»Wir müssen die Chancen von KI in den Blick nehmen!«

November 2020 | Wirtschaftswoche | Economy 4.0
Chancen nutzen!
Die Redaktion befragt Akteure zu den aktuellen Herausforderungen in Sachen Digitalisierung.
November 2020 | Wirtschaftswoche | Economy 4.0

»Wir müssen die Chancen von KI in den Blick nehmen!«

Achim Berg / Präsident Bitkom

Künstliche Intelligenz (KI) ist die Schlüsseltechnologie der Zukunft. Ob im Auto als Fahrassistent und demnächst auch als Fahrer, in der Medizintechnik bei der Analyse von CT-Aufnahmen und der Entwicklung von Medikamenten oder aber in Bildung und Weiterbildung als persönlicher Lehrer und Trainer: KI wird alle Branchen und Lebensbereiche prägen. Deutschland ist stark in der KI-Forschung, aber noch sehr zurückhaltend im praktischen Einsatz. Wir müssen in Deutschland noch stärker die Chancen in den Blick nehmen und Künstliche Intelligenz dorthin bringen, wo sie ihr Potenzial entfalten kann – zum Beispiel in den Mittelstand, in die Verwaltungen, in die Arztpraxen und in die Schulen und Universitäten. Dazu müssen wir an einer entscheidenden Stelle umdenken: KI funktioniert nicht ohne Daten. Unser Leitbild muss statt Datensparsamkeit künftig Datensorgfalt sein. Daten sind zu kostbar, um ihre Nutzung grundsätzlich zu verbieten und nur im Ausnahmefall zu gestatten. Und KI ist zu bedeutsam, als dass wir Entwicklung und Einsatz anderen überlassen dürfen.

 

www.bitkom.org

November 2020 | Wirtschaftswoche | Economy 4.0

»Software spielt für die Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle«

Dr. Oliver Grün / Präsident Bundesverband IT-Mittelstand e.V. (BITMi)

Seit geraumer Zeit sprechen wir davon, dass sich unsere Wirtschaft digitalisieren muss. Neuerdings ist zudem von nachhaltiger Digitalisierung die Rede. Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind dabei gleichermaßen schwammige Begriffe. Für uns heißt das einerseits, dass die Digitalisierung von Unternehmen nicht nach dem Einrichten eines Zoom-Accounts aufhören darf. Es muss eine echte Transformation angestoßen werden, die zu digitalen, innovativen Geschäftsmodellen führt. Darüber hinaus muss Digitalisierung auch ressourcenschonend gedacht werden. Allerdings steht dabei oft alleine der Ressourcenverbrauch von Hardware im Fokus, von Rechenzentren, Smartphones, Chips oder Akkus. Richtig ist aber, dass auch Software eine entscheidende Rolle spielt. Sie hat das Potenzial, enorme Einsparungen beim Energieverbrauch zu erzielen, die weit über dem Ressourcenverbrauch von Hardware liegen. Hier ist unser deutscher IT-Mittelstand mit seiner Vielfalt, seinem Ideenreichtum und seiner Qualität für die Entwicklung und Anwendung von nachhaltiger Software Made in Germany unverzichtbar.

 

www.bitmi.de

November 2020 | Wirtschaftswoche | Economy 4.0

»Wir brauchen eine gemeinsame Strategie!«

Holger Mühlbauer / Geschäftsführer Bundesverband IT-Sicherheit e.V. (TeleTrusT)

Die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung der Wirtschaft, Verwaltung und kritischen Infrastrukturen bietet Unternehmen gute Chancen, ihr Know-how in neue Technologien und Dienstleistungen umzusetzen. Andererseits erhöht dies die Abhängigkeit untereinander sowie gegenüber Dienstanbietern. Gleichzeitig steigt das Risiko, durch Fehlfunktionen oder Manipulationen, erhebliche Schäden zu erleiden. Als Träger von Spitzen-Know-how steht die deutsche Industrie zudem im Fokus der internationalen Wirtschaftsspionage und Cyberkriminalität. Grundsätzlich ist der Staat für die Bereitstellung und Absicherung von wichtigen Infrastrukturen verantwortlich. Dies frei und selbstbestimmt zu gestalten, gilt im allgemeinen politischen Sinne als Souveränität. Im Zuge der zunehmenden Komplexität der Infrastrukturen bedarf es einer intensiven Zusammenarbeit von Politik und Industrie, um diese Souveränität zu gewährleisten. Wir brauchen eine gemeinsame Strategie. Die Digitalisierung der Wirtschaft kann nur durch ein zielgerichtetes, langfristiges und gemeinsames Vorgehen erfolgreich umgesetzt werden.

 

www.teletrust.de