Innovationskraft »made in Finland«

Oktober 2016 | Wirtschaftswoche | Der starke Mittelstand

Innovationskraft »made in Finland«

Finnland ist einer der Spitzenreiter, wenn es um technologische Innovationen geht. Auch für deutsche Unternehmen lohnt ein Blick gen Norden – Kooperationen und Zusammenarbeit können viel bewirken.

Finnland gehört zu den europäischen Ländern, in denen die Digitalisierung am weitesten fortgeschritten ist.
Finpro / Unternehmensbeitrag

Irgendwie ist er weit weg, unser nördlichster europäischer Nachbar. Vielleicht wissen wir deshalb so wenig über Finnland, denken allenfalls an weite einsame Landschaften, nordische Kälte und an Schwitzen in der Sauna. Tatsächlich ist Finnland eines der am dünnsten besiedelten Länder der EU, doch die Menschen, die in Finnland leben, haben es in sich – vor allem, wenn es um die digitale Transformation geht. Richtig gehört! Finnland steht nämlich nicht nur auf Platz zwei, wenn es um die Wettbewerbsfähigkeit innerhalb Europas geht, laut der Europäischen Kommission zählt das Land im hohen Norden zu den Ländern, in denen die Digitalisierung am weitesten fortgeschritten ist. Dafür sorgen insbesondere die Finnen selbst: Der Anteil an Internet- und Computertechnologie-Spezialisten innerhalb der arbeitenden Bevölkerung ist in Finnland besonders hoch. Da wundert es auch nicht, dass die Unternehmensberatung Accenture unsere nordischen Nachbarn international auf Platz drei sieht, wenn es um die Umsetzung des Internet der Dinge geht.

Wo das Internet der Dinge zu Hause ist

Für diese herausragende weltweite Platzierung sorgen unzählige finnische Unternehmen – alteingesessene ebenso wie Start-ups –, die unermüdlich an neuen innovativen Ideen arbeiten und forschen, um die digitale Revolution tatsächlich nutzbar zu machen. Eines von ihnen ist beispielsweise Wirepas, ein in Tampere ansässiges Unternehmen, das sich darauf spezialisiert hat, verlässliche, optimierte und skalierbare Anbindungen von Geräten zu schaffen. Dabei ist dank der Wirepas-Technologie das Gerät selbst ein kleiner, intelligenter Router innerhalb eines Netzwerks. Ein weiteres Beispiel für ein erfolgreiches IoT-Unternehmen ist Quuppa, die mit ihrem Intelligent Locating System eine leistungsfähige Technologieplattform für neue standortbezogene Dienstleistungen und Applikationen entwickelt hat.

Bei einer der größten Herausforderungen, die mit der digitalen Disruption einhergehen, unterstützt BaseN seine Kunden. Der weltweite IoT-Betreiber ermöglicht die Transformation von einem produkt- zu einem dienstleistungsgetriebenen Geschäftsmodell – und das unabhängig von Sektor oder Industrie. Kleinere Wasseranlagen, die weder Zugang zu Straßen noch dem Internet haben, sind schwierig zu überwachen. Das finnische Unternehmen Distence schließt diese Lücke – wie der Name bereits sagt –, indem es die Expertise und das Anwendungs-Knowhow zur Verfügung stellt, um die Vorteile des IoT auch dort nutzbar zu machen. Und auch bei Futurice glaubt man daran, dass die Zukunft digital und auf Basis von Software gestaltet sein wird und arbeitet deshalb seit 2000 an mobilen und
Online-Softwarelösungen für Kunden. Seit acht Jahren ist das finnische Unternehmen fester Bestandteil der Deloitte-Liste führender Technologie-Unternehmen „Technology Fast 50“ und ist seit 2010 auch mit einer deutschen GmbH am Standort Berlin vertreten.

Finnland bewegt die Automobilindustrie

Es sind aber nicht nur die finnischen IoT-Unternehmen, die international von sich reden machen. Auch im Automobil- und Mobilitätssektor sind die Finnen stark. „Tatsächlich?“, mögen sich jetzt viele fragen, denn Finnland zählt sicher nicht zu den Automobil-Nationen, die einem als erstes einfallen. Doch genau hier liegt eine der Stärken: Finnischen Unternehmen aus anderen Branchen ist es gelungen, digitale Services und Lösungen für die Automobilbranche zu entwickeln, die Mobilität als Service (MaaS) weiter vorantreibt und viele der Mobilitätsprobleme, die in den kommenden Jahren auf uns zukommen werden, lösen könnten. Ein Beispiel hier ist PayiQ, eine neue Zahlungs- und Ticketlösung, über die sowohl digitale als auch traditionelle Produkten einfach und sicher verkauft werden können. Egal, ob Sie eine Fahrkarte für den lokalen Bus oder einen Mietwagen benötigen – Zugang zu Mobilität wird mit PayiQ denkbar einfach. Der finnische Anbieter für Wettervorhersagen Foreca ist ein weiteres interessantes Beispiel. Bisher gehörten die Print-Medien zum größten  Kundenstamm, seit etwa zwei Jahren sind auch große Automobilhersteller auf die Finnen aufmerksam geworden, da sie unkonventionelle Lösungen bieten, die – beispielsweise in ein Navigationssystem integriert – Mehrwert für den Endkunden schaffen. Auf der anderen Seite zeigen Firmen wie Linkker, wie der Nahverkehr in Zukunft nachhaltig betrieben werden kann. Dafür setzen die Finnen auf Elektroantriebe. Linkker versteht sich als Technologieentwickler, der finnische Technologie und Expertise kombiniert, um diese in neue elektrisch betriebene Produkte für Fahrzeuge und öffentliche Transportsysteme zu integrieren.

Darüber hinaus hat die 5G Automotive Association, ein Konsortium unter Führung von Nokia, bei dem BMW, Daimler, Audi, Ericson, Intel, Huawei und Qualcomm beteiligt sind, für Schlagzeilen gesorgt. Dies könnte die Entwicklung des automatisierten Fahrens und dessen Integration in intelligente Städte und Transportsysteme vorantreiben. Zudem liegt einer der 5G Hotspots der Welt in Finnland, genauer gesagt in Oulu, der nördlichsten Großstadt  Europas.

Finpro, die Handelsfördergesellschaft der finnischen Regierung, spielt eine wichtige Rolle als Mediator für Export- und Investitionsfragen zwischen finnischen und deutschen Unternehmen und bietet gerne in allen Belangen Hilfe und Unterstützung an. Neben Repräsentanzen in allen finnischen Regionen hat Finpro auch in über 30 weiteren Ländern Büros.


Oulu – Innovationshub im hohen Norden

Wo leben wohl die jüngsten und zufriedensten Menschen in Europa? In Oulu, Europas nördlichster Großstadt mit rund 250.000 Einwohnern. Deshalb ist die Region rund um Oulu wohl auch schon seit 20 Jahren die am schnellsten wachsende Region im Norden. Aber das ist nicht alles: Oulu ist Universitätsstadt mit rund 30.000 Studenten und ein Drittel der Bevölkerung hat einen Universitätsabschluss. Damit zählt Oulu zu den sieben intelligentesten Kommunen der Welt. Wohl auch deshalb zählen hunderte der in Oulu ansässigen Unternehmen zu weltweiten Pionieren und tun sich vor allem mit ihrem technologischen Know-how hervor: 2,6 Milliarden Menschen weltweit nutzen jeden Tag mobile Technologien, die in Oulu entwickelt wurden. Aktuell arbeitet man dort auch an der 5G-Netzwerktechnologie, die in vielen Bereichen für weitere Innovationen sorgen soll. Viele Unternehmen testen das 5G-Netz bereits vor Ort. Eine solche Infrastruktur und Innovationskraft zieht natürlich auch viele Start-ups an, die aus den zahlreichen gut ausgebildeten Einwohnern der Region ihre Belegschaften bestücken.

Das neuste Projekt in der Region: die Ouluzone. Ziel ist es, ein Forschungs-, Entwicklungs- und Ausbildungszentrum für autonom arbeitende Maschinen und Fahrzeuge zu etablieren. Es geht vor allem auch darum, Methoden zur autonomen Kontrolle der Maschinen und Fahrzeuge zu analysieren und daraus sicherheitstechnische Verbesserungen abzuleiten.

www.finpro.fi
www.businessoulu.com