Die Wege der Energiewende mögen unergründlich sein, ihre Ziele nicht. „Heiz-Hammer“ oder „Wärmepumpen-Zwang“ hieß es noch 2024, als die Ampelkoalition ihr Gebäudeenergiegesetz verabschiedete. Populisten zeigten sich entrüstet ob der neuen Regel, die da lautete: Neu eingebaute Heizungen sollten grundsätzlich zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Dass es einen „Zwang“ zu einer bestimmten Heiztechnologie gab, konnte dem Gesetz nicht entnommen werden, das wurde dazugedichtet. Basis dafür war die Erkenntnis, dass sich die Wärmepumpentechnologie aufgrund der Energiequelle Strom wohl am besten eignen würde, um die Erneuerbaren-Regel umzusetzen.
Das allerdings stimmte, und inzwischen haben die Verbraucher mit den Füßen abgestimmt: Laut Deutscher Energieagentur dena waren bereits die Hälfte der 2025 verkauften Heizungen Wärmepumpen. Ihr Anteil stieg von 27 Prozent im Vorjahr auf 48 Prozent, insgesamt rund 299.000 Anlagen. Gleichzeitig sank der Anteil von Gasheizungen auf 44 Prozent im vergangenen Jahr. Auch wenn die Wirtschaftsministerin wieder fossile Gasheizungen erlauben möchte, wird der Wärmepumpen-Boom wohl weitergehen – auch dank der Förderung mit bis zu 70 Prozent Zuschuss und stabiler, teils sogar sinkender Strompreise. Die Wärmepumpe gilt endgültig als Standard für die klimafreundliche Wärmewende im Neubau und Bestand. „Das Heizen mit Wärmepumpen wird zunehmend angenommen“, erklärte Corinna Enders, Vorsitzende der dena-Geschäftsführung. Und betont: „Die neuen Zahlen verdeutlichen, wie Deutschland seine Abhängigkeit von Energiepreisschwankungen bei Öl und Gas reduzieren kann.“
Der Gebäudesektor ist der mit Abstand größte Energiesektor in Deutschland. Mit über 35 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs und einem enormen Wärmebedarf, der derzeit noch zu einem großen Teil fossil gedeckt wird, ist er der größte Hebel für die Energiewende. Die Wärmepumpe spielt dabei eine strategische Rolle. Speziell im Sektor Gebäude besteht hoher Nachholbedarf – und damit viel Auftragspotenzial für Unternehmen. Corinna Enders: „Die Gebäudewende bietet die Chance, Klimaschutz mit Wirtschaftswachstum zu verbinden.“
Die Wärmepumpe ist eine Schlüsseltechnologie, weil sie aus erneuerbarem Strom effizient Wärme bereitstellt und damit fossile Heizungen ersetzen kann. Für Unternehmen besonders interessant sind sogenannte Großwärmepumpen ab 100 Kilowatt Leistung. Sie arbeiten nach dem gleichen Prinzip wie Haushaltswärmepumpen, sind aber deutlich leistungsstärker und erreichen höhere Temperaturen. Noch größer sind leistungsstarke Anlagen ab etwa 500 Kilowatt, die ganze Stadtteile mit Wärme versorgen können. Studien zeigen, dass solche Großwärmepumpen bis 2045 rund 70 Prozent der Fernwärmeversorgung übernehmen könnten. Noch sind in Deutschland wenige Großwärmepumpen in Betrieb, etwa in Stuttgart, Berlin und Mannheim, weitere Projekte sind geplant. Derzeit wird der Ausbau durch hohe Kosten, komplexe Genehmigungsverfahren und begrenzte Wärmequellen gebremst.
Teilweise sind auch noch fehlende Wärmeplanungen in den Kommunen für die stockende energetische Planung von Gebäudebesitzern verantwortlich. Denn wer nicht weiß, ob er nicht bald an ein Fernwärmenetz angeschlossen wird, wartet in der Regel mit aufwendigen Einbauten neuer Heizsysteme ab. Daher ist die Quartiersperspektive zentral: Die Energieeffizienz eines einzelnen Hauses reicht für sich genommen nicht aus, wenn Wärmeversorgung, Stromnetze, Speicher und Erzeugung nicht gemeinsam gedacht werden. Gerade in dicht bebauten Stadtgebieten entscheidet das Zusammenspiel von Gebäuden, Infrastruktur und kommunaler Wärmeplanung darüber, wie schnell die Wärmewende gelingt. Je frühzeitiger die Wärmeplanung begonnen wird, desto früher können auch Hauseigentümer und Unternehmen ihre Investitionsentscheidung treffen und damit den Ausbau klimafreundlicher Wärmenetze beschleunigen.
»Der Gebäudesektor ist mit über 35 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs der mit Abstand größte Energiesektor in Deutschland.«
Nun scheint Bewegung in die kommunale Wärmeplanung zu kommen, jedenfalls zeigen das Erhebungen des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende. Demnach haben zum Ende des ersten Quartals 2026 rund 56 Prozent der großen Kommunen mit über 100.000 Einwohnern ihre Wärmeplanung abgeschlossen, 44 Prozent befinden sich derzeit im Prozess. 84 Prozent der Städte und Gemeinden mit 10.000 bis 100.000 Einwohnern haben ihre Wärmeplanung begonnen oder abgeschlossen. Bei den kleineren Gemeinden unter 10.000 sind mit 49 Prozent ebenfalls schon knapp die Hälfte im Wärmeplanungsprozess oder haben ihn abgeschlossen; die aktuelle Frist zur Bearbeitung läuft für sie bis Mitte 2028.
Um den größten Sektor der Energiewende zu dekarbonisieren, reicht das noch nicht aus. Kopfzerbrechen machen die vielen Bestandsgebäude, die auf die energetische Sanierung warten. Dena-Chefin Corinna Enders hofft auf den Durchbruch des sogenannten „seriellen Sanierens“. Das sei notwendig, denn in den vergangenen Jahren sei der Wärme- und Endenergieverbrauch in Gebäuden zwar leicht gesunken, jedoch nicht schnell genug, um die Klimaziele im Gebäudebereich zu erreichen.
Der aktuelle dena-Bericht zeigt eine gute Nachfrage nach seriellen Sanierungen. Im Jahr 2025 lag die Zahl der bewilligten Förderanträge für Projekte mit vorgefertigten Fassadenelementen erneut bei über 1.000. Weil serielles Sanieren bisher oft in Mehrfamilienhäusern angewandt wird, sind das mehr als 6.000 Wohneinheiten. Dies entspricht rund 24 Prozent aller Wohneinheiten, für die eine Förderung mit dem Effizienzstandard EH 40 und EH 55 bewilligt wurde. Nach Schätzungen der dena sind rund 30 Prozent aller Gebäude im Bestand für serielle Sanierungen geeignet.
„Deutschland kann die Klimaziele im Gebäudesektor mit marktbasierten Instrumenten erreichen“, gibt sich Corinna Enders zuversichtlich: „Durch Vereinfachung und Bürokratieabbau, stabile Rahmenbedingungen und kontinuierliche Förderung. Die Bauwirtschaft sowie die Heizungs- und Gebäudeenergiebranche sind dabei ein volkswirtschaftlicher Motor. Das ist gerade in Zeiten schwacher Konjunktur enorm wichtig, besonders auch für die regionale Wertschöpfung im Handwerk.“