Größer, weiter, nachhaltiger

Oktober 2016 | Wirtschaftswoche | Der starke Mittelstand

Größer, weiter, nachhaltiger

Im Rahmen des UNO-Klimaabkommens hat sich die Luftverkehrsbranche ambitionierte Klimaziele verordnet. Mit sparsamer Technik, einer effizienteren Auslastung und erneuerbaren Treibstoffen soll Fliegen umweltfreundlicher werden.

Illustration: Nicole Pfeiffer
J.W. Heidtmann / Redaktion

Als 2011 erstmals ein Airbus mit Biokraftstoff flog, hofften viele, dies sei der Auftakt der Energiewende in der Luft. Doch die zeitgleich entbrannte Debatte um E10 an den Zapfsäulen machte klar: Kraftstoff aus Pflanzen hat keinen guten Ruf, weil der Flächenverbrauch bei seiner Produktion groß ist. Außerdem besteht eine direkte Konkurrenz zu Nahrungsmitteln. Gezeigt hat der Test aber, dass der Einsatz von alternativen Kraftstoffen technisch möglich ist. Inzwischen sind neue Lösungen denkbar - etwa „Power-to-Fuel“, wobei Strom aus erneuerbaren Quellen durch Elektrolyse zu Treibstoff umgewandelt wird.

Innovationen sind gefragt

Die Luftfahrtindustrie ist auf innovative Lösungen angewiesen, denn die Branche hat sich im Rahmen des UNO Klimaschutzabkommens ambitionierte Klimaziele auferlegt: Erstens soll die Treibstoffeffizienz pro Jahr um 1,5 Prozent gesteigert werden. Dann soll ab 2020 das weitere Wachstum des Luftverkehrs CO2-neutral erfolgen. Zusätzliche CO2-Emissionen müssen durch Einsparungen in anderen Sektoren kompensiert werden. Bis 2050 will die Branche schließlich ihre CO2-Emissionen um 50 Prozent im Vergleich zu 2005 senken.
Zugleich wollen immer mehr Menschen auf der ganzen Welt ihren Traum vom Fliegen verwirklichen. Der Flugverkehr wächst rapide. Laut dem Dachverband der Fluggesellschaften IATA sind 2015 mehr als 38 Millionen Flugzeuge gestartet, ein Plus von 3,5 Prozent gegenüber Vorjahr. 3,5 Milliarden Passagiere wurden befördert. 2034 sollen sieben Milliarden Menschen als Flugpassagiere unterwegs sein – doppelt so viele wie 2015.

Neben dem Klimaschutz sind es die Kosten für Kerosin, die zu mehr Nachhaltigkeit zwingen. Sie machen bei Fluggesellschaften rund ein Drittel ihrer Gesamtkosten aus. Damit gibt es einen zusätzlichen Anreiz, Treibstoff einzusparen. Das geschieht zunächst über eine bessere Auslastung der Flugzeuge. Je mehr Passagiere an Bord sind, desto geringer wird der Treibstoffverbrauch pro befördertem Passagier. Weitere Effizienzgewinne werden über sparsamere Turbinen, Leichtbau und Aerodynamik erzielt.

Verbrauch sinkt

Auf diese Weise haben die deutschen Fluggesellschaften in den vergangenen 25 Jahren ihren Treibstoffverbrauch um 42 Prozent verringert. Im Vergleich: 1990 benötigte ein Flugzeug noch durchschnittlich 6,3 Liter pro Passagier und 100 Kilometer. Im vergangenen Jahr verbrauchte die Flotte der deutschen Fluggesellschaften durchschnittlich nur noch 3,63 Liter Kerosin auf der gleichen Strecke. Auch deutsche Frachtflugzeuge fliegen so effizient wie nie zuvor. Binnen zehn Jahren konnte der spezifische Energieverbrauch der Fracht-Flotte um 16 Prozent gesenkt werden.

Ein weiterer Faktor ist der Trend zu immer größeren Flugzeugen wie dem Airbus 380 oder der Boeing 747-8, die einen Verbrauch von nur noch rund drei Litern pro Passagier und 100 Kilometern aufweisen. Bei den besonders effizienten neuen Boeing 777-9X und Airbus A350-900 werden laut Hersteller nur noch 2,9 Liter Kerosin pro Passagier und 100 Kilometer verbraucht.