Herr Guidicelli, Engineering war lange vor allem klassische Ingenieurskunst. Heute entscheiden Software, Daten und KI mit über den Erfolg eines Produkts. Erlebt Ihre Branche gerade ihren größten Umbruch?
Wir erleben tatsächlich eine der größten Veränderungen unserer Branche, aber nicht die erste. Der Wechsel vom Zeichenbrett zum CAD-System war für das Engineering mindestens genauso fundamental. Heute erleben wir mit Software, Daten und KI wieder so einen Sprung, nur sind Geschwindigkeit und Reichweite viel größer. KI kann Dokumentation, Analysen, Variantenprüfungen und Abstimmungen beschleunigen. Das macht Engineering nicht weniger relevant. Im Gegenteil: Wenn Technologie einen Teil der Komplexität übernimmt, bleibt mehr Raum für das, was Ingenieurskunst ausmacht: Probleme verstehen, Lösungen entwickeln und Innovationen in die Anwendung bringen.
Viele Unternehmen setzen KI längst ein. Warum bleibt der große Produktivitätsschub trotzdem häufig aus?
Weil der erste Schritt oft darin besteht, KI in bestehende Prozesse zu integrieren und zu hoffen, dass sie dadurch produktiver werden. Das ist nachvollziehbar, greift aber zu kurz. Als der Elektromotor in die Industrie kam, haben viele Unternehmen zunächst einfach die Dampfmaschine durch einen großen Elektromotor ersetzt. Der Produktivitätssprung kam erst, als Fabriken und Abläufe völlig neu organisiert wurden. Bei KI stehen wir heute an einem ähnlichen Punkt. Einzelne Anwendungen bringen Effizienzgewinne. Spannend wird es aber erst, wenn wir die Prozesse von Anfang an mit den Möglichkeiten von KI neu denken.
Was verändert das für Akkodis?
Kunden wollen heute mehr als reine Engineering-Kapazität. Hochqualifizierte Ingenieurinnen und Ingenieure bereitzustellen, bleibt wichtig. Gleichzeitig werden Produkte softwareintensiver, Entwicklungszyklen kürzer und regulatorische Anforderungen komplexer. Deshalb müssen wir Engineering-Know-how, digitale und technologische Kompetenz, Prozessverständnis und Ergebnisverantwortung zusammenbringen. Damit rücken wir näher an die Wertschöpfung unserer Kunden. Es geht nicht nur darum, einzelne Entwicklungsschritte zu beschleunigen, sondern beispielsweise einen Softwareentwicklungsprozess von der Anforderung bis zum Test mit KI neu zu denken.
Sie übernehmen jetzt als Geschäftsführer die Verantwortung für Akkodis Deutschland. Was wollen Sie vorantreiben?
Für mich geht es im Kern darum, wie wir dazu beitragen können, dass die Industrie in Deutschland und Europa wettbewerbsfähig bleibt. Wir haben hier starke Unternehmen, hervorragendes Engineering und viel technologische Substanz. Aber der internationale Wettbewerb wird härter. Wir müssen deshalb schneller darin werden, neue Technologien aus der Entwicklung in die Anwendung zu bringen. Dafür müssen drei Dinge zusammenkommen: technologische Kompetenz, Menschen, die den Wandel gestalten, und Kundenprojekte, in denen konkreter industrieller Nutzen entsteht. Meine Aufgabe ist auch, dafür zu sorgen, dass unsere Mitarbeitenden die richtigen Kompetenzen, Werkzeuge und Perspektiven dafür haben.
Und was unterscheidet Akkodis dabei vom Wettbewerb?
Ich beobachte viele Unternehmen am Markt, die aus der Technologie kommen und von dort den Weg ins Engineering suchen. Akkodis kommt dagegen stärker über die Menschen und ihre Engineering-Kompetenz. Das hat auch mit unserer Herkunft als Teil der Adecco Group zu tun. Für uns steht der Mensch im Mittelpunkt. Die Technologie bauen wir darum herum.
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