Der lange Weg vom Erdöl zum Strom lohnt sich

TotalEnergies hat eine Tochtergesellschaft zum Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge gegründet – der Geschäftsführer Jan Petersen erläutert warum.

 

Der Physiker und Wirtschaftsingenieur Jan Petersen, 56, ist Geschäftsführer der im Oktober gegründeten Filiale TotalEnergies Charging Solutions Deutschland.
Der Physiker und Wirtschaftsingenieur Jan Petersen, 56, ist Geschäftsführer der im Oktober gegründeten Filiale TotalEnergies Charging Solutions Deutschland.
TotalEnergies Beitrag

Herr Petersen, Sie leiten TotalEnergies Charging Solutions Deutschland, eine Tochter von TotalEnergies, die Ladelösungen für Elektrofahrzeuge anbietet. Wie passt das zu einem Konzern, der für die Produktion und den Vertrieb von Erdöl und Erdgas steht?
Wir sind ein Multi-Energie-Unternehmen, und unsere Namensänderung im Mai 2021 unterstreicht diese Entwicklung. Elektromobilität ist die Zukunft. In der EU dürfen ab 2035 keine PKW mit Verbrennungsmotor mehr verkauft werden. Bald werden auch Teile des LKW-Verkehrs folgen, die Autoindustrie stellt ihre Produktion auf Elektro um. Also ist es unbedingt notwendig, dass wir in Ladeinfrastruktur investieren. Als Energieanbieter für Mobilität brauchen wir ein nachhaltiges Geschäftsmodell.

...das irgendwann profitabel sein soll. Wie wollen Sie das erreichen?
Zunächst müssen wir investieren. In Deutschland mehrere 100 Millionen Euro, hinzu kommen die Startmärkte Frankreich, Niederlande, Belgien und Großbritannien. Insgesamt sind es in Europa mehrere Milliarden Euro. Wir sind in unserem klassischen Geschäft grundsätzlich auf der gesamten Wertschöpfungskette aktiv – genauso beim Strom.

Wie erzeugen Sie den Strom?
Mit Solarfarmen, PV auf Industriedächern und Offshore-Windparks. Wir haben das Knowhow und die Expert:innen dafür. Weltweit wollen wir bis 2025 35 Gigawatt (GW) installierte Kapazität aus erneuerbaren Energiequellen erreichen, bis 2030 schon 100 GW. Zur Einordnung: Ein GW entspricht der Kapazität eines Atomkraftwerksblocks. Bis 2030 wollen wir unter die weltweiten Top 5 der Produzenten von Strom aus erneuerbarer Energie sein.

Wie viele Ladestationen wird TotalEnergies Charging Solutions in den kommenden Jahren installieren?
Hier muss man differenzieren zwischen der Ladesäule an der Straße mit 11 Kilowatt (kW) Leistung und einer mit 200 kW an der Tankstelle, einer sogenannten Ultra-Schnellladesäule. Wir planen in Deutschland bis 2025 etwa 13.500 Ladepunkte zu betreiben, davon 1.000 Schnellladesäulen. 2030 sollen es 35.000 Ladepunkte sein.

Wo wollen Sie die Ladepunkte platzieren?
Zum einen an den Tankstellen: Viele statten wir heute schon mit Ultra-Schnellladesäulen aus. Aber nicht jede der fast 1.200 TotalEnergies-Tankstellen in Deutschland ist für Ladeinfrastruktur geeignet. Insbesondere fehlender Platz und zu geringe Stromanschlussleistungen sind Hinderungsgründe.

Mit TotalEnergies Charging Solutions gehen wir weit über die Tankstellen hinaus. Das Ladeverhalten der Fahrer:innen von E-Fahrzeugen wird sich gegenüber dem Tankverhalten stark verändern. Heute finden etwa 80 Prozent der Beladungen zu Hause oder bei der Arbeit statt. Nur wenn das nicht geht, lädt man im öffentlichen Raum. Wir werden Ladestationen etwa auf Parkplätzen, an Supermärkten oder Restaurants installieren. Darüber hinaus spielt auch der B2B-Bereich eine Rolle, wie Dienstwagenflotten.

Was reizt Sie persönlich an Ihrer Aufgabe?
Als vor drei Jahren der Bereich Mobilität & Neue Energien gegründet wurde, fand ich es spannend, als Leiter diese Sparte aufzubauen. Jetzt gehen wir mit der Gründung einer eigenen Filiale für Elektromobilität den Weg konsequent weiter. TotalEnergies steht oft in der Kritik als Produzent und Verkäufer von fossilen Energieträgern – wir nehmen solche Debatten ernst. Wir befinden uns mitten im Wandel zu einem Multi-Energie-Unternehmen und werden die Zukunft mit alternativen Energieträgern angehen. Die Mittel und das Knowhow dafür sind vorhanden. Und unsere Investitionen zeigen: Das ist kein Lippenbekenntnis.

www.totalenergies.de

Nächster Artikel
Technologie
April 2023
Die Trocknungsanlage „H2dry“ macht die Trocknung von Wasserstoff im großen Maßstab wirtschaftlich.
Beitrag

Lösung für den Wasserstofftransport

Bilfinger stellt eine skalierbare und wirtschaftliche Technik vor, um Wasserstoff in großem Maßstab transportfähig zu machen und so die Wasserstoffwirtschaft nach vorne zu bringen.

Technologie
Juni 2023
Das Bürogebäude OWP12 überzeugt mit vertikalem Garten sowie einer neu entwickelten modularen Fassade mit PV-Elementen.
Beitrag

Fassaden unter Strom: Gebäudehülle als Solarkraftwerk

Die Bundesregierung plant bis 2030 den Solaranteil am Energieverbrauch mehr als zu verdreifachen. Das kann nur mit technologischen Neuerungen erreicht werden: So lässt sich Photovoltaik, kurz PV, nicht nur auf Dächern, sondern auch an Gebäudefassaden anbringen.