Destination: Wasserstoff

April 2020 | Wirtschaftswoche | Green Economy

Destination: Wasserstoff

Wasserstoff hat Konjunktur. Für Dr. Timm Kehler, Vorstand von Zukunft ERDGAS, kann Deutschland durch die Wasserstoffherstellung aus Erdgas seine Stärke als Industrienation ausspielen.

Dr. Timm Kehler: „Unser Ziel muss sein, zum weltweiten Technologieführer auch bei der Produktion von Wasser- stoff zu werden.“
Zukunft ERDGAS / Unternehmensbeitrag

Wir sind mitten in der Energiewende. Warum sollten wir jetzt auf den Newcomer Wasserstoff setzen?
Deutschland hat sich ein hohes Klimaziel gesteckt: Bis 2050 wollen wir nahezu klimaneutral werden. Mittlerweile ist klar, dass die ursprüngliche Strategie der Elektrifizierung aller Sektoren aus technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht funktionieren wird. So viel Strom ist schlichtweg nicht verfügbar.


Erdgas kann erhebliche Emissionseinsparungen im Stromsektor ermöglichen, gerade wenn zunehmend Kohlekraftwerke vom Netz gehen. Allein letztes Jahr konnte der deutsche CO2-Ausstoß unter anderem durch einen erhöhten Einsatz von Gaskraftwerken um 50 Millionen Tonnen CO2 reduziert werden.


Im nächsten Schritt wird mit Wasserstoff Klimaschutz zudem in Bereichen möglich, für die bislang keine sinnvollen Lösungen bereitstehen – zum Beispiel in der Industrie.


Wie ebnen wir heute den Weg in die Wasserstoffwirtschaft?
Der Aufbau braucht Zeit und muss schrittweise erfolgen. Schon heute können bis zu 10 Prozent des grünen Gases ins Gasnetz eingespeist werden. Bei höheren Anteilen müssen Anpassungen an Netz und Endgeräten erfolgen, wobei viele Anwendungen bereits noch höhere Anteile vertragen, darunter einige Gasheizungen. Entscheidend wird am Ende sein, dass wir einen offenen Markt etablieren, in dem einerseits genug Wasserstoff produziert wird und andererseits genügend Abnehmer bestehen. Deutsche Auto-, Heizungs- und Turbinenhersteller arbeiten bereits auf Hochtouren an Wasserstoffgeräten. Wir müssen sicherstellen, dass diese Aktivitäten ausreichend gefördert werden.


Und – das klingt erst einmal banal – der Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft gelingt nur, wenn genug Wasserstoff im Markt verfügbar ist. Das schaffen wir, indem wir neben der Erzeugung aus Ökostrom auch Verfahren zur klimaneutralen Produktion von Wasserstoff aus Erdgas vorantreiben. Deutschland kann gerade hier seine Stärke als Industrienation ausspielen.

 

Woher bezieht Deutschland den Wasserstoff von morgen?
Deutschland ist ein Energie-Importland und wird das auch in Zukunft bleiben. Die enormen Mengen an benötigtem Wasserstoff werden wir nicht nur heimisch erzeugen können. Zukünftig werden wir auch grünen Wasserstoff aus sonnen- und windreichen Ländern importieren.


Gleichzeitig werden wir aber auch Wasserstoff brauchen, der klimaneutral aus importiertem Erdgas hergestellt wird – und das hier direkt bei uns. Das Gute daran: Die Gaspipelines bestehen bereits und werden aktuell weiter ausgebaut. Damit die Versorgung mit Erdgas langfristig gesichert bleibt, darf die Infrastruktur in Deutschland aber nicht zum Spielball der Geopolitik werden. Wenn wir eine Wasserstoffwirtschaft wollen, brauchen wir die Gasproduzenten und Gasinfrastrukturbetreiber an Bord.

 

Was muss die Politik tun, um eine Wasserstoffwirtschaft anzukurbeln?
Die Politik darf nicht planwirtschaftlich den Wasserstoff verteilen. Stattdessen müssen Anreize geschaffen werden, die die Nachfrage stimulieren. Dazu zählen Reduktionen von Steuern und Abgaben.


Damit wir Wasserstoff morgen genauso handeln können wie heute Erdgas, muss ein europäischer Binnenmarkt entstehen. Hier ist die EU gefragt. Aufbauend auf ihrer nationalen Wasserstoffstrategie sollte die Bundesregierung das Thema daher in Brüssel im Rahmen ihrer Ratspräsidentschaft forcieren. Wenn Deutschland und auch Europa in der Wasserstoff-Ära eine Rolle spielen wollen, muss das Thema jetzt ganz oben auf die Agenda.
Unser Ziel muss sein, zum weltweiten Technologieführer auch bei der Produktion von Wasserstoff zu werden.

 

www.zukunft-erdgas.info