Schnelles Netz für autonome Autos

April 2018 | Wirtschaftswoche | Technologien der Zukunft

Schnelles Netz für autonome Autos

Autonomes Fahren bleibt technologisch höchst anspruchsvoll. Der flächendeckende Einsatz wird auch von der Geschwindigkeit der Datenübertragung abhängen.

Illustration: Rüdiger Geis
Klaus Lüber / Redaktion

Eine Standardsituation auf der Autobahn: Auf der rechten Spur setzt ein Familienvater in einem Kombi einen Blinker nach links und beginnt, einen langsamer fahrenden LKW auf der mittleren Spur zu überholen. Auf der ganz linken Spur will ein dynamischer Jungmanager nach einem Überholvorgang auf dieselbe Spur wechseln. Beide erkennen schnell und intuitiv die Gefahr – nichts passiert. Wären Kombi und Porsche autonom gesteuert worden, wäre das Risiko eines Unfalls erheblich größer gewesen.

Die Technologie hinter selbstfahrenden Autos hat enorme Fortschritte gemacht. Als DARPA, die Forschungsagentur des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums,  2004 einen Rallye zum Thema autonomes Fahren in der kalifornischen Wüste veranstaltete, schaffte es keines der Fahrzeuge ins Ziel. Schon ein Jahr später gewann ein Team um den Stanford Forscher Sebastian Thrun das Rennen. Google sah das Potenzial und engagierte Thrun 2009 für sein eigenes Projekt. Firmen wie Uber, Tesla und unzählige Start-ups sprangen auf. Seit 2012 sind diverse Protoypen auf US-amerikanischen Straßen unterwegs, haben bereits Millionen von Kilometern zurückgelegt und ihre Fähigkeiten immer weiter verbessert.

Allerdings ist die Technologie immer noch einen guten Schritt von der Serienreife entfernt. Das liegt zum einen daran, dass die Aufgaben, die ein autonomes Fahrzeug schon im Einzelbetrieb zu bewältigen hat, vielfältig und komplex sind. Vereinfacht gesagt geht es um eine Kombination aus drei Bereichen: Die möglichst genaue Wahrnehmung der Umwelt, die Vorhersage von Ereignissen und die eigentliche Fahrentscheidung. Herausfordernd sind vor allem die ersten beiden. Ein selbstfahrendes Auto nimmt seine Umwelt über Kameras, Radar und ein radarähnliches System namens LIDAR war, das über unsichtbare Lichtimpulse eine 3D-Karte der Umgebung zusammensetzt. Besonders unvorhergesehene Ereignisse wie Hindernisse oder schlechtes Wetter bringen das System immer noch an seine Grenzen.

Die andere Hürde liegt in der Geschwindigkeit, mit der die Daten übertragen werden. Das mag zunächst merkwürdig klingen, gelten doch gerade die kurzen Reaktionszeiten der Systeme gegenüber menschlichen Akteuren als größter Vorteil autonomen Fahrens. Allerdings kann, um auf das eingangs zitierte Beispiel zurückzukommen, eine Entscheidung in einer hochdynamischen Situation wie bei einem Fahrmanöver auf der Autobahn der Entscheidungsprozess eigentlich nicht schnell genug gehen. Hier ist der Mensch mit seiner Intuition immer noch im Vorteil. Schon vorher gesetzte Blinker können Sensoren im Augenblick beispielsweise noch kaum erkennen und auswerten.

Abhilfe soll hier der neue Mobilfunkstandard 5G bieten, dessen Rollout in Deutschland für 2020 geplant ist. 5G soll wesentlich mehr Endgeräte in einer Funkzelle versorgen können und vor allem ultraschnelle Reaktionszeiten ermöglichen. Um die Geschwindigkeit noch weiter zu steigern, soll jede der neuen Funkstationen in Zukunft Daten in einer eigenen kleinen Cloud selbst vorhalten können – etwa die gegenseitigen Benachrichtigungen zwischen hochautomatisierten Autos über ihre beabsichtigten Routen.