Wie KI die Arbeit verändert

Forum der Akteure

Oktober 2026 Die Zeit Arbeitswelt der Zukunft

»KI verändert die Bewertung von Leistung«

Annika Sasse-Röth Leiterin Marketing & Öffentlichkeitsarbeit Deutsche Gesellschaft für Personalführung

Künstliche Intelligenz verändert gerade eine Logik, an die wir uns über Jahrzehnte gewöhnt haben: Leistung und Zeit hängen (nicht mehr) zwangsläufig zusammen. Wenn eine Aufgabe mit KI in einer Stunde erledigt werden kann, für die früher ein Arbeitstag notwendig war, sagt der Zeitaufwand immer weniger über die tatsächliche Leistung aus.

Damit stellt sich die Frage, woran Unternehmen Leistung künftig messen: an Arbeitszeit, Output, Qualität – oder an tatsächlicher Wirkung? KI verändert Erwartungen an Qualität, Geschwindigkeit und Wertschöpfung und damit auch Vergütung, Wertbeiträge und Anreizsysteme. 

Eine mögliche Antwort darauf liefert die Idee einer positiven Leistungskultur des DGFP-Think-Tank: Leistung ist kein Selbstzweck. Entscheidend ist, welchen Beitrag Arbeit zum gemeinsamen Ergebnis leistet. Nicht Anwesenheit oder sichtbare Geschäftigkeit sollten im Mittelpunkt stehen, sondern Wirkung. Gute Arbeit zeigt sich daran, was bewegt wurde – nicht daran, wie beschäftigt jemand war.

KI verschärft diese Notwendigkeit. Je stärker Technologie einzelne Arbeitsschritte übernimmt oder beschleunigt, desto weniger sinnvoll ist es, Leistung allein über zeitlichen Aufwand zu beurteilen. Unternehmen brauchen deshalb klarere Zielbilder: Was soll tatsächlich anders oder besser sein, wenn wir erfolgreich sind? Teams sollten weniger berichten, was sie getan, sondern was sie bewirkt haben. 

Vielleicht liegt genau darin eine der Chancen von KI: In einer KI-geprägten Arbeitswelt zählt immer weniger, wie viel Arbeit sichtbar ist – und immer mehr, welche Wirkung sie entfaltet. 

Mehr dazu in den Impulspapieren des DGFP-Think-Tanks „HRM der Zukunft“ zu „Positiver Leistungskultur“ und zur „neuen Rolle von HR in einer KI-geprägten Arbeitswelt“.
dgfp.de

Oktober 2026 Die Zeit Arbeitswelt der Zukunft

»Wer KI gestaltet, gestaltet die Arbeit«

Prof. Dr. Vanessa Just Prof. Dr. Vanessa Just Mitglied der Geschäftsführung KI Bundesverband

Deutschland steht vor einem Paradox: Uns fehlen Fachkräfte, und gleichzeitig nutzen wir die Technologie, die diese Lücke schließen könnte, viel zu zögerlich. Künstliche Intelligenz ist längst mehr als ein Effizienzwerkzeug. Sie verändert, wie wir arbeiten, entscheiden und Neues schaffen.

KI-Assistenten übernehmen Recherche, Dokumentation und Routinekorrespondenz. KI-Agenten steuern ganze Prozessketten, von der Angebotserstellung bis zur Qualitätskontrolle. Das Ergebnis ist nicht weniger Arbeit, sondern andere Arbeit: Menschen gewinnen Zeit für das, was Maschinen nicht können, nämlich Urteilskraft, Kreativität und Empathie. Gerade kleine und mittlere Unternehmen können so dem Fachkräftemangel wirksam begegnen, ohne auf Wachstum und Innovationskraft verzichten zu müssen.

Damit dieser Wandel gelingt, braucht es drei Dinge. Erstens Kompetenz: KI-Weiterbildung muss so selbstverständlich werden wie einst der Führerschein, vom Azubi bis zur Vorstandsetage. Zweitens Führung: Leadership bedeutet heute, Experimentierräume zu öffnen, Fehler zuzulassen und Teams mitzunehmen, statt Angst vor Ersetzung zu schüren. Drittens Souveränität: Wer Schlüsseltechnologien nur einkauft, gibt die Kontrolle über Daten und Wertschöpfung ab. Europa braucht eigene KI-Modelle und eine starke heimische KI-Wirtschaft. Die Politik muss dafür den Rahmen setzen: Regulierung, die schützt, ohne zu lähmen, eine praxistaugliche Umsetzung des AI Act und gezielte Förderung für den Mittelstand, der das Rückgrat unserer Wirtschaft bildet.

Wir vom KI Bundesverband sind überzeugt: Die Arbeitswelt der Zukunft wird nicht von KI allein gestaltet, sondern von Menschen, die sie klug einsetzen. Die Frage ist nicht, ob wir KI nutzen, sondern ob und wie wir sie gestalten oder von anderen gestalten lassen.
ki-verband.de

Oktober 2026 Die Zeit Arbeitswelt der Zukunft

»Die technische Transformation braucht den Menschen«

Dr. Jörg Friedrich Abteilungsleiter Bildung VDMA

Die Arbeitswelt wird sich durch Künstliche Intelligenz grundlegend verändern. Viele administrative und wissensbasierte Tätigkeiten werden künftig stärker automatisiert oder durch KI unterstützt. Das gilt auch für viele Bereiche im Maschinen- und Anlagenbau. Zudem wird KI eine wichtige Rolle spielen, wenn es um Maschinen und Produktionsabläufe geht. KI wird immer mehr darin zu finden sein, als technologische Komponente und Funktion. Bereits heute ist der Maschinenbau stark geprägt von hochautomatisierten Prozessen und Digitalisierung.

Gefragt bleiben deshalb Fachkräfte, die Maschinen und Anlagen entwickeln, betreiben, warten und kontinuierlich verbessern sowie neue Technologien in die Praxis überführen. Die Bedeutung technischer Kompetenzen der Mitarbeitenden wird daher durch KI nicht geringer, sondern eher noch größer. Die technische Transformation der Industrie braucht Menschen, die Technologien verstehen und verantwortungsvoll einsetzen können.

Gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel – trotz aktueller Krise – eine der zentralen Zukunftsherausforderungen für den Industriestandort Deutschland. Aufgrund der demografischen Entwicklung werden in den kommenden Jahren deutlich mehr erfahrene Beschäftigte aus dem Erwerbsleben ausscheiden als junge Menschen nachrücken. Der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte wird daher weiter zunehmen. 

Um Wohlstand, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, muss der Staat konsequent in Bildung investieren. Dazu gehören insbesondere eine Stärkung der technischen Bildung in Schulen, eine moderne berufliche Ausbildung, leistungsfähige Berufsschulen sowie attraktive und gut ausgestattete Hochschulen. Wer die Arbeit der Zukunft gestalten will, muss heute die Fachkräfte von morgen ausbilden.
vdma.de