Treiber der Innovation

Forum der Akteure

April 2026 Handelsblatt Unternehmergeist

»Innovation entsteht im Dazwischen«

Nele Kammlott Vizepräsidentin Bundesverband IT-Mittelstand

Einigkeit gilt in vielen Unternehmen als Ziel. Klare Positionen, schnelle Entscheidungen, möglichst wenig Reibung – das steht für Effizienz und Handlungsfähigkeit. Doch genau diese Logik greift zu kurz.

Denn Innovation entsteht nicht nur dort, wo Einigkeit herrscht. Sie entsteht auch dort, wo unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen und ausgehalten werden.

Unternehmen bewegen sich heute in einem Umfeld wachsender Komplexität. Märkte verändern sich dynamisch, Technologien entwickeln sich rasant, Anforderungen steigen. Der Impuls, Komplexität zu reduzieren, wird größer – durch schnelle Bewertungen und eindeutige Einordnungen.

Doch wer zu schnell vereinfacht, verliert oft den Blick für das Wesentliche. Neue Ideen entstehen selten aus eindeutigen Antworten. Sie entstehen im Spannungsfeld unterschiedlicher Sichtweisen.

Gleichzeitig lässt sich beobachten, dass genau diese Fähigkeit unter Druck gerät. Unterschiedliche Meinungen werden schneller bewertet als verstanden. Diskussionen zielen auf Konsens, nicht auf Erkenntnis. Reibung wird vermieden, statt genutzt. Dabei braucht Unternehmertum genau diese Fähigkeit: Widersprüche auszuhalten. Nicht jede Differenz muss aufgelöst werden. Nicht jede Unsicherheit ist ein Problem.

Es geht nicht nur darum, schnelle Entscheidungen zu treffen. Sondern auch darum, unterschiedliche Perspektiven bewusst stehen zu lassen – auch dann, wenn sie nicht sofort anschlussfähig sind.

Gerade in kleineren Strukturen, etwa im Mittelstand und insbesondere in der IT, entstehen so Räume, in denen unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen können. Häufig auch im direkten Austausch mit Kunden, die nicht nur Auftraggeber sind, sondern ihre Sichtweisen als Partner auf Augenhöhe einbringen.

Denn Innovation entsteht nicht im Konsens. Sondern im Dazwischen.

bitmi.de
 

April 2026 Handelsblatt Unternehmergeist

»Innovation erfordert neue unternehmerische Ansätze«

Dr. Ralf Wintergerst Präsident Bitkom

Jedes zweite deutsche Unternehmen hat Probleme, die Digitalisierung zu bewältigen – und zugleich liegt in fast jedem Unternehmen ein ungenutzter Schatz, der genau dabei helfen kann: die eigenen Daten. Sechs von zehn Unternehmen nutzen das Potenzial ihrer Daten bisher kaum oder gar nicht. Dabei sind Daten der Rohstoff, aus dem insbesondere mit Künstlicher Intelligenz neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle entwickelt werden können.

KI verbreitet sich in rasantem Tempo. Innerhalb eines Jahres hat sich der Anteil der Unternehmen, die KI einsetzen, von 17 auf 41 Prozent mehr als verdoppelt. Dass viele KI bereits als Effizienz-Tool im Büroalltag nutzen, ist ein guter Anfang. Doch die große Chance liegt woanders: dort, wo KI mit den eigenen Unternehmensdaten verbunden wird. Wer diesen Datenschatz hebt, kann viel mehr erreichen als nur schneller oder günstiger zu wirtschaften. Schon heute haben 29 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen neue Produkte oder Dienstleistungen entwickelt, bei 42 Prozent aller Unternehmen verändert sich durch die Digitalisierung und KI das gesamte Geschäftsmodell. Innovation bedeutet aber nicht allein den Einsatz neuer digitaler Technologien. Innovation erfordert neue unternehmerische Ansätze. Das heißt: Daten systematisch erschließen, KI-Kompetenz aufbauen und bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Freiräume für Experimente schaffen. Datennutzung und Experimentierfreude müssen politisch flankiert werden – durch weniger Bürokratie, einen pragmatischeren Datenschutz und den konsequenten Ausbau digitaler Infrastrukturen. Wer seine Daten nutzen und die nächsten Schritte bei KI machen will, für den sind die Möglichkeiten derzeit so gut wie selten zuvor. Noch nie waren die Einstiegshürden in eine neue Technologie so niedrig und die Investitionskosten so gering. Jetzt ist genau die richtige Zeit, auf Innovationskurs zu gehen.

bitkom.org
 

April 2026 Handelsblatt Unternehmergeist

»Starre Strukturen vermindern die Wettbewerbsfähigkeit«

Barbara Blenski Präsidentin Bundesverband New Work e.V.


Innovationen entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie entstehen dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen können, wo Zusammenarbeit auf Augenhöhe gelingt und wo Sinn erfahrbar ist. Kurz: dort, wo die Prinzipien von New Work gelebt werden.

Gerade Unternehmerinnen und Unternehmer kennen diese Realität: Wer neue Ideen voranbringen will, braucht Teams, die mitdenken, mitgestalten und Verantwortung übernehmen.

Gleichzeitig beobachten wir als Bundesverband New Work eine gegenläufige Entwicklung: In wirtschaftlich unsicheren Zeiten greifen viele Unternehmen wieder stärker auf scheinbar bewährte Muster und klassische Hierarchien zurück. Das ist zu kurz gedacht. Herausforderungen wie Digitalisierung, KI und Fachkräftemangel lassen sich nicht mit den Logiken der Vergangenheit beheben.

Aktuelle Untersuchungen, z. B. vom Fraunhofer IAO, zeigen klar: Partizipative, selbstorganisierte und flexible Arbeitsformen erhöhen nicht nur die Zufriedenheit, sondern signifikant die Innovationsfähigkeit. Unternehmen, die auf starre Strukturen setzen, verlieren an Wettbewerbsfähigkeit. Als Präsidentin des Bundesverbands New Work sehe ich täglich, wie groß der Unterschied zwischen Anspruch und gelebter Wirklichkeit ist. Viele Unternehmen sprechen über New Work, aber nur wenige schaffen die Strukturen, die echte Beteiligung ermöglichen. Dabei geht es nicht um Kickertische oder Feel-Good Programme, sondern um die Fähigkeit, Komplexität zu meistern, systemisch zu denken und Raum für Experimente zu schaffen. Wer jetzt in alte Muster zurückfällt, wird es schwerer haben, mit der Geschwindigkeit von Veränderung Schritt zu halten.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob wir uns New Work leisten können, sondern ob wir es uns leisten können, darauf zu verzichten.

bundesverbandnewwork.de