»Einsparpotenzial beim Energieverbrauch ist nach wie vor vorhanden«

Juni 2015 | Wirtschaftswoche | Energieeffizienz

»Einsparpotenzial beim Energieverbrauch ist nach wie vor vorhanden«

Interview mit Dr. Heinz Rosenbaum, Geschäftsführer E.ON Energie Deutschland

E.ON / Unternehmensbeitrag

Unternehmen haben ein grundlegendes Interesse daran, die eigenen Ressourcen bestmöglich einzusetzen. Für sie eröffnen sich heute zahlreiche Möglichkeiten, an einer künftig dezentralen Energiewelt zu partizipieren und sich Vorteile zu sichern.

 

Herr Dr. Rosenbaum, wie gut sind kleine und mittlere Betriebe in der Regel beim Energiesparen?

 

Das Thema steht eindeutig auf der Tagesordnung. Trotzdem zeigen Erfahrungswerte, dass in vielen Betrieben der Energieverbrauch noch um bis zu 15 Prozent gesenkt werden kann. Und das mit überschaubarem Aufwand und meist nur kleineren Investitionen. Gefragt sind zukunftssichere Lösungen – nicht nur, um den Stromsteuer-Spitzenausgleich für das produzierende Gewerbe auch nach 2015 in Anspruch nehmen zu können, sondern um nachhaltig Energie einzusparen. 

 

Wo gibt es die größten Einsparpotenziale?

 

Große Unternehmen mit hohen Energiekosten führen schon heute intensiv Energieeffizienzmaßnahmen durch. Kleine und mittlere Unternehmen scheuen diese Kosten hingen noch häufig – und das, obwohl sie sich binnen weniger Jahre amortisieren. Die wirtschaftlichen Einsparpotenziale sind dabei enorm: Allein bei Druckluft- und Pumpenanwendungen können bis zu 50 Prozent eingespart werden, wenn flächendeckend aktuelle Technik zum Einsatz käme. Das gilt in ähnlicher Größenordnung auch für die Beleuchtung sowie für Informations- und Kommunikationstechnik. Und schließlich birgt der Umbau des Kraftwerkparks hin zu einer verstärkt dezentralen Erzeugung von Wärme und Strom die Möglichkeit, künftig viel mehr aus den Primärenergieträgern herauszuholen.

 

Was können KMUs tun?

 

Hat ein Betrieb – insbesondere mit eigener Produktion – einen kontinuierlich hohen Energiebedarf, sollte der Blick auf dezentrale Energieerzeugung gerichtet werden. Stichwort: Kraft-Wärme-Kopplung, also die gleichzeitige Erzeugung von Wärme und Strom für den Eigenbedarf, wobei oft ein Teil der Strommenge auch noch selbst oder über Dienstleister wie E.ON vermarktet werden kann. Die Argumente sind vielschichtig: Kraft-Wärme-Kopplung gehört zu den effizientesten Formen der Energieerzeugung. Solche Anlagen können heute praktisch in jeder Dimensionierung und an jedem Ort installiert werden. Neben Strom erzeugen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen vor allem Wärme zum Heizen von Gebäuden, als Prozesswärme in der Produktion oder sogar zur Kälteerzeugung. Dadurch können Unternehmen
Energie sparen und nachhaltig CO2-Emissionen reduzieren. 

 

Können sinnvolle Energiekonzepte auch den Wirtschaftsstandort stärken?

 

Künftig werden nicht nur die heutigen Energieunternehmen Energie und Strom erzeugen, sondern auch Unternehmen aus anderen Branchen. Je dezentraler die Erzeugungslandschaft und je intelligenter die Netz- und Messsysteme sind, desto vielfältiger werden die Geschäftsmodelle für Eigenerzeugung, Einspeisung und Verkauf von Strom. Dazu kommen die beiden Megathemen Speicherung und Mobilität, die den Markt weiter für neue Lösungen und Geschäftsmodelle öffnen werden. Nicht nur in der Grundlagenforschung gehört Deutschland auf diesen Gebieten zur Weltspitze. Wenn hier die Umstellung der Energieversorgung auf regenerative Energien gelingt, könnten sich deutsche Unternehmen zu den Technologietreibern auf dem Weltmarkt entwickeln.

 

Was müssen Unternehmen hinsichtlich des Energiedienstleistungsgesetzes beachten?

 

Durch die Novellierung des Gesetzes werden Unternehmen, die nicht der EU-Definition von kleinen und mittelständischen Betrieben unterliegen, dazu verpflichtet, bis zum 5. Dezember 2015 ein erstes Energieaudit durchzuführen. Damit ist nicht nur eine gesetzliche Pflicht verbunden, sondern es ergeben sich auch deutliche Vorteile: So können große Unternehmen ein Audit als Vorstufe für die Einführung eines komplexen Energiemanagementsystems nutzen. 

 

Dr. Heinz Rosenbaum; Geschäftsführer E.ON Energie Deutschland und verantwortlich für den Bereich Geschäftskunden

 

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