Windboom treibt das Kreditgeschäft

Olaf Beyme, Leiter Origination Erneuerbare Energien (DACH) der NORD/LB, erklärt die Dynamik im Sektor regenerative Energie, steigende Nachfrage und den Ausbau von Speicherlösungen.

Olaf Beyme im Geschäftsbereich Structured Finance der NORD/LB
Olaf Beyme im Geschäftsbereich Structured Finance der NORD/LB
NORD/LB Beitrag

Herr Beyme, die NORD/LB hat im vergangenen Geschäftsjahr den Ertrag im Bereich Structured Finance von 343 Millionen im Vorjahr auf 376 Millionen Euro gesteigert – was sind die Gründe?

Der Geschäftsbereich Structured Finance umfasst insbesondere die Finanzierung im Segment der erneuerbaren Energien. Rund 85 Prozent des Geschäfts in Deutschland entfallen auf Windenergie – 2025 war dabei ein Rekordjahr für uns. Wir gehören seit Jahrzehnten zu den führenden Finanzierern im Bereich erneuerbarer Energien. Neben Windenergie geht es auch um Solarprojekte sowie zunehmend um Batteriespeicher. Insgesamt haben wir mehr als 1.100 Energieprojekte mit einer Gesamtkapazität von rund 108 Gigawatt begleitet.
 

Wie werden Windvorhaben finanziert?

Überwiegend als Projektfinanzierung. Im Fokus steht nicht die Bilanz eines Unternehmens, sondern die Qualität des einzelnen Vorhabens – also Technologie, Standort und Erlöse. In Deutschland sorgt das EEG für verlässliche Rahmenbedingungen mit langfristig gesicherten Einnahmen. Das schafft Planungssicherheit und erleichtert die Strukturierung erheblich. Gleichzeitig ermöglicht es, einen Großteil der Investitionen über Fremdkapital abzubilden. Wir setzen die Projekte so auf, dass Risiken beherrschbar und Renditen attraktiv bleiben.
 

Wie hoch ist die Nachfrage – und welche Rolle spielt die Windkraft dabei?

Wir erleben eine sehr starke Nachfrage. Seit rund 18 Monaten sehen wir einen deutlichen Zuwachs an genehmigten Vorhaben, die nun in die Umsetzung gehen. Die EEG-Ausschreibungen sind allerdings oft überzeichnet, was die Vergütungssätze sinken lässt und den Effizienzdruck erhöht. Gleichzeitig bleibt der Wettbewerb unter den Finanzierern intensiv. Die Windenergie an Land ist das Rückgrat der deutschen Energiewende.
 

Die NORD/LB zählt auch europaweit zu den führenden Finanzierern. Warum?

Das ist vor allem historisch gewachsen. Wir begleiten Windvorhaben seit den 1990er-Jahren. Diese Erfahrung verschafft uns einen starken Track Record. Zudem sind wir international gut aufgestellt, etwa mit einem wichtigen Standort in London, von dem aus wir viele europäische Märkte abdecken und Entwicklungen frühzeitig aufgreifen.
 

Welche Entwicklungen sehen Sie bei Batteriespeichern?

Batteriespeicher gewinnen rasant an Bedeutung. Mit dem steigenden Anteil erneuerbarer Energien wächst der Bedarf, Strom zu speichern und zeitlich zu verschieben. Doch die Strukturierung ist anspruchsvoller als bei Windprojekten, weil die Erlösmodelle weniger stabil und schwerer prognostizierbar sind – es braucht spezialisierte Anbieter.
 

Wie blicken Sie auf die kommenden Jahre?

Wir erwarten weiterhin eine dynamische Geschäftsentwicklung. Politische Diskussionen, etwa zur EEG-Reform oder zum Netzausbau, bringen zwar zusätzliche Unsicherheit. Gleichzeitig bleiben die Ausbauziele hoch. Entscheidend wird sein, dass die regulatorischen Rahmenbedingungen stabil und verlässlich bleiben. Und die gestiegene Komplexität erhöht den Bedarf an maßgeschneiderten Lösungen – hier liegt unsere Stärke.

nordlb.de
 

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