Für eine bessere Medizin

Forum der Akteure

Oktober 2026 Die Zeit Zukunft Medizin

»Medizinischer Fortschritt lebt vom Mitmachen«

Dr. Jens Peters Leiter Klinische Forschung Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie

Wir brauchen neue Medikamente, weil viele Krankheiten noch nicht gut zu therapieren sind, Bakterien gegen Antibiotika resistent werden können und es für viele seltene Leiden keine wirksame Therapie gibt. Auch bewährte Arzneimittel helfen nicht jedem gleich gut oder verursachen belastende Nebenwirkungen.

Kein Medikament, Impfstoff oder keine Therapie sollte eingesetzt werden, nur weil eine Idee im Labor überzeugend klingt. Erst klinische Forschung zeigt, ob eine Behandlung wirkt, welche Risiken sie hat und wem sie hilft. Sie ist die Brücke zwischen Labor und medizinischer Versorgung. Sie sucht Antworten: Was hilft, wenn Behandlungen versagen? Wie wird eine Therapie verträglicher? Welche Behandlung passt zu welchem Menschen?

Klinische Forschung prüft neue Wirkstoffe, Kombinationen und Anwendungen bekannter Medikamente und Medizinprodukte. Sie trägt dazu bei, Krankheiten früher zu erkennen und Therapien auf den einzelnen Patienten zuzuschneiden. Was heute selbstverständlich erscheint – von Impfungen bis zu modernen Krebstherapien –, war Gegenstand einer klinischen Studie.

Wer teilnimmt, ist kein „Versuchskaninchen“. Klinische Studien folgen strengen ethischen und gesetzlichen Regeln; Gesetze schreiben den Schutz der Teilnehmer vor. Vor einer Teilnahme erläutert der Arzt Ziel, Ablauf, Vorteile, Risiken und Behandlungsalternativen. Die Einwilligung ist freiwillig und kann jederzeit ohne Nachteile zurückgezogen werden.

Die Teilnahme kann Zugang zu neuen Diagnosemöglichkeiten oder Arzneimitteln eröffnen. Vor allem macht sie Fortschritt möglich: Teilnehmer helfen, Krankheiten besser zu verstehen und Medikamente wirksamer und sicherer zu machen.
bpi.de
 

Oktober 2026 Die Zeit Zukunft Medizin

»Warum die Gesundheitsversorgung jetzt digitaler werden muss«

Sascha Raddatz Geschäftsführer Bundesverband Gesundheits-IT

Wer heute krank ist, erlebt oft noch eine Gesundheitsversorgung aus vielen einzelnen Stationen: Hausarzt, Facharzt, Krankenhaus, Apotheke oder Pflege. Jede Station hat wichtige Informationen – aber nicht immer sind sie dort verfügbar, wo sie gerade gebraucht werden. Patient:innen müssen Befunde mitbringen, Fragen mehrfach beantworten und darauf hoffen, dass die richtigen Informationen zur richtigen Zeit vorliegen.

Dabei hat Deutschland längst viele Bausteine für eine moderne Gesundheitsversorgung geschaffen. Die elektronische Patientenakte, die Telematikinfrastruktur, Künstliche Intelligenz und neue Möglichkeiten zur Nutzung von Gesundheitsdaten können Behandlung besser, schneller und sicherer machen. Auch Europa schafft mit dem European Health Data Space neue Perspektiven für den Austausch und die Nutzung von Gesundheitsdaten.

Jetzt kommt es darauf an, daraus ein funktionierendes Gesamtsystem zu machen. Ärzt:innen, Pflegekräfte und andere Gesundheitsberufe brauchen verlässliche Informationen, die verständlich und sicher verfügbar sind. Dafür braucht es klare und verlässliche Regeln. Systeme müssen miteinander sprechen können, digitale Infrastruktur muss stabil und sicher funktionieren. Gleichzeitig darf Regulierung Innovation nicht ausbremsen. Unternehmen brauchen einen verlässlichen Rahmen, um in neue Technologien und Lösungen zu investieren und diese dauerhaft in die Versorgung zu bringen.

Der Maßstab für die digitale Gesundheitsversorgung ist deshalb nicht, wie viele neue Technologien wir entwickeln. Entscheidend ist, ob sie den Menschen helfen: bei einer schnelleren Diagnose, einer besseren Behandlung, weniger Bürokratie und mehr Zeit für das, worauf es im Gesundheitswesen ankommt – gute Versorgung.

Der nächste Schritt ist kein weiteres digitales Einzelprojekt. Es geht darum, aus vielen guten Bausteinen ein System zu machen, das im Alltag funktioniert.
bvitg.de
 

Oktober 2026 Die Zeit Zukunft Medizin

»Mit Daten zur smarten medizinischen Versorgung«

Dr. Marc-Pierre Möll Geschäftsführer Bundesverband Medizintechnologie

Daten sind das neue Gold. Eine gute Datennutzung und konsequente Digitalisierung der Prozesse sind auch im Gesundheitssystem der Schlüssel zu einer smarten und effizienten medizinischen Versorgung der Menschen.

Die Nutzung der Daten kann dabei sehr verschieden gestaltet sein. Beispiele sind die Steuerung von Patientenpfaden anhand von aktuellen Daten, das permanente Monitoring des Gesundheitszustandes durch Sensoren oder Messgeräte, das situationsbezogene Management anhand von Alarmen oder die Nutzung von Daten für die Weiterentwicklung von Produkten und Services oder die Erstellung von digitale Zwillingen.

Wichtig ist, dass die erforderlichen Daten in der Versorgung zur richtigen Zeit und am richtigen Ort verfügbar sind, ein nutzbares Format haben oder über eine Schnittstelle genutzt werden können und die Rahmenbedingungen für die Datennutzung klar sind.

Moderne Medizintechnik liefert dann genau das, was eine smarte Gesundheitsversorgung braucht: Kontinuierlich verfügbare Daten, intelligente Vernetzung und KI-gestützte Lösungen, die neue Versorgungswege ermöglichen. 

Was muss getan werden? Wir müssen Daten besser verfügbar machen. Wir müssen internationale Standards für Datenformate verwenden. Wir müssen digitale Versorgung besser etablieren. Wir müssen digitale Versorgungspfade umsetzen. Damit eine solche smarte Versorgung gelingt, müssen auch digitale und datengetriebene Medizinprodukte frühzeitig mitgedacht und aktiv eingebunden werden. Zudem müssen telemedizinische Lösungen wie das Telemonitoring stärker genutzt werden. 

Klar ist: Smarte Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Vernetzung und KI. Die Zukunft der Versorgung ist möglich – jetzt muss das System folgen.
bvmed.de