Mobilität gestalten

 Forum der Akteure

April 2026 stern Mobilität der Zukunft

»Deutschlandangebot: Mobilität für ein funktionierendes Land«

Ingo Wortmann Präsident, Verband Deutscher Verkehrsunternehmen

Busse und Bahnen sind das Rückgrat der Mobilität im Alltag. Doch der ÖPNV-Finanzierungsbedarf liegt bereits heute bei rund 26 Milliarden Euro jährlich. Das Leistungskostengutachten des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen zeigt das Potenzial: Mit besserem Angebot und dem Deutschlandtakt könnte der ÖPNV bis 2040 rund 16 Milliarden Fahrgäste pro Jahr erreichen – mit bis zu 21 Milliarden Fahrten. Dafür müssten die öffentlichen Mittel schrittweise auf etwa 80 Milliarden Euro jährlich wachsen. Die Branche ist bereit: Digitalisierung, neue Angebote und emissionsfreie Fahrzeuge können die Mobilität in Deutschland verändern. Der im Koalitionsvertrag angekündigte ÖPNV-Modernisierungspakt setzt dafür den politischen Rahmen. Denn jede Investition lohnt hier: Jeder in den ÖPNV investierte Euro löst bis zu drei Euro zusätzliche Wertschöpfung aus. Die Frage ist daher nicht, ob wir investieren – sondern welchen öffentlichen Verkehr wir künftig wollen.
vdv.de
 

April 2026 stern Mobilität der Zukunft

»Nutzfahrzeugindustrie treibt Transformation voran«

Hildegard Müller Präsidentin, Verband der Automobilindustrie

Auch Nutzfahrzeuge sind ein entscheidender Hebel, um die Klimaziele im Verkehr zu erreichen. Die deutsche Automobilindustrie investiert deshalb bis 2030 mehr als eine halbe Billion Euro in die Transformation hin zur klimaneutralen und digitalen Mobilität. Batterieelektrische Lkw mit Reichweiten von bis zu 500 km und Wasserstofffahrzeuge mit bis zu 800 km Reichweite verdeutlichen die große Innovationskraft der Nutzfahrzeugindustrie. Entsprechende Fahrzeuge stehen in allen Klassen zur Verfügung. Doch ein international kaum noch wettbewerbsfähiger Standort mit hohen Energiepreisen, steigenden Lohn(neben)kosten, komplexer Regulierung und überbordender Bürokratie sowie unzureichende Rahmenbedingungen für die Transformation zu klimaneutralen Antrieben bremsen die Dynamik. Hier ist die Politik gefragt: Neben einem wettbewerbsfähigen Industriestandort braucht es vor allem ein europaweit gutes Netz von Lade- und Wasserstofftankstellen sowie leistungsfähige Stromnetze.
vda.de
 

April 2026 stern Mobilität der Zukunft

»Mobilitätsmanagement wird zum ESG-Schlüsselfaktor«

Axel Schäfer Geschäftsführer Bundesverband Betriebliche Mobilität

Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) macht betriebliche Mobilität prüfungsrelevant. Unternehmen müssen Nachhaltigkeitsdaten belastbar, nachvollziehbar und langfristig dokumentieren, dazu zählen auch Daten aus dem Fuhrpark. Durch EU-Omnibus-Initiativen wurde der Anwendungsbereich eingegrenzt und Fristen (außer der ersten Welle) um ca. zwei Jahre verschoben. Berichtspflichtig sind voraussichtlich ab 2027 große Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitenden sowie hohen Umsatzoder Bilanzwerten. Auch nicht direkt betroffene Firmen geraten als Datenlieferanten in Lieferketten unter Druck, da Mobilitätsdaten (Fuhrpark, Dienstreisen, Pendelverkehr) in Scope-3-Emissionen einfließen. Mobilität zählt zu den größten beeinflussbaren Emissionstreibern und berührt ökologische wie soziale Aspekte. Gefordert sind unter anderem Daten zu Flottenstruktur, Antrieben, Verbräuchen, Emissionen und Richtlinien. Der Fuhrpark wird damit zur strategischen ESG-Schnittstelle und die CSRD bietet zugleich eine Chance für strukturiertes, zukunftsfähiges Mobilitätsmanagement.
mobilitaetsverband.de