Das Immunsystem gegen Krebs aktivieren

März 2019 | Die Zeit | Zukunft Medizin

Das Immunsystem gegen Krebs aktivieren

Innovative Zelltherapien revolutionieren die Krebsbehandlung

Prof. Dr. Dolores Schendel, Vorstandsvorsitzende der Medigene AG und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Ihre Forschungsarbeit wurde u. a. mit dem „Deutsche Krebshilfe Preis“ ausgezeichnet.
Medigene / Unternehmensbeitrag

Fünf Fragen an Prof. Dr. Dolores Schendel, Immunologin und Vorstandsvorsitzende der Medigene AG. Das deutsche Biotechnologieunternehmen arbeitet an der klinischen Entwicklung zellulärer Immuntherapien als neue Hoffnungsträger im Kampf gegen Krebs.

 

Was sind zelluläre Immuntherapien?
Zelluläre Immuntherapien bekämpfen Krebs nicht mit einem Wirkstoff wie etwa Chemotherapien, sondern sie versetzen das körpereigene Immunsystem in die Lage, Tumorzellen zu bekämpfen. Diese Therapieart stellt einen echten Wandel in der Krebsbehandlung dar. Grundsätzlich ist das Immunsystem zwar sehr stark und verlässlich – denkt man zum Beispiel an einen Infekt – aber für eine Wirksam-keit gegen Krebs braucht es oft noch einen zusätzlichen Impuls von außen, um
das trickreiche Versteckspiel der Krebszellen zu überwinden. Diesen Impuls können Immuntherapien liefern.

 

Wieso werden diese als neuer Hoffnungsträger im Kampf gegen Krebs angesehen?
Die sogenannten T-Zellen unseres Immunsystems patrouillieren durch den Körper, um Krankheitserreger zu entdecken und zu zerstören. Bei zellulären Immuntherapien werden T-Zellen des Patienten so modifiziert, dass sie gezielt Krebszellen erkennen und attackieren. Ein weiterer Effekt der Behandlung könnte sein, eine Art „Immungedächtnis“ im Körper aufzubauen und dadurch einen langanhaltenden Schutz vor einer Wiederkehr der Erkrankung zu erreichen. Aus medizinischer Sicht ist die Zelltherapie auf dem Weg, die Krebsbehandlung zu revolutionieren. Krebs könnte durch diesen neuen Ansatz bei weiterer erfolgreicher Entwicklung möglicherweise zu einer „chronischen“ oder in manchen Fällen gar heilbaren Krankheit werden.

 

Wie sieht das Verfahren in der Praxis aus?
T-Zellen werden aus dem Blut des Patienten isoliert, diese werden dann je nach Krebsart mit neuen krebsspezifischen Erkennungsstrukturen ausgestattet, vermehrt, auf Qualität getestet und dem Patienten nach weni-gen Wochen per Transfusion zurückge-
geben. Diese einmalige Gabe von aktivierten und “kampfbereiten“ körpereigenen Zellen kann dann zu einer gezielten Zerstörung der Tumorzellen durch das Immunsystem des Patienten führen.


Gibt es bereits zugelassene T-Zell-Therapien?
In der EU sind seit 2018 zwei T-Zell-basierte Immuntherapien gegen bestimmte Blutkrebsarten zugelassen. Weitere Zell-Therapien sind auf dem Weg zur Zulassung, aber viele befinden sich auch noch in der klini-schen Erforschung, wie unsere T-Zell-
rezeptor-Therapien. Sie sind den bereits zugelassenen Therapien ähnlich, könnten aber möglicherweise über einige Vorteile verfügen.

 

Woran forscht Medigene gerade?
Wir führen gerade eine klinische Studie mit unserer TCR-Therapie MDG1011 für die Blutkrebsarten akute myeloische Leukämie, myelodysplastisches Syndrom und multiples Myelom durch. Diese Studie ist die erste T-Zellrezeptor-basierte Therapie
in Deutschland. Ende Februar 2019 konnte im Uniklinikum Erlangen der erste Patient mit multiplem Myelom behandelt werden. Wir suchen derzeit noch weitere Teilnehmer, die an der Studie teilnehmen möchten. Künftig wollen wir auch die Entwicklung dieser TCR-Therapien auf weitere Krebsindikationen ausweiten.

 

 


www.medigene.de/klinische-studien