Gesundheitssystem stärken!

Forum der Akteure

April 2026 Die Zeit Zukunft Medizin

»MedTech bietet Lösungen!«

Dr. Marc-Pierre Möll Geschäftsführer Bundesverband Medizintechnologie

Das deutsche Gesundheitssystem steht vor enormen Herausforderungen. Die Menschen werden Dank des medizinischen Fortschritts immer älter – und mit dem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für Multimorbidität. Dem wachsenden Bedarf an Gesundheitsleistungen steht eine immer kleinere Zahl an medizinischen Fachkräften gegenüber.

Die politischen Ziele einer längeren Lebensarbeitszeit bei geringem Krankenstand erfordern eine gezielte Investition in die Gesundheitsversorgung und in moderne medizintechnische und digitale Lösungen. Die dynamische und innovative Medizintechnik-Branche hat Antworten auf die drängenden Herausforderungen: Digitale Lösungen wie KI-gestützte Ersteinschätzungen, telemedizinische Anwendungen oder Telemonitoring von Patient:innen mit Daten sendenden Sensoren oder Implantaten steigern Effizienz und Versorgungsqualität. Minimalinvasive Operationstechniken und robotische Assistenzsysteme ermöglichen präzisere Eingriffe, schnellere Heilung und damit kürzere Krankenhausaufenthalte. Innovative diagnostische Verfahren sorgen dafür, dass wir Erkrankungen früher erkennen, besser behandeln oder sogar durch präventive Maßnahmen vermeiden können. Medizinische Hilfsmittel und Ernährungstherapien stärken die Versorgung zu Hause. Homecare-Anbieter unterstützen mit spezialisierten Pflegekräften den mit Abstand größten Pflegedienst Deutschlands: die pflegenden Angehörigen. 

Die Beispiele zeigen: MedTech ist kein Kostenfaktor (TRG), sondern ein zentraler Teil der Lösung. Investitionen in medizintechnische Lösungen zahlen sich aus – medizinisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich. Wichtig ist, dass wir einen stärkeren Fokus auf die Qualität der Versorgung setzen. Patientensicherheit und Ergebnisqualität müssen im Vordergrund stehen. Wir müssen hier die richtigen Ansätze für Innovationen setzen und einen schnelleren Marktzugang ermöglichen.
bvmed.de
 

April 2026 Die Zeit Zukunft Medizin

»Nachhaltige Finanzstabilität nur durch Prävention«

Dr. Gerald Gaß Vorstandsvorsitzender Deutsche Krankenhausgesellschaft

Seit Monaten diskutiert die deutsche Politik über Einsparungen im Gesundheitssystem. Das Ergebnis ist mager, im Wesentlichen geht es um Leistungskürzungen. Ein falscher Weg, denn wir können zurecht auf unsere flächendeckende Gesundheitsversorgung mit einem breiten Leistungskatalog und einem grundsätzlich guten Zugang für die Versicherten stolz sein. Hohe Krankenkassenbeiträge, lange Wartezeiten und vor allem im ambulanten Bereich wegbrechende Versorgung zeigen: An Reformen führt kein Weg vorbei. Behandlungen dürfen gar nicht erst nötig werden, Krankheiten müssen wo immer möglich vermieden werden. Prävention wird der Schlüssel aller Reformen sein.

Die deutschen Kennzahlen rufen nach Veränderung: Bei uns wird überdurchschnittlich viel Alkohol konsumiert und geraucht. Verschiedene Statistiken deuten zudem auf rekordnahen Zuckerkonsum hin, und Deutsche nutzen viel häufiger als andere das Auto statt bewegungsintensiverer Mobilitätsformen. Das alles lässt das Risiko für Erkrankungen steigen. Dabei gibt es Steuerungsmittel: In vielen Ländern hat die Zuckersteuer die Menge an Zucker vor allem in den besonders schädlichen Softdrinks reduziert. Beim Tabakkonsum fällt Deutschland durch ausgeprägte gesellschaftliche Akzeptanz, Verfügbarkeit und kaum vorhandene bzw. durchgesetzte Rauchverbote auf. Besonders verheerend ist der Alkoholkonsum. Nirgendwo in West- und Nordeuropa ist Alkohol so billig und verfügbar wie in Deutschland. Und nicht zuletzt ist die Auto-verursachte Bewegungslosigkeit kein Ergebnis chronischer Faulheit, sondern Folge mangelnder Alternativen auf Schienen oder zwei Rädern. Wie es besser geht, zeigen fast alle unsere Nachbarländer. 

Leistungskürzungen sind kein Mittel nachhaltiger Reformen. Die Politik muss jetzt konkret damit beginnen, Krankenhäuser und Praxen zu entlasten – indem Krankheiten gar nicht erst entstehen. 
dgfp.de
 

April 2026 Die Zeit Zukunft Medizin

»KI jetzt – oder nie«

Jens Schneider Gründungsvorstand DGKIMED

Deutschland diskutiert Künstliche Intelligenz in der Medizin. Noch. Denn während wir diskutieren, verschärft sich die Lage auf dramatische Weise: weniger Fachkräfte, mehr Patienten, stagnierende Budgets. Der demografische Druck macht KI nicht zur Option, sondern zur Pflicht. Die Instrumente der vergangenen Jahre – mehr Kontrolle, mehr Dokumentationspflichten, mehr Druck – haben die Produktivität nicht erhöht, sondern die Teams zusätzlich belastet.

Wer die Versorgungsqualität halten will, muss KI verantwortungsvoll in die Routine bringen. Das ist keine Technologiefrage – es ist eine ethische. Doch in den meisten Häusern bleibt Künstliche Intelligenz ein Leuchtturmprojekt: beeindruckend, vereinzelt, wirkungslos in der Fläche. Das muss sich ändern. KI gehört in die Grundarchitektur des Krankenhauses – so selbstverständlich wie Strom, Radiologie oder Hygiene. Nicht als Pilot, sondern als Infrastruktur. Das verlangt Führung statt Leuchtturm: klare Verantwortlichkeiten mit Mandat, Kennzahlen und Governance.

Dafür braucht es wiederum drei Dinge: erstens eine Finanzierung, die Betrieb und Weiterentwicklung dauerhaft trägt – nicht von Förderzyklen abhängig, sondern strukturell verankert, etwa über einen nutzengebundenen Zuschlag. Zweitens einen gemeinsamen Qualitätsmaßstab, der Beschaffung verlässlich macht und Vertrauen schafft – bei Patientinnen und Patienten, Teams und Aufsichtsgremien gleichermaßen. Drittens klare Verantwortlichkeiten in jeder Trägereinheit: KI ist eine Transformationsaufgabe, keine IT-Aufgabe.

Jede Minute, die Ärztinnen und Ärzte weniger dokumentieren, ist eine Minute mehr Versorgung. Das ist keine Vision – das ist erreichbar. Jetzt.
dg-kim.de