»Keine Energiewende ohne Wärmewende!«

Juni 2016 | Wirtschaftswoche | Zukunft Energie
Energie ist Zukunft
Die Redaktion befragt Akteure zu den Herausforderungen der Energiewende.
Juni 2016 | Wirtschaftswoche | Zukunft Energie

»Keine Energiewende ohne Wärmewende!«

Andreas Lücke / Hauptgeschäftsführer Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie BDH

Seit Jahren belegen die Marktdaten des BDH: Die Wärmewende kommt nicht voran. Nur ein knappes Drittel der 20,7 Millionen deutschen Heizungsanlagen entspricht dem Stand der Technik. Würde der veraltete Bestand durchmodernisiert, könnten 15 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs eingespart werden.  Woran also scheitert die Wärmewende? Vor allem ist das Modernisierungstempo viel zu langsam: 33 Jahre würde es dauern, bis bei der derzeitigen Sanierungsquote alle veralteten Gasheizungen ausgetauscht sind. 90 Jahre sind es bei den veralteten Ölheizungen. Was also brauchen wir, damit die Wärmewende endlich anspringt? Zunächst sind das technologieoffene, stabile, an langfristigen Zielen orientierte, abgestimmte und bundesweit einheitliche Rahmenbedingungen. Anders als die Stromwende hat die Wärmewende kein Innovationsproblem. Moderne Heizungssysteme nutzen fossile Energieträger hocheffizient und koppeln erneuerbare Energien ein. Diese Doppelstrategie ist der Schlüssel für die Wärmewende!  

www.bdh-koeln.de

Juni 2016 | Wirtschaftswoche | Zukunft Energie

»Vorfahrt für Energieeffizienz!«

Christian Noll / Geschäftsführender Vorstand Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V.

Zu lange wurde die Energiewende als „dasselbe in Grün“, der Ersatz konventioneller Energien durch regenerative gedacht und diskutiert. Dabei ist die Halbierung des Energieverbrauchs Grundvoraussetzung für einen bezahlbaren Umbau der Versorgung. 

 

Denn mit dem Bedarf an Energie sinkt auch der Bedarf für Brennstoffimporte, Kraftwerke, Netze, Pipelines, Speicher und damit die Kosten für alle. Energieeffizienz wird damit zur wichtigsten Energieressource und sollte auch politisch so gehandelt werden. Brüssel hat „Energy Efficiency First!“ bereits zum Leitmotto der Energieunion erklärt. In Deutschland soll ein Grünbuch Energieeffizienz den Paradigmenwechsel einleiten. 

 

Mit der Kampagne „Deutschland macht’s effizient“ und vielen neuen Förderprogrammen hat die Bundesregierung schon den Startschuss für die erste Etappe gegeben. Jetzt heißt es für Unternehmen und Verbraucher durchstarten mit Energieeffizienz.

 

www.deneff.org

Juni 2016 | Wirtschaftswoche | Zukunft Energie

»Das Energiesystem braucht Innovation!«

Dr. Bernhard Rohleder / Hauptgeschäftsführer Digitalverband Bitkom

Bei Windrädern und Solaranlagen ist Deutschland jetzt schon weltweit in der Spitzengruppe. Was für eine erfolgreiche Energiewende jedoch noch fehlt, sind digitale Innovationen bei den Netzen und den Verbrauchern, geschäftlich wie privat. Neben dem Aufbau einer hochsicheren digitalen Kommunikationsinfrastruktur braucht es dazu vor allem eines: den Abbau von übertriebenen Regularien. Das Internet bringt deshalb so viele Innovationen hervor, weil jeder unmittelbar Ideen ausprobieren kann. Ganz anders im Energiesystem. Selbst relativ simple Ansätze wie Mieterstrom vom eigenen Dach sind nur unter gigantischen Anstrengungen realisierbar. Doch Start-ups haben in aller Regel nicht das Geld oder die Zeit, um diesen Aufwand zu betreiben. Dieses Problem muss der Gesetzgeber jetzt angehen, das heißt: Er muss das Energiesystem regulatorisch verschlanken und damit für die Digitalisierung öffnen. Dann folgen auch die Innovationen, die Strom aus Wind und Sonne weltweit zum Durchbruch verhelfen.

www.bitkom.org