Vorrang für die Gesundheit!

Forum der Akteure

März 2024 Die Zeit Zukunft Medizin

»Medizintechnik-Standort Deutschland stärken«

Dr. Marc-Pierre Möll Geschäftsführer & Vorstandsmitglied BVMed – Bundesverband Medizintechnologie

Lieferengpässe bei Arzneimitteln und Medizinprodukten sind ein großes Thema. Die Ursache neben den durch die Krisen gestörten Lieferketten: In den letzten Jahrzehnten wurde ein großer Teil der Produktion nach Asien verlagert. Zudem droht Europa als Forschungsstandort zurückzufallen. Auslöser ist die EU-Medizinprodukte-Verordnung, kurz MDR. Um die Potenziale der Medizintechnik auch in Zukunft zu nutzen, müssen wir die MDR strategisch weiterentwickeln und mit wirtschaftspolitischen Maßnahmen den Forschungs- und Produktionsstandort Deutschland stärken.

Die überbürokratische EU-Verordnung MDR zeigt bereits jetzt drastische Auswirkungen. Produkte werden vom Markt genommen. Innovationen stecken aufgrund der MDR-Bürokratie in der Warteschleife und drohen auszuwandern.

Was muss jetzt getan werden? Wir brauchen mehr Pragmatismus und Tempo auf europäischer Ebene. Ebenso wichtig ist es aber, Innovationshürden auf nationaler Ebene zu beseitigen, damit Unternehmen wieder verstärkt in Deutschland investieren. Der zeitnahe Zugang von medizintechnologischen Therapien in die Versorgung ist dafür essenziell. Wir müssen die MDR strategisch weiterentwickeln, schneller und effizienter werden, damit Europa wieder gegenüber den USA konkurrenzfähig ist. Wir müssen die Rahmenbedingungen für die klinische Forschung in Deutschland stärken, Produktionskapazitäten in Deutschland halten und ausbauen sowie Fast-Track-Verfahren für medizintechnische Innovationen etablieren. Wir müssen die Nutzung von Gesundheitsdaten für forschende Unternehmen verbessern und die digitale Gesundheitsversorgung zielgerichtet voranbringen. Innovationen in der Medizintechnik bieten dann ein großes Potenzial für die Gesundheitsversorgung der Zukunft und zugleich große wirtschaftliche Chancen für Unternehmen in Deutschland.

www.bvmed.de

März 2024 Die Zeit Zukunft Medizin

»Homeoffice: mit kleinen Tricks den Rücken fit halten!«

Kerstin Meier-Detjen Mitglied im Direktorium Aktion Gesunder Rücken

Das Homeoffice ist aus unserer Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Das Arbeiten von Zuhause bietet viel Flexibilität und Komfort, jedoch wurde in den letzten Jahren auch sichtbar, dass die Arbeitsbedingungen in der eigenen Wohnung oft schlechter sind als im Büro. Hinzu kommt, dass durch den fehlenden Arbeitsweg auch Bewegungsmöglichkeiten entfallen. Die Folgen: Verspannungen und Rückenschmerzen, die zu langwierigen Problemen führen können. Noch immer verursachen Muskel- und Skelettbeschwerden die meisten Arbeitsunfähigkeitstage!

Ein häufiges Problem im Homeoffice ist das gekrümmte Arbeiten am Küchentisch. Um den Körper zu entlasten, sollte der Laptop erhöht positioniert werden, getrennt von Tastatur und Maus. Dies geht mit einem Laptopständer oder ganz einfach mit einem Bücherstapel.

Weitere Tipps: Der Schreibtisch sollte großflächig und gleichmäßig ausgeleuchtet sein. Platzieren Sie Ihren Bildschirm außerdem so, dass er sich seitlich zum Fenster befindet. So können Sie Dokumente gut lesen, müssen die Augen nicht zu sehr anstrengen und beugen sich nicht nach vorn

Wechseln Sie möglichst häufig Ihre Position. Nehmen Sie sich zum Beispiel gezielt vor, im Stehen oder Gehen zu telefonieren und stellen Sie bestimmte Gegenstände an einen Platz, den Sie im Sitzen nicht erreichen können.

Stellen Sie sich Ihren Bürostuhl richtig ein. Worauf Sie dabei achten sollten, erfahren Sie auf unserer Internetseite: www.agr-ev.de/buerotipps.  Und: Pausen machen! Auch im Homeoffice tut es gut, sich mal einen Kaffee zu holen, aufzustehen, sich zu strecken oder zu dehnen.

Ebenso entscheidend wie Sitzpausen und Bewegung sind die richtigen Sitzmöbel. Als Orientierungshilfe zeichnet die Aktion Gesunder Rücken besonders ergonomische Lösungen mit dem Gütesiegel „Geprüft & Empfohlen“ aus.

www.agr-ev.de
 

März 2024 Die Zeit Zukunft Medizin

»Wir brauchen einen Transformationsfonds«

Dr. Gerald Gaß Vorstandsvorsitzender der Geschäftsführung Deutsche Krankenhausgesellschaft

Die stationäre Versorgung muss reformiert werden. Diese Reformbereitschaft haben sowohl die Deutsche Krankenhausgesellschaft als auch die Krankenhäuser selbst. An vielen Stellen können die Kliniken ihre hohen Potentiale aus hervorragenden Fachkräften, modernster Technik und hohem medizinischen Niveau nicht voll ausschöpfen. Für Patientinnen und Patienten genauso spürbar wie unverständlich sind etwa die Sektorengrenzen. Krankenhäusern ist es nur in Ausnahmen gestattet, ambulant zu versorgen. Hier und bei der Frage, wie stationäre Behandlungen ambulant vorgenommen werden können, gibt es großen Reformbedarf. Gleiches gilt für die Strukturdebatte. Bestmögliche Spezialisierung und flächendeckende Versorgung müssen in Einklang gebracht werden.

Schon 2023 sollte das Jahr der Krankenhausreform werden. Doch auch 2024 ist noch unklar, was tatsächlich kommt. Nicht nur fehlen konkrete Reformschritte, auch die Finanzierung von Reform und Umbau der Krankenhauslandschaft war bislang kaum ein Thema. Denn dass eine große Krankenhausreform nicht zum Nulltarif zu haben ist, ist klar. Unseren Vorschlag, ein Transformationsfonds von 50 Milliarden Euro über 10 Jahre von Bund und Ländern, hat mittlerweile auch der Minister aufgenommen, mit dem Fehler, dass der Teil des Bundes alleine aus dem Gesundheitsfonds kommen soll.

Im Mittelpunkt aller Reformen muss aber der Grundsatz der gleichwertigen Lebensbedingungen in Stadt und Land und der hochwertigen umfassenden Versorgung stehen. Hier bewegt sich die Gesundheitspolitik leider in die falsche Richtung. Strukturen dürfen nicht auf Basis wirtschaftlicher Schieflagen unkontrolliert reformiert werden. Der kalte Strukturwandel vernichtet stationäre Versorgung dort, wo es immer weniger Arztpraxen gibt und Krankenhäuser mehr und mehr deren Aufgaben übernehmen müssen. Es droht unter einem sozialdemokratischen Gesundheitsminister der Rückfall in Zeiten, in denen es in Metropolen die hervorragende Versorgung gab, während die Menschen auf dem Land um diese bangen mussten.

www.dkgev.de