Was bestellen wir heute?

Dezember 2015 | Handelsblatt | Gesundheit & Arbeit

Was bestellen wir heute?

Für immer mehr Berufstätige ist gesundes Essen am Arbeitsplatz eine Herausforderung. Welche Möglichkeiten haben Arbeitnehmer und Unternehmen gegenzusteuern?

Illustration: Irene Sackmann
Heinke Kegler / Redaktion

Ein grüner Smoothie ist leicht gemacht, Mittags muss nur noch die Joghurtsoße mit Chiasamen über den mitgebrachten bunten Salat gegossen werden, und zwischendurch gibt es selbst gebackene Müslikekse mit Agavendicksaft. Gesunde Ernährung kann so einfach sein? Leider nicht ganz. Eine Studie der Techniker Krankenkasse (TK) aus dem Jahr 2013 hat ergeben, dass es besonders Berufstätigen immer schwerer fällt, eine gesunde Ernährungsweise in ihr Büroleben zu integrieren. Nur jeder Zweite kann demnach in seinen Pausen in Ruhe essen, weil er schlicht zu wenig Zeit hat. Dabei muss „Ernährung wieder mehr Raum im Alltag bekommen. Es geht nicht um stundenlange Zeitfenster, sondern darum, dass man in dem Moment bei der Sache ist“, so der TK-Vorstandsvorsitzende Jens Baas im Presseportal.


Das größte Problem ist neben der fehlenden Zeit die begrenzte Auswahl an Essen. In der Studie mit insgesamt 1000 Teilnehmern gaben vier von zehn Befragten an, dass „das Angebot in der Kantine oder der näheren Umgebung des Unternehmens eine gesunde Ernährung schwierig macht.“ In größeren Städten mit über 500.000 Einwohnern beklagte sich sogar fast jeder Zweite darüber. Hier sind auch die Unternehmen gefragt. Beispielsweise raten Experten Firmen mit einer betriebseigenen Kantine dazu, diese regelmäßig einer eingehenden Prüfung zu unterziehen, um eventuelle Schwachstellen gezielt aufzuzeigen und verbessern zu können. Als Leitfaden dienen dabei die aktuellen Qualitätsstandards für die Betriebsverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.


Ist keine Kantine vorhanden, weichen viele Berufstätige auf Imbisse oder Lieferservices aus. Auch hier lohnt sich der sprichwörtliche Blick über den Pizza-Pasta-Tellerrand: So gibt es inzwischen vor allem in größeren Städten einige Möglichkeiten, um sich gesundes Essen direkt ins Büro liefern zu lassen. „Die Leute wollen Essen, das fit macht“, sagt Mohamed Chahin. Zusammen mit Robin Himmels und Marco Langhoff hat er „eatclever“ ins Leben gerufen, einen Lieferservice, der gesunde Gerichte zu humanen Preisen anbietet. Damit das gelingt, kooperieren die drei mit Restaurants in mittlerweile 13 Städten, die ihre Gerichte frisch zubereiten und ausliefern. Unter den Kunden befinden sich „extrem viele Unternehmen“, die sich von eatclever ihr Essen für die Mittagspause bringen lassen, einige davon fast täglich. Bemerkenswert findet Chahin, dass regelmäßig Sammelbestellungen von Kollegen durchgeführt werden – anscheinend sind die Gerichte nicht nur gesund, sondern bringen zusätzlich die Leute an einen gemeinsamen Tisch. „Eigentlich wünscht sich doch jeder abwechslungsreiches, gesundes Essen. Für viele haben wir mit unserem Konzept deshalb ein echtes Problem gelöst“ beschreibt Chahin die Lage.


Ebenso wichtig wie ein gesundes Mittagessen sind gesunde Zwischenmahlzeiten. „Versuchungen, am Arbeitsplatz Ungesundes zu sich zu nehmen, sind allgegenwärtig und groß“, schreibt die Gesundheitswissenschaftlerin Hannah Frey in ihrem Buch „Gesund im Büro“ und warnt vor Süßigkeiten. Die stehen allerdings bei jedem zehnten Berufstätigen täglich auf den Speiseplan, so das Ergebnis der TK-Studie. Frey und andere Ernährungsberater empfehlen gesunde Snacks wie Äpfel, Nüsse oder Bananen. Auch hier können Arbeitgeber ihren Teil beisteuern. Anstatt zum Beispiel Snackboxen mit Schokoriegeln, Chips oder Gummibärchen im Aufenthaltsraum aufzustellen, können gesunde Varianten wie die „Bite Box“ gewählt werden. Diese beinhaltet verschiedene Mischungen aus Nüssen und Trockenobst oder – wie der Hersteller es nennt – Office Survival Food.