»Wir brauchen ein Umdenken im Umgang mit gebrauchten Kunststoffen«

April 2020 | Wirtschaftswoche | Green Economy

»Wir brauchen ein Umdenken im Umgang mit gebrauchten Kunststoffen«

Ein bewussterer Umgang mit Kunststoffen und Plastik ist wünschenswert. Genauso wichtig sind jedoch Lösungen für den Plastikmüll, der trotzdem anfällt. Und genau daran arbeiten die Experten von HAHN Kunststoffe.

Marco Bräuß, Mitglied der Geschäftsführung HAHN Kunststoffe GmbH
HAHN Kunststoffe GmbH / Unternehmensbeitrag

Herr Bräuß, kaum jemand verbindet etwas Positives mit Plastik und Kunststoff. Immer mehr Menschen wollen daher Umverpackungen möglichst vermeiden. Sie haben jedoch eine alternative Lösung für dieses Problem gefunden. Wie sieht diese aus?
Zunächst einmal: Natürlich wäre es am besten, wenn wir als Gesellschaft bewusster mit Plastik umgehen und den Einsatz dort vermeiden, wo es möglich ist. Das könnte den Verbrauch bereits deutlich reduzieren. Um den verbleibenden Rest kümmern wir von HAHN Kunststoffe uns dann gemeinsam mit unseren Kollegen aus der Kunststoffrecycling-Branche – mit allen Möglichkeiten, die unsere Technologie für den nachhaltigen Umgang bietet. Mit unseren HAHN-Lösungen rund um das Thema Wertstoffrecycling haben wir uns darauf spezialisiert, gebrauchte Kunststoffe aus dem Müll und der Natur herauszuhalten und sie in neue, langlebige und nutzbringende Produkte zu verwandeln. Also in Dinge, die von jedermann gebraucht werden.

 

Verwenden Sie alle Kunststoffe, die heute im Hausmüll vorkommen?
Wir konzentrieren uns auf Polyolefine, also keine PET-Flaschen oder ähnliches. Hierbei ist hervorzuheben, dass wir auch sogenannte Mischkunststoffe verarbeiten, die schwierig zu recyceln sind und bei der üblichen Wertstofftrennung am Ende übrigbleiben. Wir arbeiten also auch mit dem Material, das viele Recycling-Unternehmen nicht verwerten können, da man dazu neben der Technologie auch passende Endprodukte braucht. Und die haben wir in den letzten Jahren mit unseren Kunden, Ingenieuren und Prozesstechnikern erfolgreich entwickelt. Wir betrachten also den Wertstoffkreislauf ganzheitlich und denken von vornherein daran, wie aus dem recycelten Rohstoff eine Kundenlösung werden kann.

 

Wie nachhaltig ist es generell, Kunststoff zu recyceln?
Wir denken, dass Recycling neben der Einsparung und Vermeidung ein wichtiger Teil eines nachhaltigen Umgangs mit den Ressourcen ist, die im Kunststoff stecken. Der Gesetzgeber hat aus diesem Grund klare Recyclingquoten festgelegt, wodurch der umsichtige Umgang mit Kunststoff tiefer in der Gesellschaft verankert werden soll. Wir schenken Kunststoffen durch unsere Produkte einen neuen, langfristigen Nutzen und helfen so, Energie und CO2-intensive Neumaterialien einzusparen. Dazu kommt, dass wir diese im Rahmen unserer „close loop“-Geschäfte nach der Verwendung auch zurücknehmen, recyceln und dann erneut einsetzen, um so einen geschlossenen Kreislauf für das Material – unser hanit – zu schaffen.


 
Ihr Unternehmen wächst und ist im Kunststoffrecycling gerade dabei, auch international zu expandieren. Ist das der Trend, den die Generation Fridays for Future ausgelöst hat?
Ich glaube, wir können erfolgreich sein, weil wir mit hanit eine komplett recycelte Materialalternative mit vollkommen alleinstehenden Produkteigenschaften bieten. Das überzeugt unsere Kunden. Natürlich spielt dabei auch die gestiegene Sensibilität im Umgang mit Kunststoffen eine wichtige Rolle, aber es sind letztlich die Produktvorteile unseres Materials, die uns wachsen lassen.

 

Die Recyclingquote in Deutschland ist recht hoch. Könnten wir da nicht auch ruhigeren Gewissens konsumieren?
Wir müssen alle einen bewussteren Umgang mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen erlernen. Wir brauchen alternative ressourcenschonende Werkstoffe und ein Umdenken im Umgang mit gebrauchten Kunststoffen. Ich wünsche mir, dass Recycling viel mehr Bestandteil unseres Lebens wird und dass die Aufklärung und das positive Besetzen dieses Themas noch mehr zur Aufgabe der Politik werden. Hier hat im Übrigen die öffentliche Hand viele Möglichkeiten, beispielsweise durch Ausschreibungen, die explizit Produkte aus recyceltem Material bevorzugt genutzt wissen wollen.

 

www.hahnkunststoffe.de