Versorgungssicherheit und Markt

Forum der Akteure

April 2026 Handelsblatt Energie der Zukunft

»Versorgungssicherheit markt- wirtschaftlich organisieren«

Robert Busch Geschäftsführer Bundesverband Neue Energiewirtschaft e.V.

Bisher war die Logik der Versorgungssicherheit einfach: Große fossile Kraftwerke deckten kontinuierlich die Stromnachfrage. In einem von Wind- und Solarenergie geprägtem Stromsystem stellt sich die Frage neu: Woher kommt der Strom während einer Dunkelflaute? Wie finanzieren sich die dafür nötigen Kapazitäten und welche sind es?

Eine Lösung sind flexible Kraftwerke. Doch wer baut die und wie verdient man damit das nötige Geld? Die Bundesregierung versucht das Problem über weitere Subventionen für neue Gaskraftwerke zu lösen. Doch solche Kapazitätssubventionen sind riskant: Sie erfordern staatliche Vorgaben zu Mengen und Technologien, verdrängen sich selbsttragende innovativere Lösungen und verursachen hohe Kosten in Form einer Umlage für alle. Laut bne könnten sich diese Umlagekosten bis 2050 auf bis zu 435 Milliarden Euro belaufen. Dem gegenüber steht ein marktwirtschaftlicher Ansatz, der bei der Absicherung der Stromnachfrage ansetzt. Stromlieferanten würden verpflichtet, ihre Lieferverpflichtungen langfristig abzusichern. So entsteht eine sich kontinuierlich fortsetzende verlässliche Nachfrage nach steuerbarer Leistung. Diese kann nicht nur von Kraftwerken, sondern auch Speichern oder indirekt von flexiblen Verbrauchern bereitgestellt werden. Das senkt Kosten, fördert Innovationen und ermöglicht ein flexibles Stromsystem – marktwirtschaftlich organisiert statt von oben vorgegeben.

Statt immer neuer Subventionstatbestände wäre es für die Regierung daher sinnvoller sich wieder stärker auf die Ludwig-Erhardschen Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft zu besinnen: klare Rahmenregeln für den Markt – und ansonsten technologieoffene Lösungen, die sich im Wettbewerb durchsetzen – statt staatlich vorgegeben und subventioniert zu werden.
bne-online.de
 

April 2026 Handelsblatt Energie der Zukunft

»Speicher steigern die Autarkie«

Jens Fischer Abteilungsleiter Energieeffizienz Bundesverband der Energie-Abnehmer e.V.

Ob das Einbinden in Gewerbe- und Industrieanlagen, das Kombinieren mit Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) oder als Ergänzung in intelligenten Energiemanagementsystemen – Energie-Speichertechnologien bieten besonders dem Mittelstand die Chance, die eigene Autarkie zu steigern. Beispielsweise speichern Unternehmen überschüssige erneuerbare Energie und können diese bei Bedarf automatisiert in ihre Prozesse einfließen lassen. Außerdem leisten Unternehmen mithilfe der Investition in diesem Bereich einen Beitrag zur eigenen verbesserten Netzregelung und Frequenzstabilisierung. Bei hoher Einspeisung stabilisieren sie die Stromnetze und die allgemeine Versorgungssicherheit profitiert. Außerdem gleichen die Speicherlösungen Schwankungen bei der selbst erzeugten Energie aus.

Technologien gibt es verschiedene und die Unternehmen sollten sich hinsichtlich ihrer individuellen Gegebenheiten beraten lassen. Unterschiede gibt es bei den Leistungsdaten und der Technik. Beispielsweise stehen Batteriespeicher, thermische Speicher oder Wasserstoffspeicher zur Wahl. Die Vorteile: Reduzieren Unternehmen Leistungsspitzen, sparen sie Energiekosten ein, entlasten das Netz und die Kosten für die Netznutzung sinken. Verwenden Unternehmen ergänzend eine intelligente Software, können sie die Preisunterschiede bei flexiblen Beschaffungsverträgen in Echtzeit ausnutzen.

Was für Investitionen spricht: Die Energiepreise bewegen sich seit 2019 deutlich volatiler als in der Vergangenheit und globale Krisen lassen Preise steigen. In der Politik stehen dynamische Netzentgelte zur Debatte. Genauso wie Netzentgelte für eingespeiste Strommengen. Hinzu kommen die voranschreitende Digitalisierung und sinkende Kosten für Speicher. Letzteres kommt daher, dass Produktionskapazitäten steigen und die Forschung neue Technologien hervorbringt.
vea.de
 

April 2026 Handelsblatt Energie der Zukunft

»Großspeicherprojekte brauchen Planungssicherheit«

Urban Windelen Geschäftsführer des Bundesverband Energiespeicher Systeme e.V.

Die Transformation unseres Energiesystems hin zu Resilienz und Versorgungssicherheit erfordert einen massiven Ausbau von Energiespeichern. Speicher stabilisieren die Netze, vermeiden kostenintensive Eingriffe wie Redispatch und reduzieren Preisspitzen im Strommarkt. Bereits heute senken sie so die Systemkosten um mehrere Milliarden Euro jährlich.

Unternehmen nutzen Speicher, um sich gegen volatile Energiepreise abzusichern, ihre Eigenversorgung zu optimieren, Wärme zu elektrifizieren und Elektromobilität zu integrieren. Sie schaffen damit verlässliche Rahmenbedingungen für ihre Produktion. Die 2011 beschlossene Netzentgeltbefreiung für 20 Jahre ab Inbetriebnahme hat entscheidend dazu beigetragen, dass sich hierfür tragfähige Geschäftsmodelle entwickeln und Investitionen in Milliardenhöhe realisiert werden konnten.

Eingriffe in diese Regelung – insbesondere nachträgliche Änderungen – untergraben das Vertrauen der Investoren in den Standort Deutschland. Gerade kapitalintensive Großspeicherprojekte sind auf langfristige Planungssicherheit angewiesen. Nur so kann der wachsende Flexibilitätsbedarf im Energiesystem im notwendigen Umfang durch privatwirtschaftliche Investitionen und ohne Förderung gedeckt werden.

Vertrauensschutz ist daher kein Detail, sondern ein zentrales Fundament für den weiteren Markthochlauf. Der Bundesverband Energiespeicher steht für einen konstruktiven Dialog mit der Bundesnetzagentur und begleitet Reformprozesse eng. Ziel ist ein langfristig tragfähiges Marktdesign. Bestehende Zusagen müssen verlässlich gesichert und langfristige Perspektiven geschaffen werden. Das Energiesystem der Zukunft braucht mehr Speicher – nicht weniger. Hürden für ihre Integration müssen beseitigt, nicht erhöht werden.
bves.de