»Gründen sollte zur DNA der Deutschen werden.«

September 2018 | Wirtschaftswoche | Unternehmertum
Neues Unternehmertum
Die Redaktion befragt Experten zu neuen Trends im Bereich Arbeitsmarkt.
September 2018 | Wirtschaftswoche | Unternehmertum

»Gründen sollte zur DNA der Deutschen werden.«

Florian Nöll / Vorsitzender; Bundesverband Deutsche Startups e. V.

DAX-Unternehmen wie Siemens haben ihren Ursprung in einer längst verloschenen Zeit – der Gründerzeit im 19. Jahrhundert. SAP, das lange Zeit jüngste DAX-Unternehmen, ist schon beinahe 50 Jahre alt und entstammt einer Gründerzeit, als überall IT-Firmen aus dem Boden sprossen. In diesen Tagen ist mit Wirecard ein Finanzdienstleister in den DAX aufgestiegen, dessen Gründungsdatum immerhin in diesem Jahrtausend liegt. Das Gründen gehört nicht unbedingt zur DNA der Deutschen. Sie ziehen die sozialversicherte Festanstellung dem Risiko vor. Dennoch gibt es hierzulande rund 5000 Start-ups, die den strengen Kriterien – jünger als fünf Jahre, wachstumsorientiert durch skalierbare, meist digitale Geschäftsmodelle – genügen. Aber es könnten, ja sollten mehr sein. Immerhin schaffen sie Arbeitsplätze – nämlich durchschnittlich etwa 14 pro Unternehmen, wie wir im Deutschen Startup Monitor ermittelt haben. Übrigens: Der aktuelle DSM erscheint in wenigen Wochen – und beleuchtet aufs Neue die Gründerkultur in Deutschland. Es gibt sie.

 
www.deutschestartups.org

 

September 2018 | Wirtschaftswoche | Unternehmertum

»Start-ups setzen neue Impulse.«

Kai Enders / Präsident; Deutscher Franchiseverband e. V.

Die Franchisewirtschaft in Deutschland zeigt sich dynamisch. Entgegen dem allgemein eher rückläufigen Trend wächst die Zahl der Franchisegründungen seit Jahren kontinuierlich an. Diese Entwicklung bescherte der Gesamtfranchisewirtschaft in Deutschland im Jahr 2017 mit 112 Milliarden Euro ein Umsatzplus von 8 Prozent. Und dennoch: Der derzeitige Positivtrend ist kein Automatismus. Er ist selbst gemacht und selbst motiviert. Er ist möglich, weil die Bereitschaft besteht, Franchise neu zu denken. Gerade junge Unternehmen aus dem sozialen wie auch Start-up-Bereich setzen dafür frische Impulse. Statische Unternehmensstrukturen sind agilen Arbeitsprozessen gewichen. Die Franchisepartnerschaft, wie sie sich aktuell mehr und mehr darstellt, wird zunehmend als Lern- und Innovationsgemeinschaft auf Augenhöhe verstanden. Wer bereit und offen für diese Form der Unternehmenskooperation ist, der wird sich auch künftig den wirtschaftspolitischen wie strukturellen Herausforderungen erfolgreich stellen können.
 

www.franchiseverband.com

September 2018 | Wirtschaftswoche | Unternehmertum

»Wir brauchen Mitarbeiter, die unternehmerisch denken.«

Tim Ackermann / stellv. Vorstandssprecher; Queb Bundesverband für Employer Branding; Personalmarketing und Recruiting e.V.

Auch Unternehmen, welche der Start-up-Phase schon länger entwachsen sind, setzen mittlerweile auf agile Strukturen und Projektorganisationen, um schnell auf Marktentwicklungen reagieren zu können und innovativ zu bleiben. Da dies nur mit Mitarbeitern gelingen kann, die „unternehmerisch denken“, bedarf es neben der Entwicklung innovationsfreundlicher Strukturen, Prozesse und Führungsstile auch externer Talente, um frischen Wind in die Organisationen zu bringen. Im Werben um die besten Köpfe setzen moderne Unternehmen hierbei auf individuelle und authentische Zielgruppenansprache auf Social-Media-Kanälen. Ist das Interesse geweckt, werden Bewerbungshürden möglichst niedrig gehalten (Stichwort „One-Click-Application“). Mobile Lösungen sind inzwischen Standard. Kommt es zur Bewerbung, zählen klassische Auswahlkriterien wie gute Noten zwar immer noch, aber generelle kognitive Fähigkeiten, soziale und persönliche Kompetenzen nehmen an Wichtigkeit immer weiter zu. Lernen und Anpassungsfähigkeit an einen immer schnelleren Wandel schlagen hierbei statisches Wissen.
 

www.queb.org