»Die nachhaltige Arbeitswelt braucht mehr Gerechtigkeit und neue Kompetenzen.«

Juni 2021 | Die Zeit | Arbeitswelt der Zukunft
Neue Kompetenzen
Die Redaktion befragt Akteure zu Trends auf dem Arbeitsmarkt.
Juni 2021 | Die Zeit | Arbeitswelt der Zukunft

»Die nachhaltige Arbeitswelt braucht mehr Gerechtigkeit und neue Kompetenzen.«

Martina Bergk / Geschäftsführerin LIFE Bildung Umwelt Chancengleichheit e. V.

Für eine nachhaltige Gesellschaft ist ein grundlegender Wandel nötig. In der Arbeitswelt betrifft das nicht nur das benötigte Fachwissen, sondern auch die Kompetenzen. Die herkömmliche Logik von Wachstum und ökonomischer Verwertung gilt es kritisch zu reflektieren und zu wandeln. Das heißt auch: Herrschendes Wissen, Wertehierarchien und bestehende Stereotype müssen dekonstruiert werden. Der Fokus allein auf Technik oder Ökologie greift zu kurz. Die Nachhaltigkeitskrise ist nicht nur eine ökologische, sondern auch eine Krise der Ungleichheiten. Denn Klimafolgen treffen Benachteiligte am meisten.

 

Für eine gesellschaftliche Transformation ist deshalb eine Auseinandersetzung mit sozialer, globaler und Umwelt-Gerechtigkeit und eine breite Beteiligung aller Akteure nötig. Es muss Teil beruflicher Kompetenzen sein, Gerechtigkeit zu fördern und so auch die Akzeptanz nachhaltiger Lösungen zu verbessern. Die neuen Kompetenzanforderungen müssen gemeinsam mit denen, die die Welt von morgen gestalten, diskutiert und entwickelt werden.

 

Deshalb bestärkt LIFE Bildung Umwelt Chancengleichheit e. V. in Berufsbildungsprojekten Jugendliche in Camps oder Frauen in Weiterbildungen, sich mit den Herausforderungen des zunehmend von Nachhaltigkeitsaspekten geprägten Arbeits- und Ausbildungsmarktes auseinanderzusetzen. Beim Entwickeln beruflicher Perspektiven geht es nicht nur darum, sich praktisch in neuen Berufsfeldern zu erproben, sondern auch konkrete Gestaltungsmöglichkeiten für Nachhaltigkeit zu erkennen, mit der Arbeit verbundene Ungerechtigkeiten zu reflektieren und den Umgang mit Komplexitäten und Widersprüchen zu üben. Die neue Arbeitswelt braucht Menschen mit Gestaltungskraft und Engagement für Gerechtigkeit.

 

www.life-online.de

Juni 2021 | Die Zeit | Arbeitswelt der Zukunft

»Im Fokus steht das für den Menschen technisch Sinnvolle.«

Julia Görlitz / Plattform Industrie 4.0

Die digitale Transformation gebietet es, sich bewusst mit der Frage auseinanderzusetzen, mit welcher Haltung und welchen Werten wir die digitale Arbeitswelt gestalten wollen. Expertinnen und Experten in der interdisziplinär und sozialpartnerschaftlich besetzten Arbeitsgruppe „Arbeit, Aus- und Weiterbildung“ der Plattform Industrie 4.0 nehmen sich dieser Aufgabe an, um Orientierung bei der nachhaltigen Gestaltung von guter Arbeit in der digitalisierten Industrie zu bieten. Die so entstandene Charta für Lernen und Arbeiten in der Industrie 4.0 beruht auf der Überzeugung, dass Lernen und Arbeiten durch vier Charakteristika gezeichnet sind:

 

Souveränität der Beschäftigten: Erfolgreiche Unternehmen erkennen an, dass die aktive Beteiligung der Belegschaft an Veränderungsprozessen sowie ein verstärkt selbstbestimmtes Lernen und Arbeiten wesentliche Stellhebel in der Industrie 4.0 sind. Beteiligung als Treiber von Innovation und Wertschöpfung: Die digitale Transformation kann nur im Interesse von Beschäftigten und Unternehmen gleichermaßen gelingen, wenn die Sozialpartner konstruktiv zusammenarbeiten und die Beiträge der Beschäftigten als Expertinnen und Experten in eigener Sache Berücksichtigung finden. Agilität als Unterstützung: Neue Formen der Arbeits- und Lernkultur unterstützen die Beschäftigten dabei, mit der Dynamik der Industrie 4.0 erfolgreich umzugehen. Agilität hilft Unternehmen bei der unmittelbaren Reaktion auf neue wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Und neue Technologien: Dass die Betroffenen die Einführung neuer Technologien aktiv mitgestalten, schafft Akzeptanz, fördert die Kompetenzentwicklung und stärkt den Unternehmenserfolg.

 

Im Fokus steht das für den Menschen technisch Sinnvolle – nicht allein das Machbare.

 

www.plattform-i40.de

Juni 2021 | Die Zeit | Arbeitswelt der Zukunft

»Die beruflichen Möglichkeiten rund um Klima- und Umweltschutz werden unterschätzt.«

Krischan Ostenrath / Chefredakteur WILA Arbeitsmarkt / Koordinator Netzwerk Grüne Arbeitswelt Wissenschaftsladen Bonn e. V.

Die Frage nach dem Berufseinstieg ist einer der Brennpunkte einer erfolgreichen Arbeitsmarktstrategie. Das gilt sowohl für Fachkräfte auf der Suche nach einem passenden Berufsfeld als auch für die Arbeitgeber auf der Suche nach geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern. Hier setzt der gemeinnützige Wissenschaftsladen Bonn (WILA Bonn) an und übernimmt seit fast dreißig Jahren die Rolle eines Lotsen, der (Wieder-)Einsteiger:innen und Arbeitgeber zusammenbringt. Und das bevorzugt in Arbeitsmärkten, die sich noch unterhalb der Schwelle einer breiten öffentlichen Wahrnehmung bewegen – wie beispielsweise im Umwelt- und Klimaschutz.

 

Seit den Gründungstagen erscheint der „WILA Arbeitsmarkt“, eine kuratierte Kompilation einschlägiger Stellen für Akademiker:innen, die sich bekannte und weniger bekannte Tätigkeitsfelder erschließen wollen. Flankierend dazu bietet das hauseigene WILA Bildungszentrum Fortbildungen mit dem Schwerpunkt „Berufliche Qualifizierung.“ Gleichzeitig arbeitet der WILA Bonn mit Drittmitteln von Stiftungen, Ministerien und der EU um Projekte rund um Themen der Berufsorientierung und Berufsfelderschließung durchzuführen.

 

Aktuell ist im Wissenschaftsjahr 2021 das Projekt „Jobs ohne Kohle?“ gestartet, das Schüler:innen und junge Fachkräfte in den Dialog zu den Beschäftigungsperspektiven der Bioökonomie bringt. Und seit 2017 koordiniert der WILA Bonn mit Unterstützung der Nationalen Klimaschutzinitiative das Netzwerk Grüne Arbeitswelt, das den gefährlich unterschätzten beruflichen Möglichkeiten rund um Klima- und Umweltschutz Gehör verschafft und die unterschiedlichsten Akteure einer „grünen“ Berufsorientierung mit einer Stimme sprechen lässt.

 

www.wila-arbeitsmarkt.de