Das neue Teilen

Carsharing-Konzepte haben die bisherige Mobilität verändert. Um die Prozesse weiter zu optimieren, digitalisieren verschiedene Start-ups damit verbundene Geschäftsfelder: clever und on-demand.

Illustration: Jasmin Mietaschk
Illustration: Jasmin Mietaschk
Carolin Wilms Redaktion

Wenn einer teilt, haben alle mehr davon. So verhält es sich auch mit Fahrzeugen. Die heutigen Co-Konsument haben eine andere Beziehung zum früheren Statussymbol Auto: Junge, internetaffine Städter fragen sich, warum sie eine Kuh kaufen sollen, wenn sie nur ein Glas Milch wollen. Knapp drei Millionen Carsharing Nutzer sind im Jahr 2021 verzeichnet worden.

Auf diese Bedürfnisse stellen sich Start-ups wie Govirtuo ein, die seit dem Jahr 2022 virtuelles Ausleihen von Autos in Berlin und München anbieten. Das Unternehmen gibt an, dass Fahrzeuge auf Wunsch am bevorzugten Ausgangspunkt im jeweiligen Stadtgebiet bereitgestellt werden können. So wird das Handy zum Autoschlüssel, so wie es lokale Anbieter auch seit Jahren bei der kontaktlosen Autovermietung handhaben. Das französische Start-up, das seinen Markteintritt in anderen europäischen Ländern schon vor Beginn der Pandemie hatte, bietet zudem Fuhrparklösungen für Unternehmen mit einer eigenen Plattform an.

Carsharing-Unternehmen, die Elektrofahrzeuge im Bestand haben, müssen den Ladezustand der Batterie im Auge behalten. Um dies für Flotten mit eigenen Ladesäulen sicherzustellen, hat das Unternehmen Iodynamics eine Software-Lösung entwickelt. „Wir sorgen dafür, dass die Fahrzeuge kostengünstig und intelligent geladen werden“, sagt Johann Olsen, CEO von Iodynamics in Flensburg. Die Software kontrolliere den Ladezustand der Batterien und ermittle durch die angemeldete Weiternutzung für jedes Fahrzeugs die optimale Ladung. Die zuerst benötigten werden priorisiert, andere werden dann geladen, wenn der Strom am billigsten ist. „Dabei achtet die Software auf die Batteriegesundheit“, sagt Olsen. Das teuerste Teil des Autos werde lebensverlängernd geladen.

Die Mobilitätswende nachhaltig zu gestalten und dabei weniger fossile Brennstoffe einzusetzen, ist wirtschaftlich kein Selbstläufer. Die Carsharing-Firmen großer Automobilhersteller wie Mercedes, BMW und jüngst Volkswagen haben sich von diesen Unternehmensbereichen verlustreich getrennt. Übrig geblieben sind wenige Anbieter. Und diese Marktkonzentration führt bei den Verbrauchern zu höheren Preisen.

Zudem ist das Angebot in den Außenbezirken der Städte und vor allem auf dem Land noch dünn. Das Unternehmen Clevershuttle bietet in Zusammenarbeit mit mittlerweile fünf-zehn städtischen Verkehrsbetrieben in Deutschland einen On-Demand-Service an, um diese Lücken zu schließen. Damit können sich Personen aus städtischen Randgebieten zu den nächsten Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs oder sich in Randzeiten direkt zum Ziel bringen lassen. Das digitale System berechnet die optimalen Verbindungswege. Bis zu acht Personen können in den elektrisch betriebenen Shuttles befördert werden.

Aber nicht nur im Alltag, sondern auch für den Urlaub gibt es Carsharing-Anbieter. Das Münchner Start-up Roadsurfer hat allein in siebzehn deutschen Städten Campingmobile im Angebot. Das Unternehmen bietet auch Stellplätze im In- und (europäischen) Ausland an. Die Nutzer, die nach dem Urlaub nicht mehr teilen wollen, können ihren Camper dann kaufen. 

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