»Energiewende 2.0 in der neuen Legislaturperiode starten«

Dezember 2021 | Handelsblatt | Perspektiven 2022
Aufbruchstimmung 2022
Herausforderungen in ihren Branchen.
Dezember 2021 | Handelsblatt | Perspektiven 2022

»Handel zwischen Pandemie und Neustart«

Stefan Genth / Hauptgeschäftsführer Handelsverband Deutschland HDE

Ein neues Jahr beginnt traditionell mit guten Vorsätzen. Zuversichtlich auf den bevorstehenden Jahreswechsel zu blicken, ist für viele Handelsunternehmen jedoch eine Herausforderung. Nach mehr als eineinhalb Jahren Pandemie haben sie all ihre Hoffnung in das Weihnachtsgeschäft gesetzt. Die für gewöhnlich umsatzstärkste Zeit des Jahres hätte zum Lichtblick für die gesamte Branche werden können, ein erster Schritt auf dem Weg aus der Krise. Doch die flächendeckende Einführung weiterer Corona-Maßnahmen trübt die Stimmung unter Händlerinnen und Händlern. Mitten in der wichtigen Weihnachtszeit spüren sie den Effekt schwacher Kundenfrequenzen und Umsätze. Kurz vor dem Jahreswechsel ist der Handel gefangen zwischen den Auswirkungen der Pandemie und der Suche nach einem Neustart.

 

Damit dieser Aufbruch im neuen Jahr gelingt, bedarf es schneller, umfassender und konsequenter Unterstützung. Pandemiebedingt entstandene Verluste müssen angemessen aufgefangen werden. Eine zentrale Herausforderung liegt somit darin, die wirtschaftliche Existenz vieler Händlerinnen und Händler zu sichern und ihnen eine Perspektive zu geben. Die erfolgreiche Eindämmung der Pandemie ist hierbei von besonderer Bedeutung. Ihr Verlauf prägt die Zukunft des Einzelhandels und unserer Innenstädte mit.

 

Entsprechend schwer fällt es, den Fokus in dieser angespannten und dynamischen Zeit auf mögliche Chancen des neuen Jahres zu legen. Zuversichtlich stimmt jedoch, dass die neue Bundesregierung den Einzelhandel, zukunftsfähige Innenstädte und die Digitalisierung auf ihrer Agenda für diese Legislaturperiode hat. Mit neuen Investitionen in unsere Innenstädte, in neue Handelskonzepte und in die digitale Welt müssen wir in die Zukunft schauen. Und in genau diesem Blick nach vorne könnte auch der gute Vorsatz für das neue Jahr 2022 gefunden sein. Es gilt, die Zukunft des Handels zu gestalten und Herausforderungen gemeinsam anzugehen.

 

www.hde.de

Dezember 2021 | Handelsblatt | Perspektiven 2022

»Digitalisierung treibt die Arbeitswelt der Zukunft«

Achim Berg / Präsident Bitkom

Die Digitalisierung der Arbeitswelt hat in den vergangenen Monaten deutlich an Tempo gewonnen. Digitale Technologien machen es möglich, dass immer mehr Berufstätige unabhängig von Ort und Zeit arbeiten können. Diese Vorzüge werden gerade jetzt in der Corona-Krise besonders deutlich. Ging der Kulturwandel hin zu zeit- und ortsflexiblem Arbeiten zuvor eher langsam voran, läuft jetzt alles umso schneller.

 

Homeoffice ist für viele Arbeitgeber und Beschäftigte binnen weniger Monate vom Ausnahme- zum Regelfall geworden. Und es ist nur ein Beispiel, wie die Arbeitswelt in absehbarer Zeit grundlegend umgestaltet wird. Diese Zukunft der Arbeit wird unter dem Schlagwort „New Work“ diskutiert. Die modernen Arbeitskonzepte sind eng verknüpft mit der Digitalisierung, denn sie werden durch den Einsatz digitaler Technologien überhaupt erst möglich gemacht.

 

Digitale Kompetenzen spielen schon heute in allen Berufsfeldern eine wichtige Rolle und werden weiter an Bedeutung gewinnen. Wer bereit ist, sich regelmäßig weiterzubilden, hat beste Chancen auf dem sich immer schneller verändernden Arbeitsmarkt. Mit der Digitalisierung ist immer wieder die Sorge verbunden, dass Jobs verloren gehen. Das hat sich bislang aber nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: In vielen Branchen herrscht Fachkräftemangel – nicht trotz, sondern wegen der Digitalisierung. Allein in der IT- und Telekommunikationsbranche entstehen jährlich um die 40.000 zusätzliche Jobs. Branchenübergreifend fehlten Ende 2020 fast 100.000 IT-Fachkräfte. Die Zahl ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Auch wenn wir derzeit eine coronabedingte Wachstumspause erleben, wird es bald wieder nach oben gehen.

 

Die Zukunft der Arbeitswelt hat begonnen. Dass die Digitalisierung dabei sehr viel mehr leistet, als lediglich die Arbeitsproduktivität zu steigern, haben die vergangenen anderthalb Jahre gezeigt. Jetzt geht es darum, diese Entwicklung zu verstetigen und gezielt zu flankieren.

 

www.bitkom.org

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»2022 für einen nachhaltigen digitalen Aufbruch nutzen«

Dr. Oliver Grün / Präsident Bundesverband IT-Mittelstand BITMi

Das Jahr 2022 sollte unsere Wirtschaft für einen nachhaltigen digitalen Aufbruch nutzen. Wir starten mit einer neuen Regierung ins Jahr, die endlich die Bedeutung der Digitalisierung erkannt hat, sie gemeinsam mit der größten Herausforderung unserer Zeit – dem Klimawandel – in den Fokus setzt und miteinander verbindet. Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern das wichtigste Instrument, um den Wohlstand der Zukunft an einem klimafreundlichen Technologiestandort zu sichern.

 

Jetzt muss die neue Bundesregierung die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, damit die digitale Transformation pragmatisch gelingt. Damit ein "Digitalministerium" im Verkehrsministerium nicht wieder ins Leere läuft, kommt es auf die dorthin übertragenen Kompetenzen an. Es braucht zumindest die Digitalstrategie, digitale Infrastruktur, digitale Schlüsseltechnologien und die Digitalisierung der Verwaltung in einer Hand. Aber auch die Wirtschaft muss sich konsequenter als bisher an den Chancen orientieren, anstatt sich auf Hürden zu fokussieren. Sei es nun die Pandemie oder der Klimawandel, die Digitalisierung kann bei jeder der Krisen Teil der Lösung sein.

 

Für Unternehmer ist es deshalb wichtig, darin die Möglichkeiten für neue Produkte und Märkte zu sehen. Für unseren IT-Mittelstand bedeutet das: Augen auf für die Möglichkeiten, wo IT-Produkte oder Services Herausforderungen überwinden können, sei es bei der Verbesserung unseres Gesundheitssystems oder bei der Einsparung von CO2. Für die Anwenderunternehmen auf der anderen Seite bedeutet es, die alten Wege zu verlassen. Sie müssen ihre Perspektive für neue Technologien öffnen: Anstatt auf das Altbewährte zu setzen, solange es noch läuft, müssen neue Geschäftsmöglichkeiten und Innovationen proaktiv angegangen werden.

 

Die Pandemie hat uns vor Augen geführt, wie schnell Wandel funktionieren kann, wenn es sein muss. Und unsere Wirtschaft hat gezeigt, dass sie dem gewachsen ist. Nun ist es wichtig, die digitale Transformation selbstbestimmt anzugehen.  

 

www.bitmi.de

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»Energiewende 2.0 in der neuen Legislaturperiode starten«

Dr. Simone Peter Präsidentin / Bundesverband Erneuerbare Energie

Mit den im Ampel-Koalitionsvertrag festgehaltenen energie- und klimapolitischen Vereinbarungen kehrt die Energiewende nach Deutschland zurück. Mit der Erkenntnis, dass Klimaschutz und die dafür nötige Energiewende auf Basis der Erneuerbaren Energien ein maßgeblicher Konjunkturmotor für den Wirtschaftsstandort ist, muss ein Neustart in der Energiepolitik gelingen. Dieser ist nun mit entsprechenden Gesetzen, Forderungen und Maßnahmen zu unterlegen.

 

Hoffnung für die Erneuerbaren-Branche, aber auch Unternehmen und Privathaushalte, die auf eine saubere Energieversorgung setzen, macht insbesondere das Ziel, bis 2030 bereits 80 Prozent der Stromversorgung aus Erneuerbaren Energien zu generieren, wobei durch die Elektrifizierung durch Wärmepumpen, Elektromobilität und Grünen Wasserstoff realistischerweise ein Mehrbedarf beim Strom vorausgesetzt wurde. Im bislang kaum dekarbonisierten Wärmesektor soll der Anteil klimaneutraler Erzeugung auf 50 Prozent bis 2030 wachsen und im Verkehrssektor die Anzahl der vollelektrischen PKW auf mindestens 15 Millionen. Das ist eine riesige Herausforderung, aber auch Chance für die regionale Wertschöpfung – vom Handwerk bis zur Industrie - und damit für die Stärkung des Standorts Deutschland.

 

Das Zugeständnis für den massiven Ausbau der Erneuerbaren bedeutet gleichzeitig, dass im Stromsektor der Kohleausstieg 2030 in erreichbare Nähe rückt, und auch bei Wärme und Mobilität fossile Energien zunehmend ersetzt werden. Damit dies versorgungssicher und sozial verträglich gelingt, braucht es klare Vorgaben im Ordnungsrecht und den Abbau milliardenschwerer fossiler Subventionen, aber auch deutliche Marktsignale. Hier muss die Ampel-Koalition mit Blick auf den CO2-Preis noch nachbessern.

 

www.bee-ev.de

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»Elektromobile Alltagsinnovationen machen Freude«

Christian Heep / Vizepräsident Bundesverband eMobilität

Beinahe täglich produziert die Elektromobilität derzeit Innovationen, die helfen, die Neue Mobilität voranzutreiben und Bestehendes zu verbessern. So sind etwa Stationslösungen für die wild herumstehenden E-Scooter in den Städten absehbar – nicht nur weil die Städte regulativ darauf umstellen werden, sondern technische Lösungen hierfür an den Markt drängen. Die Firma ONgineer bietet induktive Ladelösungen, wodurch robuste, wetterfeste und auch gesicherte Parkmöglichkeiten angeboten werden können. eScooter müssen dann von den Verleihstationen nicht mehr eingesammelt und gesondert aufgeladen werden, wie das derzeit geschieht. Sie können an festen Stationen, ganz ohne Kabelsalat und der Suche nach freien Steckdosen, mit Hilfe induktiver Ladelösungen sauber abgestellt und automatisch aufgeladen werden. Verfügbarkeit und Ordnung werden gleichermaßen geschaffen, und die Mikromobilität kann erneut verbessert werden.

 

Induktives Laden oder auch Wireless Charging kannten wir bislang von der elektrischen Zahnbürste oder vom Induktionsherd oder vom Aufladen von Mobiltelefonen und Kopfhörern. Jetzt gibt es also den nächsten Schritt. Natürlich hat ONgineer, die Mitglied im Bundesverband eMobilität BEM sind, auch schon weitere Innovationen im Blick.

 

Was bei eScootern funktioniert, kann sich auch auf Drohnen erweitern lassen. Induktive Ladestationen machen die Elektrohummeln schneller flugbereit und dadurch effizienter im Einsatz. Das verbessert die Dienste in der Landwirtschaft, bei Inspektionsflügen oder der Geländeüberwachung. Innovationen in der Elektromobilität machen deutlich, dass man sie nicht überschauen kann, und sie machen dem Anwender und den Märkten große Freude.

 

www.bem-ev.de

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»Zeit für eine Humanisierung und Flexibilisierung der Arbeitswelt.«

Stefan Kiefer / Geschäftsführer Charta der Vielfalt

Diversity ist mehr als die Debatte über das Gendern! Als Charta der Vielfalt denken wir Diversity & Inclusion in der Arbeitswelt ganzheitlich und wollen sie auf allen Ebenen integrieren. Nicht nur durch den Fachkräftemangel wird Diversity Management für die Arbeitswelt immer wichtiger. Auch während der Pandemie wurde deutlich: Unternehmen und Organisationen konnten schneller und nachhaltiger reagieren und ihre Mitarbeitenden besser schützen, wenn sie auf vielfältige Teams, flexible Arbeitsmodelle oder aktives Gesundheitsmanagement setzen. Hier werden wir auch 2022 anknüpfen.

 

Im zurückliegenden Jahr hat sich unsere Art zu arbeiten stark verändert. Was früher im Unternehmen erledigt wurde, hat den Weg in Privatwohnungen gefunden. Die Arbeit aus dem Homeoffice und das „mobile Arbeiten“ gab Einblicke in die Lebenswelten der Beschäftigten, aber auch Angriffspunkte für Diskriminierung. Alte Rollenmuster haben sich wieder verfestigt und der Gefahr, dass wir hinter das bereits Erreichte zurückfallen, müssen wir nun aktiv begegnen. Teilweise als Rückschritte empfunden, ermöglichen die Veränderungen aber auch eine größere Akzeptanz für flexible Arbeitsmodelle und einen neuen Umgang mit alten Ungleichheiten. Insbesondere die Dimension der sozialen Herkunft, die wir zuletzt in den Urkundentext der Charta der Vielfalt aufgenommen haben, wird künftig eine wichtige Rolle spielen. Es ist Zeit für eine Humanisierung und Flexibilisierung der Arbeitswelt, für einen besseren Austausch mit Mitarbeitenden und mehr Verständnis für individuelle Situationen. Hier sind neben den Führungskräften wir alle gefragt. Gemeinsam kommen wir nur weiter, wenn sich Allys auf allen Ebenen finden, die den Betroffenen den Rücken stärken und Brücken bauen, um den Herausforderungen entgegenzutreten.

 

Die aktuelle pandemische Krise hat gezeigt: wer anpassungsfähig bleibt und auf eine vielfältige Belegschaft setzt, ist gut beraten: Vielfalt ist nicht nur eine soziale, sondern vor allem eine ökonomische Investition.

 

www.charta-der-vielfalt.de