Gesund bleiben

September 2018 | Wirtschaftswoche | Unternehmertum

Gesund bleiben

Fachkräftemangel, Anhebung des Rentenalters, steigende Burnoutzahlen – es gibt viele Gründe, warum Unternehmen gut daran tun, die Gesundheit ihrer Mitarbeiter aktiv zu fördern.

Illustration: Ksenia Kostritski
Juliane Moghimi / Redaktion

Der durchschnittliche Krankenstand in deutschen Unternehmen lag 2017 bei 4,1 Prozent und damit etwas höher als im Jahr zuvor. Knapp die Hälfte der gesetzlich versicherten Arbeitnehmer, nämlich 48,6 Prozent, waren 2017 mindestens einmal krankgeschrieben. Durchschnittlich waren die Deutschen 12,4 Tage lang krank. Bei beiden Geschlechtern steigt der Krankenstand mit zunehmendem Lebensalter kontinuierlich an, auf deutlich über 7 Prozent und fast 21 Tage pro Fall in der Altersgruppe 60+. Zudem werden bei den über 60-Jährigen knapp 60 Prozent des Krankenstandes durch Erkrankungen von über sechs Wochen Dauer verzeichnet.

Die meisten Fehltage entstehen durch Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates. Schon auf Rang zwei folgen psychische Erkrankungen. Hier ist ein enormer Anstieg zu verzeichnen: 2007 lag der Anteil an den Gesamtkrankentagen für diese Diagnosegruppe noch bei 10,9 Prozent, heute bei 16,7 Prozent. Erst auf dem dritten Platz rangieren die Atemwegserkrankungen.

Unternehmen können aus den Erhebungen zu den Krankenständen wichtige Schlüsse für die betriebliche Gesundheitsvorsorge ziehen und damit gezielt gegensteuern. Denn Fakt ist: Wir werden immer älter und müssen deshalb immer länger arbeiten. Außerdem werden wir mit zunehmendem Alter öfter und länger krank.

Die Schwerpunktbereiche, in denen betriebliches Gesundheitsmanagement ansetzen muss, lassen sich ebenfalls aus den Statistiken   ablesen. Besonderes Augenmerk verdienen demnach Rückenschmerzen, Erschöpfungszustände bis hin zu Depressionen sowie Atemwegsinfekte. Auf ältere Arbeitnehmer ist zudem verstärkt zu achten. In der Praxis gibt es verschiedene Ansätze, die einer verbesserten Gesundheit der Mitarbeiter dienlich sind. Zu unterscheiden ist hier zwischen aktiver Gesundheitsförderung einerseits und Maßnahmen in Personalmanagement und Unternehmenskultur andererseits.

Gerade im Bereich der aktiven Gesundheitsförderung gibt es zahlreiche Möglichkeiten, angefangen von ergonomischen Arbeitsplätzen über betriebliche Rücken- oder Entspannungskurse, regelmäßige Massagen für die Mitarbeiter, frisches Obst und Mineralwasser in den Büros, Unterstützung bei der Raucherentwöhnung bis hin zu organisierten Grippeschutzimpfungen beim Betriebsarzt. Es lohnt sich, bei den Krankenkassen nach Kooperationsmöglichkeiten zu fragen, denn viele Versicherungen haben entsprechende Angebote im Portfolio. Ganz nebenbei dienen diese Extras auch dazu, sich im Sinne eines Employer Brandings beim Kampf um die Fachkräfte zu profilieren.

Aber auch über die innerbetriebliche Organisation lässt sich einiges für das Wohlbefinden der Belegschaft erreichen und vor allem seelischen Erschöpfungszuständen vorbeugen: Es gilt unnötigen Stress zu vermeiden. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie spielt hier ebenso eine Rolle wie die Mobbing-Prävention. Bewährt haben sich außerdem altersmäßig gemischte Teams, bei denen die verschiedenen Generationen von den Stärken und Erfahrungen der jeweils anderen profitieren.