Rahmenbedingungen für ihre Mitarbeitenden schaffen.

Betriebliche Mobilität umfasst heute weit mehr als das Management von Dienstwagen. Elektromobilität, Ladeinfrastruktur, Fahrradmobilität, Sharing-Angebote und digitale Mobilitätsplattformen werden zunehmend Teil integrierter Mobilitätsstrategien. Ziel ist eine effiziente, flexible und nachhaltige Mobilität.

Dabei sind Energie- und Mobilitätswende eng miteinander verknüpft. Der Erfolg der Elektromobilität hängt von einer leistungsfähigen Infrastruktur und einer sicheren Versorgung mit erneuerbaren Energien ab. Viele Unternehmen investieren deshalb in Ladepunkte, intelligentes Energiemanagement und eigene Stromerzeugung.

Aus Sicht des Bundesverbands Betriebliche Mobilität sind Unternehmen wichtige Treiber dieser Entwicklung. Sie erproben neue Konzepte, schaffen Akzeptanz für innovative Mobilitätsformen und leisten einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele.

Damit die Transformation gelingt, braucht es verlässliche politische Rahmenbedingungen und einen konsequenten Ausbau der Infrastruktur. Betriebliche Mobilität verbindet die Themen Energie, Verkehr und Wirtschaft und leistet einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen und leistungsfähigen Mobilität in Deutschland.
mobilitaetsverband.de
 

Juli 2026 Handelsblatt Wirtschaft im Wandel

»Deutschlands Netzkrise gemeinsam auflösen«

Robert Busch Geschäftsführer Bundesverband Neue Energiewirtschaft

Deutschland befindet sich im Jahr 2026 in einer veritablen Stromnetzkrise. Es mangelt an Netzausbau und es mangelt an der Digitalisierung der Netze. Die Folgen sind längst für alle spürbar. Unternehmen warten auf Netzanschlüsse, Batteriespeicher und Erneuerbare-Energien-Anlagen verzögern sich, Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur stoßen auf lokale Engpässe. Die Energiewende krankt am Netz.

Auch die Bundesregierung hat jetzt den massiven Handlungsbedarf erkannt. Im jüngsten Papier des Koalitionsausschusses widmet sie den Verteilnetzen erstmals einen substantiierten Maßnahmenkatalog. Viele Reformen, die seit Jahren überfällig sind, sollen nun angegangen werden: ambitioniertere Ziele und Vereinfachungen beim Smart-Meter-Rollout, eine zentrale Datenplattform für Netzausbau, Netzauslastung und Netzanschlusskapazitäten, mehr Kooperation zwischen Netzbetreibern bei Softwarelösungen sowie eine stärkere Digitalisierung der Netze insgesamt. 

So weit so gut, die Regierungsziele sind ambitioniert, wenn auch aus Sicht des bne an einigen Stellen noch ausbaufähig. Doch nun geht es erst einmal an die Umsetzung und hier droht, wie im politischen Prozess so oft zu beobachten, massive Erosion. Die notwendige prioritäre Durchsetzung kann nur gelingen, wenn sich Politik und Regulierung gegen die strukturellen Beharrungskräfte in einer traditionell konservativen Verteilnetzbranche durchsetzen.

Um nicht missverstanden zu werden, wir alle schätzen unsere Stadtwerke und regionalen Energieversorger. Sie haben über Jahrzehnte eine sichere Stromversorgung gewährleistet, doch nun sind neue Aufgaben zu bewältigen. Die Energiewende braucht nicht nur neue Erzeugungsanlagen, Speicher und Wärmepumpen. Sie braucht vor allem Verteilnetze, die digital, transparent und flexibel arbeiten. Sie sind eine der wichtigsten Grundlagen für die wirtschaftliche Erholung Deutschlands.
bne-online.de
 

Juli 2026 Handelsblatt Wirtschaft im Wandel

»186 Terawattstunden Handlungsbedarf für den Logistiksektor«

Frank Huster Hauptgeschäftsführer DSLV Bundesverband Spedition und Logistik

Energiepolitische Debatten blenden die für die weltweite Güterversorgung relevante Speditions- und Logistikbranche meist aus. Dabei verändert der Weg der Logistik zur Klimaneutralität die energiewirtschaftliche Gesamtrechnung grundlegend. Ein wachsender Anteil logistischer Prozesse, vor allem der Straßengüterverkehr, wird elektrifiziert. In keinem anderen Sektor wird der Strombedarf in den kommenden Jahren so steil ansteigen.

Eine Studie der RWTH Aachen bringt das in Zahlen: 2045 wird die Logistikbranche in Deutschland 186 TWh Strom pro Jahr benötigen – achtmal mehr als heute. Bereits 2035 übersteigt der Bedarf den der Stahl- und Chemieindustrie zusammen. Damit konkurrieren Speditionen mit Industriesektoren, Rechenzentren, Wärmepumpen, Elektro-Pkw und Wasserstoffwirtschaft zunehmend um bezahlbaren Strom. Die zentrale Frage ist: Sind die geplanten Stromerzeugungs- und Netzkapazitäten auf eine Nachfrage dieser Größenordnung ausgelegt?

Bislang haben sich die Verkehrs- und Klimapolitik regulatorisch zu einseitig auf die Elektrifizierung der Nutzfahrzeugflotten fokussiert, ohne die dafür notwendigen energiepolitischen Voraussetzungen zu schaffen. Der Ausbau der Stromnetze verläuft schleppend, Netzanschlüsse für Logistikstandorte werden zum Engpass. Ein E-Lkw ohne gesicherte Stromversorgung ist kein Beitrag zum Klimaschutz, sondern ein Investitionsrisiko. Mit Photovoltaik und Speicherlösungen entwickeln sich Logistikstandorte zwar immer mehr zu lokalen Energie-Hubs, den Eigenbedarf vollständig decken werden sie aber nicht können.

Der Logistiksektor wird Großstromverbraucher. Bei der Bemessung des Strompreisniveaus sowie bei der Priorisierung der Netzanschlüsse rechtfertigt dies einen Vergleich mit bereits als energieintensiv eingestuften und steuerlich begünstigten Industriesektoren. Energiepolitik muss dies verstehen und entsprechend handeln.
dslv.org