»Nachhaltigkeit bestimmt die Zukunft des Wohnens.«

März 2015 | Die Welt | Wohnen der Zukunft
Leben und Wohnen
Welche Faktoren werden das Wohnen der Zukunft prägen?
März 2015 | Die Welt | Wohnen der Zukunft

»Smarte Assistenten übernehmen lästige Routineaufgaben.«

Günther Ohland / Erster Vorsitzender der SmartHome Initiative Deutschland e.V. Berlin

Bei Neubau und Sanierung haben Bauherr und Planer alle Freiheiten, das elektrische Kabelnetzwerk zukunftssicher zu gestalten. Die geringe Investition in  eine SmartHome Basis-Infrastruktur zahlt sich schnell aus.   

In naher Zukunft werden – noch mehr als jetzt schon – elektrische Geräte vernetzt sein. Dadurch vereinfacht sich die Benutzung der Geräte, günstiger Solar- und Windstrom lässt sich gezielt nutzen und unnötige Stromverbräuche vermeiden. Das selbstbestimmte Leben im Alter in der gewohnten Wohnumgebung ist einfacher, wenn smarte Assistenten lästige Routineaufgaben übernehmen. Schon aktuelle TV-Geräte, Blue-Ray-Player, PCs, Soundsysteme und Fitnessgeräte können vernetzt erst ihre Möglichkeiten voll ausspielen. Dem muss die Gebäude-Infrastruktur Rechnung tragen. 

Die DIN EN 50173 Teil 4 (Wohngebäude) schreibt eine „anwendungsneutrale, sternförmige Telekommunikations-Verkabelung“ in jeder Wohnung vor. Hinter diesem Begriff versteckt sich die Installation eines lokalen Netzwerks (LAN) mit einem zentralen Punkt, an dem der Internet-Router angeschlossen wird und LAN-Anschlussdosen in jedem Raum. Dieses Netz schafft nicht nur eine schnelle und sichere Übertragung der Daten aus dem und in das Internet, es vermeidet auch die übermäßige Nutzung von Wireless LAN. Gerade in Gebäuden mit mehreren Wohneinheiten und konkurrierendem WLAN fehlt es oft an genügend Bandbreite, um beispielsweise HD-TV störungsfrei zu genießen. Zudem ist es eine Voraussetzung, um später problemlos smarte Gebäudetechnik nachzurüsten.

Sensoren für beispielsweise Temperatur, Licht, Luftgüte und nicht verschlossene Fenster gibt es von verschiedenen Herstellern nachrüstbar auf Funkbasis. Doch es soll ja auch etwas elektrisch gesteuert werden. Darum empfiehlt es sich, Rollläden grundsätzlich elektrisch auszuführen oder zumindest eine Stromleitung zum Rollokasten zu verlegen. Und auch zur Wohnungstür sollte ein Strom- und ein LAN-Netzwerkkabel gelegt werden. So vorbereitet ist auch später in einer Wohnung oder im Eigenheim mit einem überschaubaren Aufwand fast alles möglich.

 

www.smarthome-deutschland.de

März 2015 | Die Welt | Wohnen der Zukunft

»Nachhaltigkeit bestimmt die Zukunft des Wohnens.«

Christine Lemaitre / Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen DGNB

Von der Ausnahme zur Regel: Diesen Weg hat das Nachhaltige Bauen in Deutschland in wenigen Jahren erfolgreich beschritten. Seit die DGNB 2007 von 16 Pionieren der deutschen Bau- und Immobilienwirtschaft gegründet wurde, hat sich vieles bewegt. Immer mehr Architekten, Planer und Bauherren setzen sich in ihren Projekten proaktiv mit den ökologischen, ökonomischen und sozio-kulturellen Herausforderungen auseinander. So finden sich in den Ballungszentren der Republik unter den Büroneubauten kaum noch Objekte, die nicht unter Berücksichtigung der von Nachhaltigkeitsaspekten geplant und umgesetzt wurden.

Auch im Wohnungsbau geben die Prinzipien des Nachhaltigen Bauens immer mehr die Richtung vor. In den Fokus rücken die Umwelt, der Mensch und sein Portemonnaie. Statt sich für die verlockende Alternative „schnell und billig“ zu entscheiden, geht der Blick weiter. Das passende Stichwort heißt Lebenszyklus. Dabei geht es um Wohnkomfort, Ressourcenschonung, finanzielle Planbarkeit und Wertsicherung zugleich.

Das klassische Beispiel ist die Energieeffizienz: Es ist keine Neuigkeit, dass sich mit den Möglichkeiten moderner Technik der Energieverbrauch drastisch reduzieren lässt. Dabei geht es nicht darum, jede technische Spielerei in der Wohnung zu verbauen, sondern um eine einfache wie sinnvolle Kostenrechnung, die über die nächsten zwei Jahre hinausgeht. Gefragt sind Materialien und Produkte, die eine lange Lebensdauer haben, einfach zu warten und gesundheitlich unbedenklich sind. 

Genauso wichtig im Sinne der Nachhaltigkeit ist die Flexibilität einer Wohnung. Aus dem Paar wird eine Familie, irgendwann ziehen die Kinder aus und im Alter stellen sich wiederum neue Anforderungen. Kombiniert mit dem demografischen Wandel heißt das für den Wohnungsbau: Barrierefreiheit wird selbstverständlich, die Umnutzungsfähigkeit des Gebäudes zum Imperativ. In diesem Sinne bestimmt Nachhaltigkeit die Zukunft des Wohnens. Unsere Art zu Wohnen wird bewusster, ohne auf Komfort verzichten zu müssen – ein Wohnen geprägt vom Weiterdenken und Weiterhandeln.

 

www.dgnb.de

März 2015 | Die Welt | Wohnen der Zukunft

»Energieversorger müssen neuen Geschäftsmodelle entwickeln.«

Hildegard Müller / Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung

Das Leben und Wohnen der Menschen wird sich in Zukunft erheblich verändern. Wenn zum Beispiel die Entwicklungen beim Smart Home erfolgreich weiter geführt werden, könnte die Steuerung von Häusern und Wohnungen zukünftig über eine Software geleistet werden, die Wohn- und Lebensgewohnheiten der Menschen berücksichtigt und den Energieverbrauch anpasst. Intelligentes Wohnen bedeutet dann, dass sämtliche Geräte – zum Beispiel Heizung, Beleuchtung, Haushaltsgeräte, Belüftung und Sicherheitstechnik – vernetzt sind und miteinander kommunizieren. Dadurch können Systeme entstehen, die sehr ökonomisch arbeiten und den individuellen Bedürfnissen der Menschen entgegenkommen.

Auch im Bereich Mobilität wird es rasante Entwicklungen geben. Es gibt Experten, die davon ausgehen, dass im Jahr 2040 jedes zweite verkaufte Auto ein Elektroauto ist. Das würde sich auf den Energieverbrauch insgesamt auswirken, was wiederum dem Thema Energieeffizienz einen wesentlich höheren Stellenwert verleiht. 

Zukünftig wird der bewusste Umgang mit Energie das Wohnen prägen. Für die Energieversorger bedeutet das, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, die beispielsweise auf einem umfassenden Datenmanagement aufsetzen. Vor allem der IT-Bereich wird dabei eine stärkere Rolle einnehmen. Dabei wird es wichtig sein, dass Innovationen und neue Technologien gefördert werden und das komplexe System der Energieversorgung schon heute weitergedacht wird.

Vor diesem Hintergrund führen wir derzeit mit verschiedenen Partnern eine breit angelegte Zukunftsstudie durch. Dazu sammeln und bewerten wir kreative, auch internationale Ansätze, die ein Bild der Energiewelt im Jahr 2040 zeichnen. Wir sprechen weltweit mit Städtebauern, Architekten, Philosophen und vielen mehr. Denn ich bin überzeugt, dass wir sämtliche Lebens- und Wirtschaftsbereiche stärker miteinander vernetzen und gemeinsam die Phantasie beflügeln müssen, um einen neuen Zugang zu den Herausforderungen der Energiewende und weiteren Bereichen zu gewinnen.

 

www.bdew.de