Neue Geschäftsmodelle durch virtuelle Kraftwerke

Juni 2019 | Handelsblatt | Zukunft Energie

Neue Geschäftsmodelle durch virtuelle Kraftwerke

Virtuelle Kraftwerke sind nicht neu. Die Blockchain als ihre Infrastrukturbasis hebt sie jedoch auf ein neues Level.

(l) Oliver Golker Senior Produktmanager N-ERGIE Aktiengesellschaft, (r) Sönke Vetsch CEO NOUMENA DIGITAL AG
NOUMENA DIGITAL AG / Unternehmensbeitrag

Herr Golker, worin liegt die Chance von virtuellen Kraftwerken?
Intelligent aufgebaute virtuelle Kraftwerke sind in der Lage, jegliche Erzeugungsform – vom Großkraftwerk, über die Anlage im Industriebetrieb, das landwirtschaftlich betriebene Blockheizkraftwerk bis hin zur Solaranlage des Privathaushalts – mit den Verbrauchern vor Ort zu verbinden – ein wichtiger Beitrag für die Energiewende. Für die Betreiber von Kraftwerken bedeutet die Teilnahme an einem virtuellen Kraftwerk lukrative Mehreinnahmen.

 

Für wen ist die Beteiligung an einem virtuellen Kraftwerk interessant?
Viele Anlagen haben das Potenzial, Energie bis zu einem gewissen Grad flexibel zu erzeugen. Dieses Flexibilitätspotenzial bildet die Grundlage für ein virtuelles Kraftwerk.


Nehmen Sie beispielsweise Blockheizkraftwerke, die aufgrund der EEG-Förderung für die Industrie oder landwirtschaftliche Betriebe bisher sehr lukrativ waren. Allerdings ist diese Förderung auf 20 Jahre festgelegt, die ersten laufen 2021 aus. Die Beteiligung an einem virtuellen Kraftwerk schafft auch über die EEG-Förderung hinaus ein solides Geschäftsmodell. Allerdings ist der Energiemarkt hochkomplex und bildet nicht die Kernkompetenz produzierender oder landwirtschaftlicher Betriebe. Deshalb haben wir ein modulares Angebot für alle Anlagengrößen entwickelt. Es bietet einen einfachen, vollautomatisierten Zugang zum Energiemarkt mit allen Optionen von der Selbststeuerung durch den Betreiber bis zum Rundumsorglos-Paket und von der Direktvermarktung über optimierte Fahrweisen bis zum Zugang zum Intraday-Markt.

 

Was ist daran neu? Virtuelle Kraftwerke gibt es schon länger.
Das ist richtig. Jedoch handelt es sich meist um spezifische Standard-lösungen, welche speziell für einen Anwendungsbereich generiert wurden. Wir suchten deshalb nach einer Lösung, die alle Akteure im Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage sicher, vertrauensvoll und schnell zusammenbringt – einem System, das für alle Nutzer einen barrierefreien Zugang zum virtuellen Kraftwerk ermöglicht. Diese Anforderung erfüllt die Blockchain als bekannteste Form der Distributed Ledger Technologien.

 

Herr Vetsch, Stichwörter Kernkompetenz und Blockchain: Hier kommen Sie ins Spiel, richtig?
Ich würde eher sagen, unsere Kernkompetenzen und die der N-ERGIE ergänzen sich sehr gut. Wir sind der Spezialist für eine ganz neue Art, Informationstechnologien anzufassen und umzusetzen. Die N-ERGIE ist hingegen der Spezialist für den hochkomplexen Energiemarkt. Dort wurden die Anforderungen genau definiert, die wir dann in kürzester Zeit, genauer gesagt innerhalb eines halben Jahres, technologisch umgesetzt haben.

 

Was prädestiniert Distributed Ledger als Basis für virtuelle Kraftwerke?
Mit dieser Technologie können mehrere Parteien auf eine Plattform gebracht werden, ohne die Komplexität aufbrechen zu müssen.  Stichwort Datenschutz: Alle Akteure bekommen Zugang zu den für sie relevanten Daten ohne Medienbruch. Und genau das braucht es, wenn kleine und große Akteure, Daten, Verträge, Einspeisungen und Verbrauch über eine einzige Plattform geregelt werden sollen.

 

www.noumenadigital.com
www.n-ergie.de