Besser vorsorgen

Juli 2019 | Die Zeit | Gesundheit & Volkskrankheiten

Besser vorsorgen

Prävention und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind das A und O.

Dr. med. Sibylle Greiner Leitende Ärztin der Abteilung Hämatologie und Onkologie der Paracelsus-Klinik Osnabrück, Internistin, internistische Onkologie und Hämatologie, Palliativmedizin
Paracelsus-Klinik Osnabrück / Unternehmensbeitrag

Frau Dr. Greiner, warum ist Krebs eine Volkskrankheit?
Krebserkrankungen zählen neben den Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den am meisten in Deutschland auftretenden Erkrankungen mit Todesfolge. Grundsätzlich ist die beste Vorsorge die Prävention, damit erst gar keine Krebserkrankung entsteht. Hierzu zählen z. B. gesunde Ernährung, regelmäßiger Sport, Rauch- und Alkoholverzicht, aber auch effektiver Schutz vor Sonnenstrahlung.


Für bestimmte Krebserkrankungen (Dickdarm-, Prostata-, Brustkrebs und Melanom) gibt es anerkannte Vorsorgeprogramme. Trotz teilweise erheblicher Fortschritte in der Behandlung der Krebserkrankungen gilt nach wie vor, dass bei frühzeitiger Erkennung die Heilungschancen am größten sind. Leider scheuen sich immer noch viele Menschen vor den Vorsorgeuntersuchungen und gehen trotz Auftreten von Symptomen zu spät zu ihrem Arzt.

 

Was ist aus Ihrer Sicht bei der Diagnostik besonders wichtig?
Bei Krebsverdacht sollte eine zügige umfassende Diagnostik erfolgen, um den genauen Zelltyp und das Tumorstadium festlegen zu können, denn diese sind entscheidend für die weitere Therapie. Dabei stehen verschiedene Untersuchungsmethoden wie bildgebende Verfahren und Verfahren zur Gewebsgewinnung zur Verfügung.


Besonders wichtig ist die genaue molekulargenetische Untersuchung, um jede Möglichkeit der heute zur Verfügung stehenden modernen und individuellen Therapie ausschöpfen zu können.
Revolutionär ist hierbei die Liquid Biopsy („Flüssigbiopsie“) aus Blut zum Nachweis von Tumorzellen bzw. -DNA. Diese ist durch eine simple Blutentnahme möglich. Da der Krebs die Zellen verändert, kann man damit in vielen Fällen den entscheidenden „Fehler“ im genetischen Bauplan ausfindig machen und mögliche Angriffspunkte für eine gezielte Therapie definieren. Die onkologische Diagnostik bedeutet fast immer geduldig zu sein. Nicht selten vergehen zwei bis drei Wochen, bis eine individuelle Therapieempfehlung ausgesprochen werden kann.  

 

Was bedeutet das für die Behandlung?
Die Behandlungsstrategien sind individueller und vielfältiger geworden. Beim Lungenkrebs bedeutet dies z. B., dass ein zunehmender Teil der Patienten primär keine Chemotherapie erhalten muss. Tumore werden zunehmend nach ihrem molekulargenetischen Fingerabdruck behandelt. Besonders zukunftsweisend ist die Immuntherapie. Diese hält bei immer mehr Tumorerkrankungen Einzug, z. B. bei Melanom, Lungen- und Nierenkrebs.

 

Was können Betroffene selbst tun?
Betroffene sind bereits an Krebs erkrankt. Hier ist die vertrauensvolle enge Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten wichtig. Je nach Tumorstadium besteht diese aus regelmäßigen Nachsorgeuntersuchungen oder engmaschiger Therapiebegleitung. Wünsche nach alternativen Therapieergänzungen sollten offen mit den behandelnden Onkologen abgesprochen werden.


Die rasante Weiterentwicklung von Diagnostik und Therapie der Krebserkrankungen bedeutet heute, dass nicht jede Krebsdiagnose einem Todesurteil gleichkommt. Vielmehr können diese immer öfter als chronische Erkrankung begriffen werden. Deshalb sollten Betroffene auf einen gesunden Lebenswandel achten.

 


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