Experten für den digitalen Wandel

November 2015 | Handelsblatt | Hub Conference

Experten für den digitalen Wandel

IT-Fachkräfte werden dringend gesucht. Im Online-Recruiting liegt noch Potenzial.

Illustration: Wyn Tiedmers
Axel Novak / Redaktion

Vernetztes Arbeiten, smarte Produktion, Plattform-Ökonomie oder die enge Zusammenarbeit von Mensch und Maschine – was immer Deutschlands Unternehmen in Sachen digitaler Wandel planen, umsetzen werden es vor allem IT-Fachkräfte. Die umgekehrte Schlussfolgerung: „Damit Deutschland einen Spitzenplatz in der digitalen Welt erreichen kann, brauchen wir IT-Spezialisten“, so Thorsten Dirks, Präsident des Digitalverbands Bitkom.


Sechs von zehn ITK-Unternehmen beklagen derzeit einen Mangel an Fachleuten. Gesucht werden meist Software-Entwickler mit Know-how im Cloud Computing, Big Data und App-Programmierung. Das hat Konsequenzen: Die Gehälter für IT-Fachkräfte sind nach Berechnungen des Magazins „Computerwoche“ 2014 um 6,2 Prozent gestiegen. Und es gibt eine große Zahl offener Stellen: Bundesweit gibt es in den Unternehmen aller Branchen etwa 43.000 offene Stellen für IT-Experten, fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Auch die Berufsbilder entwickeln sich immer weiter. Neben klassischer Programmiertätigkeit sind heute zum Beispiel Big-Data-Analysten mit interdisziplinärem Hintergrund oder spezialisierte Medizin- und Produktionsinformatiker gefragt.


Unternehmen, die Fachkräfte suchen, müssen neue Wege gehen. IT-Leute suchen online auf Portalen, in sozialen Medien oder per Smartphone-App nach Jobs, genauso wie nach Urlaubszielen oder Autos. Darauf reagieren die Unternehmen, etwa, indem sie sich auf Facebook als spannender Arbeitgeber präsentieren. Aber auch was aktive oder ehemalige Mitarbeiter im Netz über ein Unternehmen schreiben, beeinflusst die Mitarbeitersuche: Nach einer Bitkom-Studie informieren sich drei von zehn Internetnutzern im Netz auf entsprechenden Bewertungs-Portalen über einen möglichen Arbeitgeber. Viele Unternehmen binden daher die eigenen Mitarbeiter beim Recruiting ein und appellieren etwa an sie, über private Social-Media-Kanäle freie Stellen weiterzuempfehlen.


Daneben gewinnen Business-Netzwerke wie Xing und LinkedIn an Bedeutung – insbesondere bei der zielgerichteten Ansprache potenzieller Mitarbeiter. Die Netzwerke leisten dabei wertvolle Unterstützung, indem sie persönliche Aktivitäten und Einstellungen der Mitglieder auswerten und vergleichen. Mithilfe ausgeklügelter Algorithmen identifizieren sie so berufliche Absichten von Kandidaten und sprechen sie zielgerichtet per E-Mail und Stellenangebot an.


Auch Start-ups entdecken zunehmend den Recruiting-Markt. Jobspotting will den Nutzern mit einem lernenden Algorithmus nur die wirklich passenden Stellenangebote präsentieren. Und beim Berliner Start-up Honeypot reichen Unternehmen ihre Job-Angebote ein. Nur wenn die akzeptiert werden, dürfen sie sich bei registrierten Entwicklern bewerben – Jobsuche einmal umgekehrt, das digitale Recruiting macht es möglich.