Smart City als Chance für die Energiewirtschaft

Juni 2019 | Handelsblatt | Zukunft Energie

Smart City als Chance für die Energiewirtschaft

Mit dem Einstieg in die Smart City wird sich die Energiebranche neue Geschäftsmodelle erschließen, glauben die Experten vom Beratungsunternehmen Q_PERIOR.

Q_PERIOR AG / Unternehmensbeitrag

Straßenlaternen, die ein ganzes Quartier mit WLAN versorgen. Verteilerkästen, die mit entsprechend nachgerüsteten Sensoren das Verkehrsaufkommen oder Umweltdaten erfassen. Parkplätze, die via App reserviert und auch bezahlt werden können. Elektromobile, die ihren Ladezustand zur Kapazitätsplanung an den lokalen Netzbetreiber übertragen. Ideen und Visionen für die Smart City der Zukunft gibt es viele. Und die sind tatsächlich dringend nötig. Denn Herausforderungen wie der demografische Wandel und die Urbanisierung setzen Kommunen zunehmend unter Handlungsdruck, wie Alwin Jobb, Partner und Sector Lead Energy der Q_PERIOR AG, zu berichten weiß: „Es wird damit gerechnet, dass bis 2050 knapp 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben werden. Das heißt, dass der Energieverbrauch steigt, mehr Abfall produziert wird, das Verkehrsaufkommen vermutlich genauso zunimmt wie die Luftverschmutzung und es an Wohnraum sowie Parkplätzen mangeln wird. Für all diese Herausforderungen müssen Städte Lösungen finden. Mit den heute und künftig verfügbaren technologischen Möglichkeiten der Digitalisierung ergeben sich für diverse Marktteilnehmer, insbesondere Kommunen und Energieversorger, allerdings auch zahlreiche Chancen.“


Die genannten Herausforderungen erstrecken sich auf mehrere Handlungsfelder in denen es bereits heute zahlreiche Projekte gibt, wie Jobbs Kollege Daniel Böhm, Manager bei der Q_PERIOR, ergänzt: „Das Problem aktuell ist, dass die Umsetzung dieser Projekte durch die einzelnen Stakeholder oft autark und selten in Abstimmung zu anderen, ähnlich gelagerten Vorhaben erfolgt. Das liegt zumeist daran, dass es für die ‚Einführung‘ einer Smart City keinen Alleinverantwortlichen gibt. Vielmehr besteht eine übergreifende Verantwortlichkeit zwischen den Sektoren Verwaltung, Energieversorgung, Wohnungswirtschaft, ÖPNV/Carsharing, Abfallentsorgung oder Automobilindustrie. Bei dieser großen Anzahl an Stakeholdern ist es daher umso wichtiger, eine einheitliche, auf die jeweilige Kommune zugeschnittene Vision und Strategie zu haben.“

 

Energieversorger als Enabler einer Smart City

 

Für die beiden Energieexperten Jobb und Böhm steht fest: Energieversorgern wird in vielen Bereichen der Smart City eine entscheidende Rolle zukommen. „Lokale Energieversorger wie Stadtwerke sind prädestiniert dafür, eine Smart City mitzugestalten. Sie verfügen über die Expertise zum Aufbau und sicheren Betrieb von großflächigen Infrastrukturen. Sie haben einen starken lokalen und regionalen Bezug und damit Nähe zu den Bürgern und das Handling großer Datenmengen gehört zunehmend zu ihrer Kernkompetenz. Zudem begleitet die digitale Transformation Stadtwerke im Rahmen des Rollouts intelligenter Messsysteme bereits seit mehreren Jahren“, sagt Böhm. „Erfolg werden diejenigen haben, denen die Transformation vom reinen Netzbetreiber und Energielieferanten hin zu einem modernen Infrastruktur-, Energie- und Servicedienstleister am besten gelingt.“


Energieversorger entwickeln bereits heute Smart City-Lösungen für morgen. Ein Beispiel ist eine Plattform, in der die Sektoren Energie und Mobilität verknüpft werden. Bürger können den Strom aus ihrer Photovoltaikanlage in das Netz einspeisen und bekommen ihn auf einer Plattform als virtuellen Speicher gutgeschrieben. Dieses Konto kann anschließend zum Aufladen eines Elektromobils wieder belastet werden. Die Anschaffung eines teuren, physischen Speichers entfällt damit.

 

Erfolgsgeheimnis Standardisierung und Vernetzung

 

Um sich in der Smart City als wichtiger Player zu positionieren, sind einheitliche Standards ein entscheidender Erfolgsfaktor, glaubt Böhm: „Zukünftig werden mehrere Services auf Plattformen zentralisiert. Dennoch sind für unterschiedliche Themengebiete – wie etwa Mobilität oder Energie – mehrere Plattformen denkbar. Entscheidend sind dabei einheitliche Standards und Datenformate, sowie eine sinnvolle Vernetzung der unterschiedlichen Angebote. Für die Akzeptanz beim Endnutzer wird ein zentraler Zugang zu diesen Services entscheidend sein.“ Bereits heute gibt es erste Ansätze, bei denen die Kunden mit einem zentralen Login einen Parkplatz buchen, Carsharing nutzen, ein Fahrrad leihen, den Eintritt für das Schwimmbad oder Museum zahlen oder ihren neuen E-Scooter an einer der öffentlichen Stationen laden können.


Der Zeitpunkt, umfassende Konzepte und Strategien zu entwickeln, sei jetzt besonders günstig, unterstreicht Jobb: „Aktuell kommt zunehmend Bewegung in die Digitalisierung weiterer Sektoren. Rechtliche Rahmenbedingungen, sowohl auf EU als auch auf nationaler Ebene, unterstützen die Entwicklung zu einer Smart City.“