Unerkannte Gefahr

Juli 2016 | Die Zeit | Gesundheit & Volkskrankheiten

Unerkannte Gefahr

Nierenerkrankungen werden oftmals nicht bemerkt. Je früher sie erkannt werden, desto besser sind die Heilungschancen.

Illustration: Maria Martin
Ulrike Schupp / Redaktion

Etwa zwei Millionen Menschen leben in Deutschland mit einer Nierenerkrankung, viele, ohne es überhaupt zu wissen. „Die Nieren sind ein zentrales Steuerungsorgan im Körper,“ sagt Ulrike Bechtel, Leitende Ärztin des KFH Nierenzentrums in Dillingen. „Sie sind nicht nur für die Regulation des Wasserhaushalts und die Entschlackung wichtig, sondern auch für viele andere Prozesse, die einem im Alltag gar nicht so bewusst werden“. Unter anderem gehören dazu die Produktion von Botenstoffen, die Knochenbildung und der Knochenaufbau, Blutbildung und Regulation des Blutdrucks. Können die Nieren nicht mehr richtig arbeiten, wächst die Gefahr für gefährliche Folgeerkrankungen, für Bluthochdruck oder Diabetes und das Risiko einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden steigt. 

 

Neben einem bereits vorhandenen Diabetes oder Bluthochdruck gehören Entzündungsprozesse im Köper und Gefäßverkalkungen mit zu den häufigsten Ursachen für Nierenerkrankungen. Rechtzeitig erkannt lässt sich die Nierenfunktion jedoch oft völlig oder zumindest teilweise wieder herstellen und eine Erkrankung führt heute nicht zwangsläufig in die Insulinpflicht oder zur Dialyse.

 

Sind allerdings bereits über 50 Prozent des Nierengewebes beschädigt, lässt sich eine Verschlimmerung leider oft nur noch verlangsamen. Weil die Symptome anfangs kaum Beschwerden verursachen, erfolgt der Gang zum Arzt bei vielen Patienten leider zu spät. Auch deshalb raten Expertenverbände wie die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie dazu, der Prävention viel mehr Aufmerksamkeit zu schenken als bisher. Häufige Harnwegsinfekte können schon ein Hinweis sein oder auch Verfärbungen des Urins, die allerdings mit bloßem Auge nicht unbedingt zu erkennen sind. Der erste Schritt um eine Erkrankung festzustellen ist deshalb ein Urinschnelltest. 

 

Wer bestimmte Risikofaktoren erfüllt, also über 60 Jahre alt oder Diabetiker ist, starkes Übergewicht oder Familienangehörige ersten Grades hat, die an Nierenversagen leiden, sollte seine Nierenfunktion einmal im Jahr vom Hausarzt überprüfen lassen. Für Diabetiker gilt: Kontrollieren Sie Ihren Blutzucker und sorgen Sie dafür, dass er stabil eingestellt ist. Bei Menschen mit Bluthochdruck sollte dieser in enger Absprache mit dem behandelnden Arzt und durch entsprechende Medikamente reguliert werden. 

 

Doch auch einfache Maßnahmen für einen gesunden Lebensstil wirken sich überaus positiv auf die Gesundheit der Nieren aus. Unbedingt dazu gehören eine vitaminreiche Ernährung am besten in Anlehnung an die „Mittelmeerdiät“ mit viel Gemüse und wenig rotem Fleisch, die das Körpergewicht im Normalbereich hält und konsequenter Nikotinverzicht. Frei verkäufliche Schmerzmittel dürfen ohne Absprache mit dem Arzt auf keinen Fall über einen längeren Zeitraum hinweg konsumiert werden, da sie immer auch die Nieren belasten. Und ein gesunder Mensch sollte darauf achten genug zu trinken. Mindestens 1,5 Liter am Tag, bei erhöhtem Flüssigkeitsverlust sogar mehr, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie.